Stress im Bachelorstudium

Yoga in der Bibliothek

von Annika Hein und Stefanie Schröder

„Das Studium ist die schönste Zeit im Leben!“ Vielen Studierenden dürfte die­ser Satz aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis bekannt sein. Ausgeblen­det wird häufig, dass Studierende aufgrund der hohen Belastungen im Bache­lor-Studium seltener dazu kommen zu Reisen, Erfahrungen zu sammeln und neue Menschen kennen zu lernen. Erfolgsdruck und Konkurrenzkampf belasten das vermeindlich süße Leben der angehenden Akademiker.

Kopfschmerzen, Antriebsschwierigkeiten und Schlafstörungen: Nicht nur Lena sind diese Begleiterscheinungen der stressigen Prüfungsphasen allzu bekannt. Neben dem Verfassen von Hausarbeiten und Referaten sowie dem Lesen von Texten und der mündlichen Mitarbeit in den Seminaren empfinden Studierende vor allem die Prüfungsphasen als belastend. Hinzu kommen Zukunftsängste, Finanzprobleme, Konkurrenzdruck und die Frage, ob der Einstieg in den Beruf denn auch wie ge­wünscht funktioniert. Typische Gespräche von Bachelor-Studierenden drehen sich um Leistungspunkte, Noten und Praktika.

In einer von der CAU durchgeführten Umfrage aus dem Jahr 2011 beklagen sich die meisten Studierenden über die Notenhürden zu den Master-Studiengängen. So besteht derzeit für 24 Prozent der 4713 Masterstudiengänge, welche bundesweit an Universitäten und FHs angeboten werden, ein Numerus Clausus. Nach Berichten der Kultusministerkonferenz (KMK) aus dem Jahr 2011 sehen die Bundesländer keinen Bedarf, das Masterangebot zu erweitern. Bei der Suche nach einem Masterplatz wird die Bereitschaft zu einem Ortswechsel vorausgesetzt.

Nach Ansicht der KMK soll der Bachelor zukünftig der berufsqualifizierende Re­gelabschluss an den Universitäten sein. Dennoch gibt es vielerorts Zweifel an den Qualifikationen derjenigen, welche „nur“ den Bachelor-Abschluss vorzuweisen ha­ben. Auch die Studenten selbst scheinen den Master als eigentliche Berufsqualifika­tion zu sehen: nur wenige suchen sich direkt nach dem Bachelor einen Job, zwi­schen 66 und 80 Prozent streben den direkten Übergang in den Master an.

Nur eine geringe Zahl von Studierenden traut sich, ein Erasmus-Semester im Aus­land zu verbringen, da Vorlesungen und Seminare häufig nur einmal jährlich ange­boten werden. Ein halbes Jahr Auslandsaufenthalt bedeutet daher nicht selten, dass man ein Jahr länger studieren muss.

Auch der finanzielle Druck spielt eine große Rolle: so lebt der Großteil der Studie­renden von der Unterstützung der Eltern. Rund zwei Drittel der Studierenden hat ei­nen Nebenjob, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Folge der Bologna Reform ist, dass Studierende sich stärker untereinander messen und vergleichen. Der soziale Druck steigt und viele Studierende beklagen sich über die „Ellenbogenmentalität“ der Kommilitonen. Die Folge sind ein erhöhter Stresspe­gel und Versagensängste.

Dem bundesweiten Trend entsprechend steigt auch an der CAU die Zahl der Studie­renden an, welche psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Auch wenn Ba­chelor-Studierende an der CAU die Studien- und Prüfungsbedingungen im Allgemei­nen inzwischen deutlich besser bewerten als noch 2008, so stellen die Anzahl der Prüfungen und der kurze Zeitraum, in dem diese geschrieben werden, durchaus noch ein Problem dar.

Studierende können durchaus selbst Einfluss auf ihr Wohlbefinden nehmen. Studien des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes zeigen, dass Studierende, die regelmäßig Sport treiben, sich deutlich gesünder fühlen und auch in Stresssituatio­nen entspannter bleiben. Auch Lena hat Sport als Möglichkeit zur Entspannung ent­deckt, sie macht inzwischen Yoga.

Lena beim Yoga in der Bibliothek