Ab ins Ausland
von Eglė Milašauskaitė
Nicht immer müssen Auslandsaufenthalte unbezahlbar und eine große Belastung für das Portmonee der Eltern sein. Für ein Studium oder Praktikum im Ausland gibt es eine Reihe von Fördermöglichkeiten. Doch der Dschungel der Programme und Formalitäten ist verwirrend. Worauf kommt es bei den Bewerbungen an? Welche Förderprogramme sind für Geographiestudierende von Interesse? GeoZeit geht diesen Fragen nach.

„Ich komme doch schon hier finanziell kaum zurecht. Wie kann ich mir ernsthaft einen Auslandsaufenthalt leisten“ lauten meistens die Einwände. Aber, wenn man offen für ein fremdes Land ist, gibt es mehrere Möglichkeiten finanzieller Unterstützung.
Das Programm „ERASMUS“ (European Region Action Scheme for the Mobility of University Students) und der DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) bieten diese finanzielle Unterstützung für studienbezogene Auslandsaufenthalte. Die Teilstipendien können zwar die Gesamtkosten für den Aufenthalt im Ausland nicht voll tragen, sie stellen aber eine große Hilfe dar. Der Wert der Stipendien besteht nämlich nicht nur in der finanziellen Unterstützung, sondern auch in der Organisation des Auslandsaufenthaltes. Über BAföG und Bildungskredite können die verbleibenden Kosten gedeckt werden.
Auch innerhalb dieser Programme gibt es unterschiedliche Varianten. Ob ein entferntes osteuropäisches Land für Mutige, oder ein Land in Westeuropa, für Jeden ist etwas dabei. Auch doppelte Bewerbungen bei unterschiedlichen Programmen sind gestattet und erhöhen die Chance auf Förderung. Bei der Bewerbung sind nicht nur die fachlichen Kenntnisse wichtig, sondern auch die eigene Persönlichkeit. Manchmal sind besondere Fähigkeiten, Interessen, Hobbys gefragt. Aber immer gehört persönliches Engagement dazu und der Wille sich in eine andere Kultur und Sprache einzuleben.
Das ERASMUS-Programm
Das EU-Förderprogramm ERASMUS gibt es schon seit zwanzig Jahren. Die Mobilität der Studierenden und Lehrenden soll von diesem Programm unterstützt werden. Professor Rainer Wehrhahn kümmert sich um den Austausch der Studierenden im Geographischen Institut. Was ist das Besondere an diesem Programm? Welche Austauschuniversitäten sind für die Geographiestudierenden relevant? Was ist für eine Bewerbung wichtig? Was bringt ein Auslandsstudium dem Einzelnen? Im Videointerview erläutert Rainer Wehrhahn, worauf es bei dem ERASMUS Studium ankommt.
Um die Studierenden bei Auslandsaufenthalten zu unterstützen, wurde ein neues Programm der ERASMUS-Praktikumsförderung ins Leben gerufen. Dieses vermittelt zwar direkt keine Praktikumsplätze, leistet aber finanzielle Unterstützung. Etwa 350 € monatlich für selbstgesuchte, studienrelevante Praktika. Zur Wahl stehen 27 EU-Länder sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Türkei. Eine gute Möglichkeit, um Auslandserfahrungen in einem europäisch geprägten Umfeld zu sammeln.
Die DAAD-Programme
Für ein Studium im Ausland bietet auch der DAAD eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten, jedoch mit anderen Schwerpunkten als das ERASMUS-Programm. Welches im Einzelfall das richtige Programm ist, hängt von der Wahl des Ziel-Landes, der geplanten Aufenthaltsdauer und der Tätigkeit ab. Beispielsweise fördert der DAAD mit den Jahresstipendien Studienaufenthalte in nicht-westeuropäischen Ländern. Oder wie wäre es mit einem Sprachkurs an einer europäischen oder außereuropäischen Hochschule? Um eine andere Sprache zu erlernen, finanziert der DAAD Sommersprachkurzstipendien weltweit (außer Englisch). Die finanziellen Leistungen sind jedoch nur als Teilstipendium zu verstehen. Die Höhe richtet sich nach den Gegebenheiten im jeweiligen Land. Sie beträgt circa 300 € pro Monat.
Rainer Wehrhahn kennt das DAAD-Programm auch aus ganz persönlicher Erfahrung. Für sein Dissertationsvorhaben in São Paulo (Brasilien) erhielt er ein DAAD-Jahresstipendium. Heute unterstützt er Geographiestudierende ähnliche Wege für Abschlussarbeiten zu gehen, und hilft bei Anträgen zur Förderung. Dafür gibt es vom DAAD die „Kurzfristigen Studienaufenthalte für Abschlussarbeiten“. Warum dieses Programm für die Geographiestudierenden besonders interessant ist, erzählt Rainer Wehrhahn im Videointerview.
Und wie sieht es mit den Fördermöglichkeiten für Praktika im Ausland aus? Welche Programme des DAAD stehen zur Auswahl? Etwas schwierig, jedoch nicht unmöglich zu bekommen, ist das Kurzstipendium für Praktika im Rahmen auslandsbezogener Studiengänge. Im Rahmen dieses Programms werden selbstgesuchte Praktikumsplätze in internationalen Organisationen (z. B. EU, UN) oder bei einer deutschen Auslandsvertretung (Botschaft, Goetheinstitut) gefördert. Die Mindestdauer des Praktikums sollte 2 Monate betragen.
Etwas geringer sind die Antragshürden für Fahrtkostenzuschüsse der Auslandspraktika. Mit einem kleinem Fahrtkosten-Zuschuss werden Fachpraktika von zwei bis sechs Monaten auch in nicht EU-Ländern gefördert.
Nur das IAESTE Programm (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) unterstützt ein bezahltes und betreutes Auslandspraktikum. Diese internationale Austauschorganisation vermittelt bezahlte Praktikumplätze. Die Bewerbung für das IAESTE-Programm ist relativ unkompliziert. Ein Fragebogen mit Angabe der Studienschwerpunkte und der gewünschten und nicht gewünschten Ziel-Länder ist auszufüllen. Dann jedoch setzt das Warten auf einen geeinigten Praktikumplatz ein. Die Auslandspraktika werden hauptsächlich für Länder wie Weißrussland, Polen, Kroatien, Ungarn, Marokko, Ägypten oder Südamerika angeboten. Die Chancen, ein bezahltes Praktikum im Rahmen des IAESTE Programm zu erhalten, sind sehr gut, wenn man sich für diese wenig nachgefragten Länder interessiert.
Bei Fragen zu den einzelnen Programmen ist das International Center die richtige Anlaufstelle. Hier gibt es persönliche Beratung und Hilfe bei der Wahl des Landes. Während der Vorlesungszeit bietet das International Center etwa alle vier Wochen eine Informationsveranstaltung zum Praktikum in ausgewählten Ländern oder zum Studium im Ausland.
Ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt ist also nicht unmöglich. Etwas Mut und Neugierde, Freude an einer anderen Sprache lassen solche Träume näher rücken.







