Grün, gelb, rot? Zeig mir, wo du wirklich stehst

von Johannes Tiffert

Forschung am Geographischen Institut erfolgt für die meisten Studierenden eher im Verborgenen. Zur Einschätzung des eigenen Instituts kann Interessierten ein Blick auf aktuelle Hochschulbewertungen helfen – oder nicht? Wie das Geographische Institut der Uni Kiel in der Gegenüberstellung mit anderen Instituten abschneidet, welcher Wert solchen Rankings einzuräumen ist und wie sich der Standort Kiel regional präsentiert.

Das in der Öffentlichkeit am stärksten präsente Ranking deutschsprachiger Hochschulen ist, wahrscheinlich auch auf Grund seiner Medienpartnerschaft mit der „ZEIT“, das Hochschul-Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Der Ergebnisraum der Studie unterteilt sich in eine Spitzen- (grün), eine Mittel- (gelb) und eine Schlussgruppe (rot). Alle Ergebnisse können für einzelne Institute unabhängig von der Universität abgerufen werden.

Laut Detlef Müller-Böling, Leiter des CHE seit 1994, soll das Ranking vorrangig der Verbraucherinformation von Studenten dienen. In einem ZEIT-Artikel von 2003 (28.08.2003 Nr.36) zieht er den Vergleich zu den Arbeiten der „Stiftung Warentest“.

Für die letzte Vergleichsrunde geographischer Institute, beruhend auf Daten bis 2005, wird das Kieler Institut zwar insgesamt als „grün“ eingestuft, doch sticht eine vergleichsweise schlechte Beurteilung der verfügbaren Forschungsgelder aus dem positiven Gesamtbild heraus. Ist dieses Ungleichgewicht als Indiz für eine Vernachlässigung der Forschung am Institut zu interpretieren?

Nur auf der Grundlage des CHE-Rankings kann dieser Eindruck schnell entstehen. Professor Rainer Duttmann, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Geographischen Instituts, wundert sich über die Bewertung. „Wir haben die Drittmittelsumme verzehnfacht (…) und zwar von 2002 bis 2004“, doch findet er diese Tatsache im Ranking nicht wieder. Am Institut sind die Erhebungsmethoden der Studie unbekannt, da keine direkte Anfrage seitens des CHE erfolgte und auch auf der Homepage des Zentrums bleibt genaueres zum Vorgehen bei der Bewertung geographischer Institute unklar.

Ranking, Benchmarking, Evaluation. Bei der Bewertung von Hochschulen gibt es viele Ansätze.

Ein weiteres Ranking erfolgt durch das Hochschul-Informations-System GmbH (HIS). Bei ihrem „Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleich norddeutscher Hochschulen“ für das Bezugsjahr 2004 stehen die Universitäten und einzelnen Institute selbst als Zielgruppe im Mittelpunkt. Ihnen soll die Auswertung der Vergleichsanalyse eigene Stärken und Schwächen aufzeigen. Folglich liegen genauere Ergebnisse nur den involvierten Instituten vor. Lediglich ein Vergleich auf Universitätsebene ist frei verfügbar.

Teilnehmer der Studie sind neben der CAU Kiel unter andern die Hochschulen der Städte Berliner, Hannover, Göttingen und Hamburg. Für das Geographische Institut Kiel sind die Studien für 2004 „ausgesprochen erfolgreich verlaufen“, wie Professor Rainer Duttmann stolz erklärt. Im Projektbericht „Benchmarking für die Universität Kiel“ wird der Lehreinheit Geographie nicht nur eine gegenüber den anderen am Vergleich teilnehmenden Instituten überdurchschnittliche Gesamtposition zugesprochen, sondern auch die positive Entwicklung im Forschungsbereich bei gleichzeitig guter Lehre hervorgehoben.

Welche Untersuchung ist nun glaubwürdig? Die Antwort ist denkbar einfach: Beide; sie zielen nur auf unterschiedliche Interessenten ab und arbeiten dementsprechend mit verschiedenen Eingangswerten. Die gegensätzliche Bewertung der Forschung am Geographischen Institut ließe sich beispielsweise auf eine unterschiedliche Gewichtung von regionalen Forschungs- und Finanzierungsnetzwerken gegenüber internationalen Forschungsprojekten der Deutschen Forschungsgesellschaft oder der Europäischen Union zurückführen.

Dementsprechend muss die Aussagekraft eines Hochschulrankings immer an der Kraft seiner Eingangsparameter gemessen werden, denn mit ihrer Veränderung verändert sich auch das Endergebnis. Auch deshalb zieht es Professor Rainer Duttmann vor, das Geographische Institut nicht mit einzelnen Erfolgen bei Hochschulvergleichen anzupreisen und resümiert nordisch zurückhaltend:„Andere sagen, dass wir gut sind, das ist doch prima, wir sagen nicht, dass wir klasse sind.“

Jedes Institut hat seine Stärken und Schwächen.

Betrachtet man die enge Verknüpfung des Kieler Geographischen Instituts mit Behörden und Firmen im Land und damit die stark anwendungsbezogene Forschungs- und Projektarbeit der einzelnen Lehrstühle, so ist laut Rainer Duttmann eine weitere Öffentlichkeitsarbeit nicht nötig. „In den Verbünden, die uns kennen sollten, da sind wir bekannt.“, fügt er hinzu.

Für Außenstehende bleibt demnach ein Zugriff auf Bewertungen des Forschungsstandortes Kiel schwierig. Lediglich die Präsentation einzelner Forschungsergebnisse in der Presse oder auf den Internetseiten der einzelnen Lehrstühle tragen Informationen nach außen. Ob das ein Misstand ist? Über eine rückläufige Zahl von Studienanfängern muss sich das Kieler Institut jedenfalls genauso wenig Sorgen machen wie über die Beschaffung von Forschungsgeldern.

Allerdings scheint das ausschlaggebende Argument für ein Studium am Geographischen Institut nicht seine Forschungsaktivität, sondern etwas anderes zu sein: „90% (…) unserer Studierenden kommen aus dem Land Schleswig-Holstein“, verrät Professor Rainer Duttmann und unterstreicht damit erneut die enge Verbindung des Kieler Geographischen Instituts mit der Region und ganz Schleswig Holstein. Zwar wird auch in Kiel an internationalen Projekten mit Partnern im Ausland gearbeitet, aber ein großer Teil der Forschung befasst sich mit regionalen Themen und bewegt sich so für die Studierenden und Auftraggeber im Land.

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