„Die Öffentlichkeit ist das Druckmittel, das wir haben.“
Ein Interview mit Jule Naundorf über Studium, Auslandserfahrungen und ihre Arbeit bei Robin Wood
von Stefanie Kraut
Jule Naundorf studierte bis Sommer 2007 an der CAU Geografie. Die Entscheidung für ein Geografiestudium fiel, als sie im Studienplan gelesen hatte, dass Exkursionen ins Ausland Bestandteil des Studiums sind. Und ins Ausland wollte sie auf alle Fälle. Deshalb war sie auch für ihre Diplomarbeit über „Natur- und Umweltprobleme kleiner karibischer Inseln und die Erarbeitung von Lösungsansätzen im Kontext des „Barbados Programme of Action“ im Ausland.

- Jule Naundorf bei einem Aktionsklettertraining
Nach ihrem Studium war Jule mit einem Programm des Deutschen Entwicklungsdienstes in Honduras. Doch dort erwies sich die eigentliche Arbeit eher als Lernen. Das reichte ihr nicht, da sie ihr Wissen auch mal anwenden wollte. Deswegen hat sie sich aus Honduras auf eine Stelle bei Robin Wood beworben, wo sie bereits ein halbjähriges Praktikum gemacht und danach auch ehrenamtlich gearbeitet hat. Nun hat sie einen Zweijahres- Vertrag und lebt wieder in Hamburg.
Geozeit: Sei mal ehrlich, inwiefern denkst du, dass das Geografiestudium dich auf deine Arbeit vorbereitet hat?
Jule Naundorf: Rein vom Fachlichen hat mir das Geographiestudium eigentlich nichts gebracht. Allein der methodische Bereich, vor allem Geomedien hat mir wirklich etwas gebracht. Gerade auf Dinge, wie Reportagen oder Pressemiteilungen schreiben, kann ich jetzt zurückgreifen. Der Rest war zwar interessant, hat mir aber für meinen jetzigen Job nichts gebracht. Generell lernt man im Studium aber das Recherchieren und Aufbereiten. Das kann ich schon gut weiterverwenden, aber ich denke, diese Fähigkeiten hätte ich in jedem anderen Fach auch gelernt.
Geozeit: Wie wichtig sind deiner Meinung nach Praktika?
Naundorf: Ich denke, Praktika sind fast wichtiger als das Studium selbst. Ich habe viele Praktika gemacht, um für mich selbst Bereiche auszuschließen. Beispielsweise habe ich nach einem Monat Praktikum in einem Regionalmanagementbüro gemerkt, dass das nicht so meins ist. Dahingegen habe ich bei einem Praktikum am Federsee, wo es um Umweltbildung ging, gedacht, das ist nichts, in dem ich vollkommen aufgehe. Allerdings ist es eine Sache, die mir Spaß macht und wo ich irgendwann drin arbeiten könnte. Und bei meinem Praktikum in der Karibik, wo ich auch Daten für meine Diplomarbeit gesammelt habe, dachte ich mir, ins Ausland will ich auf alle Fälle wieder. Bei meinem Praktikum bei Robin Wood fand ich die Kampagnenarbeit gut. Durch diese Praktika hab ich festgestellt, dass mir Projektarbeit liegt. Ich habe nie Studienprojekte mitgemacht und deswegen habe ich den Projektcharakter an der Uni nicht kennen gelernt. Und ich würde auch jedem Studierenden heute immer empfehlen: „Mach viele Praktika!“. Klar geht Zeit dabei drauf, aber ich habe so viel Gewinn aus meinen Praktika mitgenommen, dass ich nur sagen kann, Praktika sind unbedingt zu empfehlen ist.
Geozeit: Was ist für dich der größte Unterschied zwischen Studienleben und deinem jetzigen Alltag?
Naundorf: Für mich gibt es nicht so einen großen Unterschied, aber das liegt einfach an meinem Arbeitgeber, da wir sehr viele Freiheiten haben und sehr selbstbestimmt überlegen, wann wir arbeiten. Es ist so, dass ich meine Arbeitszeit selber einteile. Klar, es gibt einfach mehr Verbindlichkeiten und es hat größere Folgen, wenn man mal etwas in den Sand setzt
Geozeit: Was sind deine Aufgaben bei Robin Wood?
Naundorf: Ich bin eingestellt worden, um im Bereich Agro- Energie eine Kampagne zu planen und diese dann auch durchzuführen. Wir sind gerade in der Vorbereitungsphase und das bedeutet in erster Linie viel Recherche. Meistens suchen wir uns einen direkten Gegenplayer. Über diesen Gegenplayer müssen wir auch alles ganz haargenau wissen. Danach überlegen wir, wie wir diesen Player angehen, und das öffentlichkeitswirksam aufbereiten können. Das ist dann auch einer meiner Bereiche. Außerdem arbeite ich mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zusammen. Wir schauen gemeinsam, welche Aktionen gestartet werden können. Diese werden dann geplant, durchgeführt und nachbereitet. Das Ganze wird dann natürlich auch immer mit Pressearbeit begleitet. Bei den NGOs, vor allem in diesem Bereich, ist es eine der wichtigsten Sachen, dass die Öffentlichkeit viel informiert wird. Denn die Öffentlichkeit ist das Druckmittel, das wir haben.
Geozeit: Hast du das Gefühl, dass deine Arbeit etwas bringt?
Naundorf: Ja auf alle Fälle. Zum Beispiel hatten wir eine Kampagne im Tropenwaldbereich. Es war eine Kampagne gegen die Deutsche Bank. Es ging dabei um Investitionen in Indonesien. Die Deutsche Bank wollte einem Finanzierungskonsortium vorstehen, das eine Zellstofffabrik in Kalimantan finanzieren wollte. Die Investitionen in diese Fabrik hätten zur Folge gehabt, dass große Bereiche des Tropenwaldes zerstört worden wären. Wir haben dann mit der Deutschen Bank Kontakt aufgenommen und sie aufgefordert dieses Vorhaben zu unterlassen. Da zunächst keine Reaktion von den zuständigen Leuten kam, haben wir eine öffentlichkeitswirksame Aktion in Frankfurt gemacht. Zehn Minuten, nachdem unsere Kletterer auf dem Vordach des Towers der Bank waren, war das Management bereit, sich mit uns zusammen zu setzen. Nach weiteren Verhandlungen haben sie sich dann aus dieser Finanzierung zurückgezogen. Für uns war das ein großer Erfolg, da die deutsche Bank nicht gerade ein kleines Unternehmen ist.
Geozeit: Du warst ja schon einige Male im Ausland, was denkst du ist wichtig bei der Vorbereitung?
Naundorf: Ich habe festgestellt, dass gerade wenn man im Ausland auch wissenschaftlich oder generell dort arbeiten will, man die Landessprache echt können muss. Das öffnet einem einfach ganz viele Türen. Klar kann man sich auch denken, man kommt ganz gut mit Englisch durch, aber dann gehen die kleinen Nuancen verloren. Wenn man anfängt Interviews zu führen und mit einem Übersetzer arbeiten muss, dann geht das zwar und man kriegt Fachinformationen, aber die feinen Sachen, die dazwischen laufen, kriegt man einfach nicht mit. Eine weitere Sache ist, dass man sich wirklich vorher mit dem Land auseinander setzen muss, vor allem mit Mentalitätsunterschieden. Man kann nicht überall einfach mit seinem europäischen Lebensstil ankommen. Und wenn man im Ausland ein konkretes Ziel hat, sollte man sich auf seine Arbeit wirklich vorbereiten, dass erleichtert einem vieles.
Geozeit: Weißt du schon, was du machen willst, wenn dein Zweijahres-Vertrag bei Robin Wood ausgelaufen ist?
Naundorf: Wieder ins Ausland gehen. Was konkret weiß ich noch nicht. Aber auf alle Fälle wieder ins Ausland und dort arbeiten. Ich werde versuchen, über lokale NGOs auch wieder im Umweltbereich zu arbeiten, denn da habe ich dann eine Menge Erfahrung.
Geozeit: Danke für das Gespräch.







