Als Geograph bei den Kieler Nachrichten

Von Christina Nielsen

Olaf Albrecht ist Nachrichtenredakteur bei den Kieler Nachrichten. Studiert hat er Geographie an der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel. 1995 machte er seinen Abschluss. Die GeoZeit spricht mit Olaf Albrecht darüber, wie man als Geograph zu einer Tageszeitung kommt.
Olaf Albrecht bei seiner täglichen Arbeit.

Schon zu Schulzeiten hat der heute 43-jährige Olaf Albrecht nachmittags Zeitungen ausgetragen. Bereits während seines Geographiestudiums schrieb er für die Kieler Nachrichten. Sein enormes Interesse an Politik veranlasste ihn zur Wahl der Nebenfächer Politik- und Bevölkerungswissenschaften. Seit 15 Jahren ist er Nachrichtenredakteur bei den Kieler Nachrichten. Wenn er nicht in der Redaktion ist, verbringt er seine Zeit mit Lesen, Sport und seiner Familie.

GeoZeit: Warum haben Sie in Kiel studiert?

Albrecht: Weil ich Kieler bin. Es bot sich an, hier ein Studium zu beginnen und ich wollte gar nicht weg. Die große weite Welt konnte ich, dank der großen Exkursionen, im Studium prima erkunden.

GeoZeit: Wo haben Sie die großen Exkursionen hin gezogen?

Albrecht: Ich habe zwei große Exkursionen nach Süd- und Nordkorea mit Prof. Dege gemacht. Das gab mir die Möglichkeit über den Tellerrand hinauszuschauen. Dort war es immer spannend! Einmalig war die Exkursion nach Nordkorea. Als wir 1991 dort  waren, war Nordkorea total isoliert. Kaum jemand durfte einreisen.

Wir als wissenschaftliche Gruppe durften schließlich einreisen, aber es war uns nicht erlaubt, auch nur einen Schritt ohne Betreuer und Aufsicht zu tätigen. Es war schon aufregend so durch das Land zu reisen. Das war eines der prägensten Erlebnisse im Studium. 

GeoZeit: Hat das Thema Zeitung auf dem Lehrplan des  Geographiestudiums gestanden?

Albrecht: Nein.

GeoZeit: Wie sind Sie schließlich zur Zeitung gekommen?

Albrecht: Ich war immer fasziniert von der Grundidee eines Zeitungsmenschen: Als Redakteur muss man Neugierde mitbringen. Die Neugierde an Menschen und Geschichten. Diese aufzuschreiben, um es anderen Leuten mitzuteilen, macht mir besonders viel Spaß und hat mich schon immer interessiert.

Außerdem gehörte die Zeitung schon immer zu meinem Leben dazu. Als Schüler habe ich Zeitungen ausgetragen. Während des Studiums habe ich als Reporter Dorf- und Kinderfeste besucht und so von der Pike an das Reporterleben kennengelernt..

Schon bald kam es dazu, dass ich immer mehr Zeit für die Zeitung aufgewendet habe und das Studium nebenbei weiter lief (lacht). Da stand für mich endgültig fest, dass ich  zur Zeitung gehen werde. Das Studium habe ich aber trotzdem abgeschlossen.

GeoZeit: Ihr Nebenfach war unter anderem Politikwissenschaft. War das der Grund für die Wahl zum Nachrichtenressort Politik?

Albrecht: Nein, ich war schon immer ein politischer Mensch. Daher war es für mich das Spannendste, in das Politikressort zu gehen. Toll ist, dass hier jeden Tag etwas Neues passiert (lächelt). Ich bin natürlich auch sport- und kulturinteressiert, aber für mich stand immer fest: Ich mach Politik und Nachrichten.

GeoZeit: Welche Aufgaben haben Sie?

Albrecht: Ich bin Politik- und Nachrichtenredakteur, ich wähle die Nachrichten aus, die Morgen in die Zeitung kommen, was ist wichtig und was nicht. Kommentare schreibe ich auch.

GeoZeit: Hilft Ihnen das Wissen des Geographiestudiums hier weiter?

Albrecht: Der naturwissenschaftliche Background hilft mir sehr im Bereich Außenpolitik. Wichtig ist, dass ich die Nachrichten aus dem Ausland richtig einordnen kann. Besonders die Länder Nord- und Südkorea sind mein Spezialgebiet, da ich dort zum einen meine großen Exkursionen hin unternommen habe. Zum anderen habe ich mich während meiner Diplomarbeit mit  dem Thema Südkorea sehr intensiv auseinander gesetzt. Mein Thema war die Tourismusentwicklung auf der Insel Cheju-do,  auf der ich auch einige Zeit verbracht habe. Sie wird auch das Hawaii Asiens genannt. Somit bin ich auch zum Ansprechpartner in der Redaktion geworden, wenn Nachrichten aus dieser Region eintreffen.

GeoZeit: Macht Ihnen der Beruf Spaß?

Albrecht: Es gibt Tage an denen es weniger Spaß bringt, an denen es das normale Tagesgeschäft gibt. Dann gibt es wieder Tage, an denen die Nachrichten so spannend sind, dass man sagt, es ist der beste Job, den man haben kann. Aber grundsätzlich macht es immer Spaß Zeitung und Nachrichten zu machen.

GeoZeit: Was gefällt Ihnen besonders?

Albrecht: Das besondere ist, dass sie nicht wissen, was sie an diesem Tag erwartet und machen werden. Ich fahre morgens zur Arbeit und komme mit einer gewissen Neugierde ins Büro, da ich nicht weiß, was der Tag bringen wird. Gibt es neue politische Ereignisse, ist etwas Schlimmes oder etwas sehr Schönes passiert? Und so müssen sie auf jeden Tag neu reagieren. Auch ich weiß nicht, was morgen in der Zeitung stehen wird, noch nicht (lacht). Es ist ein reines Tagesgeschäft und so ist jeder Tag neu. Was nächste Woche ist, weiß ich nicht.

GeoZeit: Wie sind Ihre Arbeitszeiten?

Albrecht: In der Nachrichtenredaktion fängt man nicht morgens um acht an. Der Druckschluss ist erst um 22 Uhr. Also brauchen wir nicht vor 13-14 Uhr anfangen (lacht). Es gibt noch eine Spätschicht, derjenige bleibt dann bis 24 Uhr!

GeoZeit: Wird die Zeitung in Papierform aussterben?

Albrecht: Nein! Die wird es auch in 10-20 Jahren noch existieren. Aber die Onlinenachrichten werden eine immer wachsende Bedeutung bekommen. Die klassische Aufgabe der Zeitung wird sich verändern. Früher war es das einzige Mittel,  Nachrichten zu verbreiten und zu erhalten. Heute wird man den ganzen Tag mit Nachrichten überschüttet. Die Zeitung bekommt die Aufgabe die wichtigsten Nachrichten zu selektieren.

GeoZeit: Was raten Sie einem Geographiestudenten, der auch gerne zur Zeitung möchte? Welchen Weg sollte er gehen?

Albrecht: Eine wichtige Voraussetzung ist, Schreiben zu können. Aber auch Interesse an anderen Menschen und Geschichten ist sehr wichtig. Natürlich ist es heutzutage äußerst wichtig sich mit den neuen Medien auszukennen. Ein abgeschlossenes Studium ist uns sehr wichtig, wobei das Fach keine Bedeutung hat. Ich kann nur jedem Interessierten raten, einfach bei Zeitungen anzuklopfen und nach Praktika zu fragen. Klassisch fängt man als freier Mitarbeiter an und muss sich so einen Namen machen. Danach folgt eine  Ausbildung, ein Volontariat von 2 Jahren. Wenn das alles geschafft ist, dann kann man hoffen, irgendwo fest angestellt zu werden (schmunzelt).“

 

GeoZeit: Vielen Dank für das Gespräch.