Mit Geographie zum Fernsehen

"Man muss selbst brennen"

von René Höllrigl

Christian Urban war bis 2006 Student der Geographie in Kiel und einer der ersten, die in der Arbeitsgruppe GeoMedien das Diplom absolvierten. Nach einem 2-jährigen Volontariat in einer privaten Fernsehproduktionsfirma ist der studierte Geograph heute als freiberuflicher TV-Autor und Journalist in Hannover tätig. GeoZeit sprach mit ihm über seine Arbeit.
Christian Urban auf Recherche

GeoZeit: Du warst einer der ersten Studenten, die im Bereich der GeoMedien ihren Abschluss gemacht haben. Worum ging es damals in Deiner Abschlussarbeit?
Christian Urban: Als damals die GeoMedien entstanden sind, war das etwas ganz Außergewöhnliches und Spannendes für uns Geographiestudenten. Die Gelegenheit, geographische Inhalte und Medienproduktion miteinander zu verbinden und journalistische Darstellungsformen lernen zu können - das gab es sonst nirgends. In meiner Diplomarbeit habe ich eine Reportage über den Öltransport auf der Ostsee hergestellt und gleichzeitig am deutsch-dänischen „Filmtrain“-Programm teilgenommen. Dieses Projekt hatte das Ziel, junge Medienschaffende zu professionalisieren. In diesem Zusammenhang habe ich meine ersten Erfahrungen im Bereich Filmproduktion und Journalismus gemacht.

GeoZeit: Wenn Du Dich an Deine Studienzeit zurückerinnerst, was fällt Dir spontan zu den Geomedien ein?
Christian Urban:
Es ist eine tolle Arbeitsgruppe, in der man mit eigenen Ideen und Engagement viel erreichen kann. Jedoch ist es extrem davon abhängig, wie viel „Drive“ man hat – man muss selbst brennen und sich für sein Projekt einsetzen. Es war für mich eine tolle Möglichkeit, spannende Themen umsetzen zu können und verschiedene Interessen miteinander zu verbinden

GeoZeit: Heute bist Du freier Journalist und TV Autor, warum hast Du Dich für die Selbstständigkeit entschieden?
Christian Urban:
Selbständig zu sein bedeutet für mich, mehr als bisher mein eigenes Interessenspektrum in meiner Arbeit umsetzen zu können. Während meines Volontariats war eine prägende Erfahrungen, dass der Angestelltenstatus für mich dazu führt, zu viel Zeit und Energie in Dinge stecken zu müssen, die nicht wirklich meinen Interessen entsprechen. Zwar arbeite ich auch nach meinem Volontariat unter anderem für meine Ausbildungsredaktion, doch jetzt kann ich selbst bestimmen, an welchen Inhalten ich arbeiten möchte.

GeoZeit: Für welche Auftraggeber arbeitest Du momentan hauptsächlich?
Christian Urban: Zurzeit mache ich hauptsächlich Magazinbeiträge für den NDR. Ich gehöre zum Autorenstamm für die Sendung „Bingo! – Die Umweltlotterie“, die sonntags um 17.00 Uhr im NDR ausgestrahlt wird. Dort berichten wir über Umweltprojekte aus dem NDR-Sendegebiet, insbesondere solche, die von der Bingostiftung gefördert werden. Zudem arbeite ich gerade an einem Imagefilm für einen öffentlichen Auftraggeber und versuche, einen Produzenten für ein halbstündiges Reportagethema zu finden.

GeoZeit: Wie muss man sich Deinen Alltag vorstellen?
Christian Urban: Ich recherchiere meine Themen von meinem Arbeitsplatz zuhause. Da kann ich meinen Tag natürlich zum großen Teil frei gestalten. Der Alltag als freier TV-Autor ist eine Abwechslung von Recherchezeiten, in denen man viel von zuhause aus arbeitet und den Produktionsphasen, in denen man zusammen mit dem Kamerateam draußen unterwegs ist oder eben mit dem Cutter am Schnittplatz sitzt. Zeitlich bin ich dadurch sehr flexibel, arbeite aber auch deutlich mehr als während des Volontariats.

GeoZeit: Gibt es in der Filmproduktion Unterschiede zum Printbereich?
Christian Urban: Natürlich unterscheidet sich der Bereich der Film- und Fernsehproduktion stark vom Printjournalismus. Man ist neben der Themenentwicklung und Recherche nicht nur für das geschriebene Wort, sondern auch für die filmische Umsetzung verantwortlich. Man leitet ein Kamerateam an, betreut den Schnitt und schreibt Moderationen und Off-Texte. Es ist eine Kette von verschiedenen Gewerken, die ineinander greifen. Man deckt also als Verantwortlicher eine große Bandbreite von Tätigkeiten ab, die vielfältiger ist als im Printbereich. Das ist auch der Grund, warum der Job so interessant für mich ist – zu sehen, wie aus einer anfänglichen Idee am Ende ein Film wird.

GeoZeit: Welche Fächerkombination hast Du eigentlich studiert?
Christian Urban:
Ich habe Geographie im Hauptfach studiert und Zoologie und Landschaftsentwicklung im Nebenfach.


GeoZeit: Rührt daher auch Dein Interesse an Umweltthemen?
Christian Urban: Das Interesse an Umweltthemen ist definitiv geblieben, wenngleich es mittlerweile im professionellen Bereich nicht immer so spannend ist wie zu Studienzeiten. Dennoch ist es vor allem bei den Beiträgen zur Umweltlotterie so, dass ich ähnliche Inhalte umsetzen kann, die mich schon in meinem Studium interessiert haben. Die Erfahrungen von damals lassen sich gut mit meinem Job verbinden.

GeoZeit: Was würdest du Studierenden aus Deiner heutigen Perspektive empfehlen, die auch in die Medien (TV) wollen?
Christian Urban:
Ich kann da nur aus eigener Erfahrung sprechen und die bezieht sich eben auf den Magazin-Bereich im TV. So banal es ist: Wichtig sind Arbeitsproben. Man sollte etwas machen, wo der eigene Name drunter steht, und vielleicht kann man sogar mehr machen, als im Kurs an der Uni verlangt wird. Die Redaktionen, die ich kenne, legen Wert darauf, dass man selbständig Themen finden, vorschlagen und umsetzen kann. Das lassen sie einen dann machen, wenn man schon gewisse Erfahrung vorweisen kann.

GeoZeit: Was sollten Interessenten in ihrem Studium machen?
Christian Urban: Seit ich von der Uni weg bin, hat sich einiges gewandelt, zum Beispiel beim Seminarangebot. Grundsätzlich sollte man aber so viel an journalistischen Grundlagen mitnehmen, wie möglich. Es klingt paradox, aber im Volontariat lernt man wenig Theoretisches dazu, da muss man sich stattdessen in der Praxis bewähren. Fortbildungen sind gut, aber unter Umständen extrem teuer. Deshalb sollte man diese Grundlagen schon im Studium, also etwa in den GeoMedien lernen. Zusätzlich sollte man sich aber auch auf eigene Initiative fit machen, also auch mal ein Buch über Journalismus in die Hand nehmen.

GeoZeit: Was im Studium war besonders wichtig für den Beruf, was war hilfreich?
Christian Urban:
Neben der schon an der Uni gesammelten Praxiserfahrung hilft mir mein Studium im Beruf insofern, als ich einen anderen Hintergrund vorweisen kann als viele Journalistenkollegen. Wenn man in Richtung Umwelt- und Wissenschaftsberichterstattung will, ist es ein klarer Vorteil, wenn man sich nicht erst anlesen muss, was es beispielweise mit Klima und Ökosystem auf sich hat. Man bringt also schon ein gewisses inhaltliches Profil mit, das einen von anderen unterscheidet - und das ist gerade als freier Journalist ein sehr wichtiges Kriterium.

GeoZeit: Was war Dein bisher spannendstes/interessantestes Projekt?
Christian Urban: Schwierige Frage. Aber ich muss gestehen, dass ich in gewisser Weise meine erste Reportage bei den GeoMedien als mein bisher spannendstes Projekt betrachte. Vor allem weil es damals eine neue und spannende Herausforderung war. Ich hatte zum ersten Mal die Verantwortung für ein Filmprojekt, kümmerte mich um die Organisation und Umsetzung der Drehs - sogar über Ländergrenzen hinweg. Das hat es so für mich im professionellen Umfeld noch nicht gegeben.

GeoZeit: Worum ging es da genau?
Christian Urban: In diesem Film ging es darum, die Risiken des Öltransportes über die Ostsee zu beleuchten. Ich habe versucht, ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen, habe mit Lotsen und potenziell gefährdeten Anrainern, aber auch den Akteuren aus dem Ölgeschäft gesprochen. Im Zuge dieses Projektes sind wir unter anderem auf einem Öltanker von Tallinn nach Rotterdam mitgefahren. Das war natürlich eine sehr spannende Erfahrung für mich.

GeoZeit: Wie siehst Du die Chancen eines Absolventen mit Erfahrung im Bereich der GeoMedien nach dem Volontariat?
Christian Urban: Wenn es darum geht, einen Volontariatsplatz zu bekommen, sehe ich gute Chancen für Studenten, die Erfahrung in den GeoMedien sammeln konnten - mir hat es sicherlich viel gebracht. Auch über das Volontariat hinaus glaube ich, dass man sich mit der Vorbildung aus den GeoMedien nicht verstecken muss. Gerade im Bereich der  privaten Fernsehproduktionsfirmen ist der Zugang generell etwas „freier“, es gibt viele Quereinsteiger. Und wenn die Firmen für das öffentlich-rechtliche TV arbeiten, unterliegen sie noch nicht so stark den wirtschaftlich Folgen der aktuellen Krise wie die Privatsender oder die Verlage des Printbereichs. Wenn man erst mal reingekommen ist, kann man in dieser Branche auch als Geograph sein Geld verdienen.

GeoZeit: An welchem Projekt arbeitest Du zurzeit?
Christian Urban: Zurzeit arbeite ich an einer Reihe von Beiträgen zum „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“, die in der Sendung „BINGO – die Umweltlotterie“ zu sehen sein werden. Hierbei geht es vorrangig darum, das Thema der Öffentlichkeit bekannt zu machen und das Interesse zu wecken. Im Zusammenhang mit diesem Thema haben wir kürzlich im Biosphärenreservat Schaalsee gedreht. Demnächst wird es um eine Sendung zum Thema alternative Energien gehen. Und dann ist da noch die Reportage, die ich gerade einem Produzenten anbiete - das Thema ist aber noch geheim.

GeoZeit:
Christian, vielen Dank für das interessante Gespräch.