"Arbeiten auf einer anderen Ebene" Projektmanagement an der GKSS
Ein Interview mit Marcus Lange
von Daniel Lippke
Marcus Lange, 27, studierte bis vor kurzem noch Geographie an der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel. Heute kümmert er sich, zusammen mit einigen Kollegen, von seinem Büro in Geesthacht aus um die Aktivitäten norddeutscher Forschungseinrichtungen zum integrierten Küstenzonenmanagment (IKZM).

Mit seiner Diplomarbeit „Strukturanalyse im Küstenraum unter Anwendung des EU Indikatorensystems zum integrierten Küstenzonenmanagements am Beispiel des Standortes Olpenitz“ bei Prof. Dr. Daschkeit beendete Marcus im Sommer 2007 nach elf Semestern sein Studium. In seinen Nebenfächern studierte der heute in Hamburg lebende Diplom- Geograph Öffentliches Recht und Politikwissenschaften. Nebenher engagierte er sich noch in der Fachschaft Geographie.
Sein neuer Arbeitsplatz ist das südöstlich von Hamburg gelegene GKSS Forschungszentrum. In dem dort seit 2001 ansässigen Institut für Küstenforschung ist Marcus einer von rund 180 Mitarbeitern, die sich mit den Schwerpunktthemen „Systemanalyse und Modellierung“ und „Entwicklung operationeller Systeme“ beschäftigen.
Die GeoZeit sprach mit Marcus über seine ersten Berufserfahrungen und den Nutzen seines Geographiestudiums.
GeoZeit: Hallo Marcus, seit wann arbeitest Du als Projektmanager am GKSS und wie genau sieht deine Arbeit als Projektmanager aus?
Marcus Lange: Ich arbeite seit August 2007 im Projekt `Zukunft Küste- Coastal Futures`, als Projektmanager. Dieses Projekt gibt es seit 2004 und es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Wir beschäftigen uns hier thematisch mit nachhaltigen Handlungsoptionen und Bewertungsansätzen für den Küstenraum, vor dem Hintergrund des Aufbaus von Offshore- Windkraftanlagen in der südlichen Nordsee. Mein Arbeitsalltag sieht so aus, dass ich für die administrative Betreuung des Projekts zuständig bin, aber gleichzeitig auch versuche, mich mit der Zeit inhaltlich mehr in das Projekt einzubringen. Da das Projekt in vier Arbeitsgruppen an vier Standorten, nämlich Kiel, Büsum, Geesthacht und Hamburg, aufgegliedert ist, erfordert es ein hohes Maß an administrativem Management, was halt genau meine Hauptarbeit darstellt.
GeoZeit: Du bist ja im letzten Sommer sehr schnell von der UNI ins Berufsleben gewechselt. Wie hat das geklappt?
Lange: Ja, es war so, dass die Koordinationsstelle des Projekts Coastal Future auch erst seit Sommer 2007 an der GKSS in Geesthacht angesiedelt ist. Dabei ist dann die Stelle des Projektmanagers ganz neu geschaffen worden. Mir zu Gute kam dabei, dass ich seit 2005 in der ökologischen Arbeitsgruppe in Kiel am ÖZK als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet habe und so auf die interne Stellenausschreibung zum Projektmanager aufmerksam wurde. Dann habe ich mich unter anderem auch mit meiner Diplomarbeit, die genau bis zum 1. August fertig gestellt wurde, auf diese Stelle beworben. Ja, und so kam es, dass ich dann direkt zum 1. August hier am Institut für Küstenforschung an der Koordinationsstelle eingestellt wurde.
GeoZeit: Du bist ja nun noch ganz frisch im Arbeitsleben. Wie hast Du die Umstellung vom Studentenleben ins Arbeitsleben wahrgenommen?
Lange: Das Arbeitsleben ist immer noch komplett neu für mich. Selbst nach vier Monaten, in denen ich jetzt hier beschäftigt bin, lerne ich noch immer tagtäglich dazu. Es ist für mich noch ein ganz anderes inhaltliches Arbeiten, als an der Uni. Auch wegen der Leute, die einfach einen ganz anderen Hintergrund haben. Zwar meist auch einen akademischen, aber trotzdem haben sie noch 20 bis 30 Jahre Berufserfahrung mehr bzw. auch die Erfahrungen, die sie bei einer Doktorarbeit gewonnen haben. Es ist ein Arbeiten auf einer anderen Ebene. Man ist nicht mehr in diesen Lernphasen drin, wie zum Beispiel das gezielte Lernen auf Klausuren hin, sondern muss inhaltlich diskutieren, sich mit Experten und Wissenschaftlern austauschen. Dabei ist es aber immer wieder spannend zu sehen, dass einem Inhalte und Themen aus dem Studium doch häufiger wieder begegnen, als man es damals gedacht hätte...
GeoZeit: Wie bewertest Du heute deine Ausbildung zum Geographen und wo siehst Du die Stärken eines Geographen auf dem Arbeitsmarkt?
Lange: Also, ich kann aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass ich immer versucht habe, mich inhaltlich breit zu fächern. Ich habe relativ vielfältige Seminare besucht, allerdings immer schon mit einem Schwerpunkt auf Küstengeographie. Und dieses interdisziplinäre Studium der Geographie zahlt sich jetzt für mich auch aus, da ich mit ganz verschiedenen inhaltlichen Themen zu tun habe. Der Küstenraum ist ein Raum, der von vielen Nutzungsbereichen betroffen ist und ich muss versuchen, mich in all diese Bereiche und Systeme einzudenken. Dabei hilft mir das Geographiestudium sehr. Gleichwohl würde ich aber auch sagen, dass es nötig ist, sich früh genug inhaltlich zu spezialisieren, damit man auch rechtzeitig die Themen findet, die einen interessieren. So kann man dann seine Diplomarbeit drauf ausrichten und vielleicht auch seine zukünftigen Berufschancen beeinflussen.
GeoZeit: Kannst Du abschließend vielleicht noch einen Ratschlag an die Studenten geben, die vielleicht noch nicht genau wissen wo sie ihr Geographiestudium hinführen wird?
Lange: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Praktika sehr wichtig sind. So habe ich zum Beispiel meine Praktika sehr weit gefächert ausgesucht. Das eine habe ich in der Hamburg Tourismus GmbH gemacht, also in einem ganz anderen Bereich als dem, indem ich jetzt arbeite. Trotzdem habe ich viele Elemente wiedergefunden, die ich auch jetzt brauche, wie zum Beispiel Organisations- und Managementfähigkeiten. Das andere Praktikum habe ich dann in der Küstenforschung gemacht, am Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Außerdem habe ich noch ein Praktikum im Wattemeersekretariat gemacht, was natürlich auch in die Richtung IKZM geht, also nachhaltige Küstenraumnutzung. Ich würde Studenten schon raten, besonders wenn sie noch nicht wissen, welche Spezialrichtung sie einschlagen möchten, möglichst viele Praktika zu absolvieren, um so etwas zu finden, was ihnen Spaß bringt. Dann kommen auch ganz schnell neue Ideen, was man machen könnte, beziehungsweise auch worüber man eine Diplomarbeit schreiben könnte.
GeoZeit: Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen:
GKSS- Startseite
http://www.gkss.de
Institut für Küstenforschung
http://www.gkss.de/institute/coastal_research/index.html.de
Trilaterales Wattenmeersekreteriat
http://www.waddensea-secretariat.org/







