Im Urwald hat Humanismus nichts zu suchen
Interview mit Piet Hammel in Ecuador
von Sarah Nüdling
Um Piet Hammel, diplomierter Geograph der CAU, schwirren abenteuerliche Geschichten. Er arbeite im ecuadorianischen Urwald als Entwicklungshelfer, heißt es. Kartiere dort einen Nationalpark. Klingt spannend dachte sich auch GeoZeit und hat mal nachgefragt.
Das Interview führte Sarah Nüdling.

GeoZeit: Hallo Piet, sag mal: Was genau machst du in Ecuador?
Piet Hammel: Ich arbeite als technischer Assistent in der Nationalparkverwaltung Sumaco-Napo Galeras in der Stadt Tena und bin dort für die Entwicklung von Kartenmaterialien verantwortlich. Nebenbei habe ich aber auch deren Homepage vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. Die Stelle ist eine Initiative des DED, somit eine Stelle der Entwicklungszusammenarbeit.
GeoZeit: Du arbeitest ja für das ecuadorianische Umweltministerium: Wie bist du an diesen Job gekommen?
Hammel: Der Chef der Nationalparkverwaltung Bolier Torres hat einen GIS-Spezialisten gesucht, um unabhängig von den Verwaltungswegen der Katasterabteilung direkt Karten für den Park zu erstellen. Bolier Torres ist Gründungsmitglied der Fundacion Curiquingue. Der Leiter der Fundacion, Jens Toeniges, kennt mich bereits durch die jahrelange Zusammenarbeit in verschiedenen Aufforstungsprojekten und durch die Datenakquise für meine Diplomarbeit auf dem Grundstück der Fundacion. Er hat mich dann vorgeschlagen und so kam eines zum anderen.
GeoZeit: Inwiefern ist es ein expliziter "Geographenjob"?
Hammel: Der Umgang mit den ARC-View und ARC-GIS ist Teil meiner Ausbildung gewesen. Nun habe ich nach sage und schreibe fünfeinhalb Monaten endlich den richtigen Rechner mit der Speicherkapazität eines Kleinkraftwerkes, aber nicht das richtige Programm. Ich habe nur Arc-View bekommen anstatt Arc-GIS und kann nun eigentlich nur bereits existierende Datensätze zusammenbasteln. Aber der Geograph ist als solcher ja Profi im Sortieren und Verarbeiten spezifisch benötigter Informationen. Nichts anderes tue ich hier. Ich sammle Informationen und verarbeite sie je nach gewünschtem Schwerpunkt.
GeoZeit: Hattest du schon früher konkrete Zielvorstellungen bezüglich der Zeit nach dem Studium?
Hammel: Ich habe damals eigentlich noch gar nicht gewusst, was das Geographiestudium bedeutet. Ich war stets auf der Suche nach neuen Erfahrungen und einem Fach, dass mir diesen Horizont bieten kann. 2001 wurde ich dann Teilhaber der Fundacion Curiquingue (www.curiquingue.org), kaufte damals auch ein Stück Land, dass ich der Fundacion spendete. Später rutschte ich dann mehr durch Zufall in das Geschäft der Entwicklungshilfe.
Geozeit: Du redest vom Geschäft der Entwicklungshilfe: Das hört sich nicht nach sehr viel Idealismus an... ?
Hammel: Wenn ich ehrlich sein soll. Ich habe innerlich mit der Idee der idealistisch basierten Entwicklungshilfe bereits abgeschlossen. Die Philosophie der hier angegangenen E-Hilfe ist: Lass sie machen und versuche ihnen neue Ideen zu spenden. Wenn davon aber keiner was wissen will, dann hilft der beste Denkanstoß nicht weiter. Das nennt sich Beratungsresistenz. Aber meinen eigenen Idealismus werde ich wohl immer weiterverfolgen.
GeoZeit: Eine letzte Frage noch: Ecuador tauchte in der letzten Zeit besonders wegen der problematischen Beziehungen zu Kolumbien in den Medien auf. Merkt man davon etwas bei Euch?
Hammel: Es ein offenes Geheimnis, dass die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Anm. der Redaktion)) von den Ecuadorianern nicht nur mental unterstützt wird. Sie sind mit ecuadorianischen Waffen ausgerüstet, haben ihre Bastionen auf ecuadorianischem Boden, fahren mit ecuadorianischem Sprit und genießen zudem die volle Sympathie einer ganzen Nation. Wenn nicht sogar des gesamten “freien” Südamerika. Ich bin froh, dass kein Krieg meinen Aufenthalt hier in die Jahre ziehen wird. Diese Gefahr bestand ehrlich gesagt aber wohl auch nie. Ecuador hätte gegen Kolumbien nicht den Hauch einer Chance. Aber wie es in Südamerika einmal so üblich ist, wurde erst einmal kräftig mit dem Säbel gerasselt. Gut, dass es beim Rasseln blieb.
Steckbrief:
- Geboren 1976 in Kiel
- 1998-2005 Studium Diplom Geographie mit Nebenfächern Wasserwirtschaft und Zoologie
- Schwerpunkt während des Studium: physische Geographie (Ökosystemanalyse, Bodenkunde/ landschaftsökologische Feld- und Kartiermethoden, Projekte im Bereich Entwicklungshilfe)
- Thema der Diplomarbeit (2005, Prof. Duttmann): „Räumlich differenzierte Erfassung geoökologischer Basisdaten in Tieflandsregenwäldern als Grundlage für standortgerechtes Flächenmanagement – das Beispiel Curiquingue/ Ecuador“
- 2004 Viermonatiges, DAAD- gefördertes Auslandspraktikum in der Fundacion Ecologica Curiquingue/Ecuador
- Seit 2002: Ehrenamtlicher Mitarbeiter der Fundacion Curiquingue in Ecuador (Projektadministration, anleitende Tätigkeiten und Voluntariatsbetreuung.
Weitere Informationen:
Weiterlesen auf : http://www.curiquingue.org; Regenwaldschutz e.V.







