Hauptsache weit weg
von Marcus Zunke
Eine große Exkursion ist für Studierende der Geographie Pflicht. Ferne Ziele sind interessant aber teuer. Wonach richtet sich das Angebot an Exkursionen und erfüllt es die Erwartungen der Studierenden?
Für eine Woche zierte ein kleines Plakat die meist genutzten Türen des geographischen Instituts. "Gaaanz große Exkursion" war darauf zu lesen. Konkrete Informationen hielt das Plakat lediglich zu Zielgebiet und Anmeldefrist bereit. Demnach sollten sich die Kosten auf mindestens 1900 Euro belaufen. Eine Preisobergrenze war nicht zu lesen, dafür die verbleibende Entscheidungszeit von zwei Tagen.
Dieser Aushang einiger Kommilitonen, der während der letzten Anmeldungsrunde für große Exkursionen stattfand, kritisierte humoristisch Preis- und Informationspolitik des damaligen Exkursionsangebots. Diskussionen zwischen Studierenden zeigten die Gründe für eine solche Aktion. Auf der einen Seite wurde von den attraktiven und interessanten Fernzielen geschwärmt, auf der anderen Seite klagten einige über die hochpreisigen Exkursionen. "Die einzige Alternative für den kleinen Geldbeutel ist die Fahrt in die Schweiz", beschwerte sich eine Kommilitonin. Viele waren verärgert, dass die Informationen zu den einzelnen Exkursionen sehr unterschiedlich detailliert waren und zu verschiedenen Zeitpunkten aushingen. "Dadurch ist eine eingeschränkte Vergleichbarkeit und eine sehr kurze Entscheidungszeit gegeben" erklärt Enno Schröder von der Fachschaft Geographie.
Nur ein Angebot für den kleinen Geldbeutel
Um das Angebot und die Nachfrage bei den großen Exkursionen des geographischen Instituts näher unter die Lupe zu nehmen, führte die GeoZeit ein Interview mit den Fachschaftsmitgliedern Frederik Massmann, Enno Schröder und Leopold Schick. Darüber hinaus stellte sich Professor Horst Sterr vom Fachbereich Küstengeographie und Klimafolgenforschung des Kieler Geographischen Instituts unseren Fragen. Die wichtigsten Aspekte sind im Folgenden zusammengefasst.

- Ticket ziehen und los, das Flugzeug fehlt auf fast keiner großen Exkursion.
Bei der Frage nach den Kriterien, die der Exkursionsplanung zu Grunde liegen, betont Professor Horst Sterr, dass er für seine Exkursionen anstrebt, "den Studierenden eine große fachliche Breite zu bieten, also möglichst zwei Professoren an Bord zu haben, damit das Exkursionsgebiet sowohl von seiner physisch geographischen als auch von seiner anthropogeographischen Seite erschlossen wird". Ein Vorteil ist, dass eine solche Exkursion für Studierende unabhängig von ihrem fachlichen Schwerpunkt wählbar ist.
Dieses Vorgehen kommt einer Forderung der Fachschaft entgegen. "Die fachliche Ausrichtung der Studierenden muss bei der Gestaltung des Exkursionsangebots in Kombination mit den alternativ angebotenen Studienprojekten berücksichtigt werden", sagt Leopold Schick. Nach der Diplomstudienordnung sind einjährige, für die Studenten meist kostenfreie Studienprojekte und große Exkursionen äquivalente Studienleistungen, die ohne Begründung gegeneinander ausgetauscht werden können.
Ein ausgeglichenes Kostenniveau sicherstellen
In einem Schreiben an den Vorstand fordert die Fachschaft ein in Bezug auf Studienausrichtung und Preisniveau abgestimmtes Angebot. Sie weist darauf hin, dass zur Sicherstellung des ausgeglichenen Angebots schon ein Vorschlag im Institutsbeirat diskutiert wurde, nach dem Professoren finanziell aufwendige Exkursionen nur nach einem bestimmten Zyklus anbieten sollten, sodass immer ausreichend viele Exkursionsplätze unterhalb eines bestimmten Preisniveaus bleiben.
Weiter enthält das Schreiben den Hinweis, dass eine Bevorzugung in der Zuteilung von Exkursionsplätzen bei Sprachkenntnissen auf Unverständnis unter den Studierenden stoße. Insbesondere wenn die Angaben ausschließlich auf den subjektiven Selbsteinschätzungen der Exkursionsinteressenten beruhten. Allgemein sei zu hinterfragen, inwiefern Vorkenntnisse, die außerhalb der geographischen Ausbildung erworben wurden, für ein Auswahlverfahren herangezogen werden dürften.
Das Zielgebiet ist entscheidend
Auch die Subventionierung von Exkursionen des Kieler Geographischen Instituts war eine Frage in den GeoZeit-Gesprächen. "Je nach Zielgebiet ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für das Einwerben von Geldern über den im Institutsetat enthaltenen Pauschalbetrag von maximal 300 Euro pro Exkursionsteilnehmer bei kostenaufwendigen Exkursionen hinaus. Wenn diese Möglichkeiten bestehen und voll ausgeschöpft werden, können auch lange Exkursionen zu fernen Zielen sehr günstig angeboten werden.
"Viele Studierende tendieren dazu, ihre Exkursionen zuerst nach dem Zielgebiet, dann nach dem Preis, gefolgt von Betreuungspersonen und fachlichen Entscheidungsgründen auszuwählen", beschreibt Professor Horst Sterr seine Erfahrungen. Ob dabei Exkursionsziele automatisch attraktiver sind, wenn sie weit in der Ferne liegen, bleibt eine offene und interessante Frage.
Frühzeitig mit Inhalten werben
Im Rahmen des Fachschaftsinterviews kam in diesem Zusammenhang zur Sprache, dass es wünschenswert wäre, wenn Exkursionsinhalte und Schwerpunkte beim Werben von Professorenseite und beim Entscheiden von Studierendenseite einen höheren Stellenwert einnehmen könnten. Frühe und möglichst gleichzeitige Aushänge mit den wichtigsten Informationen zu den Exkursionen wie Inhalte, Schwerpunkte, Kostenspanne, Ziel und Betreuer würden dies unterstützen.
In der Prüfungsordnung ist die Dauer das einzige Kriterium für die Größe einer Exkursion. Welchen Stellenwert daneben die Entfernung zum Exkursionsziel einnehmen sollte, wo die Exkursionsinteressen der Studierenden liegen und wie ihre Planung der Exkursionsfinanzen aussieht, bleiben anthropoempirische Fragen im eigenen Hause. Hauptsache ist aber, es geht in Zukunft interessiert, informiert und kreditfrei auf große Exkursion.








