Katastrophenforschung in Thailand
Ein aktuelles Projekt am Geographischen Institut
von Johannes Tiffert
Der Tsunami, der sich nach dem Seebeben vom 26.12.2004 im Indischen Ozean ausbreitete, war für die Region die erschütternste Umweltkatastrophe der letzten Jahre. Dabei waren die verheerende Zahl menschlicher Opfer, sowie die Schäden für Ökonomie und Ökologie zu einem großen Teil Folgen fehlender Abwehr-, Vorsorge- und Schutzmaßnahmen. Seit Ende letzten Jahres forscht unter der Leitung von Prof. Dr. Horst Sterr eine Arbeitsgruppe des Geographischen Instituts der Universität Kiel an einem Werkzeug, das den Entscheidungsträgern vor Ort helfen soll, in Zukunft die Verwundbarkeit der Region gegenüber eines Tsunamiereignisses zu reduzieren.

- TRAIT = Tsunami Risk and Information Tool
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt vereint Kieler Geographen mit Partnern an den Universitäten in Hannover, München und Passau, sowie mit weiteren Wissenschaftlern in Thailand. Forschungsgebiet ist die thailändische Westküste der Provinzen Phang-Nga und Phuket an der Andaman See. Innerhalb der vorerst eingeplanten Laufzeit bis zum Jahr 2010 soll ein umfassendes Werkzeug (TRAIT – Tsunami Risk and Information Tool) entstehen, das Entscheidungsträger in Fragen der Risikoanalyse und des Risikomanagements unterstützen kann.
Dementsprechend ist es Ansatz der Forschungsarbeiten, stellvertretend den Tsunami von 2004 durch die Aufnahme von ökologischen, ökonomischen und sozialen Kenngrößen in Zahlen fassbar zu machen. Über die so gewonnenen Schwellenwerte können dann aktuelle lokale und regionale Gefahren- und Risikoräume beschrieben werden. Diese bilden später die Grundlage für die Benennung entsprechender Vorsorge- und Schutzmaßnahmen.
Inhaltlich konzentriert sich die Arbeit am Kieler Institut auf die genaue physischgeographische Betrachtung und Beschreibung einzelner Küstenabschnitte. Von besonderem Interesse ist dabei die Anfälligkeit der natürlichen oder vom Menschen überformten Küste gegenüber einem Tsunami. Die jeweilige Anfälligkeit der Küstengebiete beeinflussenden Faktoren sind beispielsweise der vorherrschende Bewuchs- oder Bebauungsgrad. Zur Erfassung dieser und anderer Indikatoren findet auf methodischer Ebene der Versuch einer systematischen Aufnahme der erforderlichen Daten mit Hilfe der Fernerkundung statt.
Bei der aktuellen Forschungsarbeit kommen dem Team um Prof. Sterr die Erfahrungen aus vorangegangen Projekten, wie etwa dem FLOODsite Projekt, zu Gute. Gleichzeitig bietet es die wissenschaftliche Grundlage für die Habilitation von Dr. Gunilla Kaiser und die Dissertation von Hannes Römer am Lehrstuhl für „Küsten- & Meeresgeographie, Geomorphologie, Naturkatastrophen“.
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