Im Gleitflug über die Kieler Uni
von Benjamin Ditel
Die 3D-Visualisierungsbranche boomt. Museen, Planungsbüros und Forschungseinrichtungen setzen immer mehr auf die Darstellungskraft von Bits und Bytes.
Ein Interview mit Christian Knechtel über sein 3D-Visualisierungs-Projekt der Kieler Universität und die Chancen für Geographen in diesem Bereich.
Christian Knechtel studiert Geographie an der CAU Kiel. Im Rahmen einer Übung am Kieler Geographischen Institut, modellierte er mit dem Programm „3D Studio Max“ einen Teil des Kieler Unigeländes. Sein Projektgebiet umfasst den Bereich zwischen Westring, Olshausenstraße und den Gleisen des Gewerbegebietes.
GeoZeit: Was kann man von Deinem Projekt erwarten?
Christian Knechtel: Der Betrachter soll eine bessere Orientierung bekommen. Viele Leute laufen über das Unigelände und haben keinen Plan, wie man überhaupt eine Karte liest. Man kann das ganze Gelände im Internet in Echtzeit darstellen, die Gebäude und Institute verlinken und verknüpfen. Auch andere Informationen wären möglich. So kann man z.B. die Bürofläche berechnen lassen. Das hängt unter anderem von der Rechenleistung des Computers und zusätzlicher Arbeitszeit ab.
GeoZeit: Warum hast Du Dir die Mühe gemacht?
Knechtel: Um die Programme besser kennen zu lernen. Am besten lernt man, wenn man einfach ein Projekt anfängt. Anstatt kleine Teilbereiche von den Programmen auszuprobieren, ist es natürlich schöner, wenn man sieht, wie das Projekt wächst und daraus eine vollständige, runde Sache wird. Irgendwann spinnt man das Projekt einfach weiter, so dass es ein Gesamtkonzept ergeben kann.

- Eingrenzung des 3D-Modells: Es erstreckt sich über das Unigelände zwischen Olshausenstr. (Norden), Westring (Osten) und den Bahnschienen am Gewerbegebiet (Westen). Es sind auch Teile der Wohngebiete und der Ricarda-Huch-Schule (ohne Texturen) im Modell vorhanden.
GeoZeit: Woraus bestand die Arbeit an Deinem Projekt?
Knechtel: Die Datengrundlage bildet eine topographische Karte, auf der die Gebäude und Straßen kartiert sind. Digitalisiert habe ich die Karte mit ArcGIS von ESRI und habe dann die Shapes (zweidimensionales Flächenobjekt, Anm. d. A.) in einen 3D-Editor geladen. Der Raum basiert auf dem Gauß-Krüger-Koordinatensystem. Dort konnte ich diese weiter zu Klötzchen bearbeiten. Aus diesen Klötzchen wurden immer mehr Gebäude geformt und das Ganze wurde dann mit Texturen belegt. Texturen sind nichts weiter als Bilder, die an die Klötzchen angepasst werden können. Der Eindruck entsteht, dass ein wieder erkennbares Gebäude, also Wände und Dächer abgebildet werden. Als Ergänzung wurde noch ein Luftbild aus Google Maps als Kartengrundlage darunter gelegt. Damit erhält der Betrachter einen realistischeren Eindruck. Die Texturen waren ein bißchen aufwendiger. Ich habe von jedem Gebäuden ein Foto genommen und diese mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes angepasst. Viel Arbeit hat es gemacht, die Bilder zu entzerren. Dies ist eigentlich nur mit guter Software möglich, die mir aber leider nicht zur Verfügung stand. Die Bearbeitung der Texturen hat den meisten Teil der Arbeit ausgemacht.
GeoZeit: Ganz schön aufwendig. Wie lange hat es gedauert, bis Du mit dem Projekt fertig warst?
Knechtel: Oh ja. Das kann man gar nicht in Stunden rechnen. Ich hab das Modell in meiner Freizeit erstellt. Deswegen hatte ich immer mal wieder dran gearbeitet, wenn ich mal Zeit hatte. Insgesamt habe ich sieben Monate an dem Projekt gearbeitet. Reine Arbeitszeit waren es schätzungsweise drei bis vier Monate.
GeoZeit: Du hast einen knapp 40 Sekunden langen Flug über Dein Modell animiert. War das nicht ein hoher Rechenaufwand?
Knechtel: Der Computer hat eine Woche lang Tag und Nacht durchgerechnet. Die Hauptrechenzeit, man nennt es eigentlich Rendern, hat das Licht beansprucht und natürlich die Gebäude, da jedes einzelne Polygon (3D-Klötzchen) berechnet werden muss. Ich war in der Zeit im Urlaub.

- Christian Knechtel in seinem Element. Knapp sieben Monate hat die Fertigstellung des 3D-Modells, für Teile des Geländes der Kieler Universität, gedauert.
GeoZeit: Hattest Du vorher Erfahrungen in dem Bereich?
Knechtel: Nein, dass hatte ich kaum. Während meiner Arbeit war ich dabei, welche zu sammeln. Ich habe ein Praktikum bei einer 3D-Geoinformationsfirma, die unter anderem Projekte der Landschaftsplanung durchführen, gemacht. Das war eine interessante Sache, da es ein neuer Bereich war. Kennen gelernt habe ich 3D-Visualisierung durch eine Übung, die von Prof. Dr. Duttmann durchgeführt wurde. Daraus entstand mein Interesse, die Programme besser kennen zu lernen.
GeoZeit: Wie siehst Du die Chancen für Geographen im Bereich 3D–Visualisierung? Gibt es dort einen Markt?
Knechtel: Auf jeden Fall. Allerdings sind es im Moment Nischenplätze. Es ist aber im Kommen, der Ruf nach 3D-Geodaten wird immer lauter. Besonders im wissenschaftlichen Bereich. In der Archäologie und allgemein in den Naturwissenschaften herrscht eine sehr hohe Nachfrage. Ich denke Google Earth ist erst ein Anfang. In den letzten fünf Jahren hat sich eine Menge in der Entwicklung getan.
GeoZeit: Könntest Du Dir vorstellen, später als Diplom-Geograph in diesem Bereich tätig zu sein?
Knechtel: Ja auf alle Fälle. Es ist ein sehr breit gefächertes Gebiet, in dem interdisziplinäre Fragestellungen beantwortet werden können, sowohl im naturwissenschaftlichen, wie auch im anthropogenen Zweig. Ich könnte mir auch vorstellen meine Diplomarbeit darüber zu schreiben. Ich würde gerne in der Landschaftsplanung arbeiten, um zu sehen, wie Entwicklungen in 10 oder 20 Jahren aussehen könnten. Allerdings kann ich mir auch viele andere Bereiche vorstellen.
GeoZeit: Danke für das Gespräch.
Knechtel: Bitte.
Weiterführende Informationen:
Spiegel-Online Artikel „Hamburg, die schönste 3D-Stadt in Google Earth“
http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,460363,00.html
Visual Nature Studio 2 Webseite
http://www.3dnature.com
Terragen 0.9.43 – Webseite des Freeware Landschaftsvisualisierungsprogramms
http://www.terradreams.de/All/Downloads.php
Homepage des „3DS-Max“-Herstellers Autodesk
http://www.autodesk.de/adsk/servlet/index?siteID=403786&id=10612077
Weiterführende Literatur:
Empfohlen von Christian Knechtel
Christian Immler: 3DS Max 6: Visualisierung und Animation
Markt und Technik Verlag
Erscheinungsjahr: 2004
ISBN: 3827266831








