Vom Praktikum in den Job gerutscht

Praktikum beim Tourismusverband des Sauerlandes

von Martin Weier

Mein Praktikum begann mit einer Riesenumstellung: Umzug von Kiel in ein 3000-Einwohner-Nest im Sauerland. Was für viele eventuell schon ein Grund ist, ein solches Praktikum nicht zu wählen, sollte bei mir ein erfolgreiches Praktikum mit anschließendem Minijob werden.
Die Arbeit für das Sauerland umfasst die laufende Pflege einer Facebookseite sowie mehrerer Twitterkanäle.

Nachdem ich eine Wohnung im Sauerland gefunden hatte und der kleine Ort Bad Fredeburg ein erstes Mal erkundet hatte, begann am 3.8.2009 mein sechsmonatiges Praktikum beim Sauerland-Tourismus. Relativ bald ging es an die erste größere Aufgabe für mich, die ich neben den täglichen allgemeinen Praktikantenaufgaben bearbeiten sollte: Der neu geschaffene Themenschwerpunkt Ausflugszieltourismus brauchte eine umfassende und vor allen Dingen aktuelle Datenbank der vorhandenen Ausflugsziele im Sauerland. Es existierte zwar eine Datenbank. Diese hatte aber sowohl in der Strukturierung als auch in der Aktualität gravierende Mängel. So war sie jahrelang nicht umfassend gepflegt worden. Viele Daten waren veraltet.

In Absprache mit einem „Expertenteam Ausflugsziele“, das aus touristischen Akteuren der Region bestand, bekam ich die Aufgabe, eine neue Datenbankstruktur zu entwickeln. Nach diversen Abstimmungen mit den touristischen Akteuren waren sich alle einig, dass außer den Standardadressdaten auch andere Daten zur Anbindung der Ausflugsziele an den ÖPNV sowie die Barrierefreiheit der Ausflugsziele neu erhoben werden sollten. Die touristischen Ortsstellen wurden gebeten, entsprechende Daten zu liefern. Aufgrund der Struktur dieser Tourismusstellen im Sauerland, die in den kleineren Orten oft aus ehrenamtlichen „Ein-Mann“-Betrieben bestehen, zog sich dieser Vorgang nahezu über die gesamte Praktikumsdauer hin. Einige Daten habe ich schließlich auch selbst recherchiert und in die Datenbank eingetragen.

Auch auf der Messe TourNatur durfte ich Erfahrungen sammeln
Auch auf der Messe TourNatur durfte ich Erfahrungen sammeln

Neben weiteren Aufgaben und der Möglichkeit, Erfahrungen auf Messen und bei der Betreuung des Infomobils zu sammeln, kristallisierte sich sehr bald die wohl wichtigste Tätigkeit im Laufe meines Praktikums heraus: Die Betreuung sozialer Netzwerke im Internet, die ich auch nach Ende des Praktikums im Rahmen eines Minijobs fortsetze. Jetzt mag mancher denken:  „StudiVZ, Facebook, Twitter, was hat das mit der Arbeit und vor allem mit touristischem Marketing zu tun?“ oder “Ja und, machen doch viele Studenten täglich, in diesen Netzwerken schreiben“. Genau! Und weil dort viele Personen weltweit schreiben und lesen sowie sich täglich in diesen Netzwerken aufhalten - im Falle von Facebook etwa 500 Millionen Nutzer weltweit - ist es sinnvoll diese Netzwerke ebenso für das regionale Marketing zu nutzen. Twitter, als „Kurznachrichtendienst“ im Netz, verzeichnet eine ähnliche Erfolgswelle. Meine Aufgabe war es, zuerst das Verhalten anderer touristischer Akteure innerhalb solcher Netzwerke zu beobachten. 

Aufbauend auf diesen Kenntnissen sollte ich dann eigene Seiten bei Facebook gestalten und mit aktuellen Nachrichten versorgen. Viele Akteure aus der (touristischen) Wirtschaft nutzen diese Kanäle bereits für ein neuartiges Marketing. Sie betreiben Kundenbindung durch direkten Kontakt in sozialen Netzwerken in Verbindung mit dem Schreiben kurzer und aktueller Infos aus der Region oder über ein zu vermarktendes Produkt. Hier ergeben sich neue Informationskanäle, die es gilt, richtig zu nutzen: Vom einseitigen Werben zum  öffentlichen Dialog zwischen Kunden, Verbänden und den Anbietern touristischer Leistungen.

Neben den seit Jahren etablierten Werbemitteln - vom Katalog über den Flyer, vom Magazin bis zur nur einseitig kommunizierenden Internetseite oder teure Werbegeschenke -  entstehen im Web 2.0 mit all seinen Netzwerken und Plattformen neue Wege, die Kundenbindung zu erhöhen. Und dies zu äußerst geringen Kosten. Kein Messestand muss finanziert werden, kein Katalog gedruckt werden. Es kostet einzig und allein Arbeitskraft, man braucht also jemanden, der sich um diese Netzwerke kümmert, Kommentare bearbeitet, aktuelle Infos einstellt - und das laufend. Hierbei geht es weniger um das Schreiben ausführlicher Reportagen und Berichte, als um kurze „News“. Die „Fans“ (Facebook) und „Follower“ (Twitter) wollen informiert sein, im Falle von Twitter kürzer als eine SMS. Viele Nutzer rufen die sogenannten Tweets auch gleich mobil per Handy ab! Hier ergeben sich interessante neue Arbeitsfelder, auch für (Tourismus-)Geographen. Denn viele Verbände haben Nachholbedarf.

Die Nutzung von sozialen Netzwerken ist noch neu in der Marketingwelt. Daher kann es wichtig sein, sich gerade im Bereich neuer Medien Kenntnisse anzueignen. Mir wurde diese Möglichkeit im Sauerland gegeben: Eigenverantwortlich diese Netzwerke erst zu beobachten und dann zu Beginn langsam, aber immer aktiver selbst im Namen der Marke „Sauerland“ aufzutreten. Nach nur knapp 7 Monaten Laufzeit existiert heute eine aktive Fangemeinschaft, die kommentiert, selbst Tipps und Anregungen für weiteres Agieren in diesen Netzwerken gibt. Die Netzwerke werden bis heute nicht auf der „normalen“ Internetpräsenz des Tourismusverbandes Sauerland aktiv beworben. Trotzdem haben mittlerweile knapp 2700 Fans die Seiten gefunden.

Auch via Twitter werden Nachrichten wie gewünscht weiterverbreitet und für aktuelle Veranstaltungen, Ausflugsziele oder für die Region allgemein geworben. Die Netzwerke im Social Web werden vermutlich nicht sofort andere Marketingmittel  vollständig verdrängen. Printwerbung zum Beispiel wird es vermutlich auch in Zukunft  weiterhin geben. Der direkte Kontakt zum Kunden könnte von teuren Messepräsentationen allerdings zunehmend in die digitale Welt verlegt werden, was vor allem auch Kostengründe hat. Ein Stand auf einer Messe ist zeitlich begrenzt und dafür recht teuer. In den Sozialen Netzwerken ist man für den Kunden 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche erreichbar.

Nach meinem Praktikum betreue ich alle diese Netzwerkaktivitäten im Rahmen eines Minijobs für das Sauerland weiter. Dies zeigt, dass in diesem Bereich Berufseinstiege möglich sind. Die Grundqualifikationen bringen viele Studenten mit: Sie bewegen sich, wenn auch privat, bereits in diesen Netzwerken. Gepaart mit Grundkenntnissen im Bereich Medien/Journalismus lassen sich Jobs in diesem neuen Arbeitsbereich innerhalb des (touristischen) Marketings finden. Man muss sich allerdings im Klaren sein: Alles ist Live, die ganze Welt liest sofort mit. Mehr denn je sollte man sich überlegen, wie man etwas schreibt oder formuliert. Dies stellt eine Herausforderung dar. Wer beruflich in den Sozialen Netzwerken agiert, kann das privat nur noch begrenzt tun. Sonst kann es zu negativen Verknüpfungen kommen, zwischen der seriösen Firmenpräsentation und dem „typischen“ Studentenaccount mit den Bildern der letzten Uni-Party.

Mein persönliches Fazit: Der zeitweilige Umzug von Kiel ins Sauerland hat sich doppelt gelohnt - ein spannendes Praktikum mit Einblick in die Branche Tourismusmarketing sowie ein erster kleiner Berufseinstieg beziehungsweise das Aufzeigen einer neuen Job-Nische für uns (Tourismus-)Geographen.