Präventionsangebot der Drogenhilfe
Aufklärung in der Schattenwelt
von René Höllrigl
„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt!“, sagte einst Forrest Gump im gleichnamigen Film. Das gilt insbesondere für Drogen. Wie erkenne ich, dass mir etwas verabreicht wurde? Wie schaffe ich den Ausstieg und wo finde ich Hilfe? Mit seinem Partyprojekt klärt der Verein ODYSSEE e.V die Besucherinnen und Besucher über Drogenkonsum auf und steht Abhängigen sowie Gefährdeten mit Rat und Tat zu Seite.

- Flyer zum Partyprojekt von Odyssee e.V.
Der Verein, der sich seit über 20 Jahren mit der Sozialarbeit mit Drogenabhängigen und -gefährdeten beschäftigt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Drogenabhängigen zu helfen. Außerdem möchte er sie durch spezielle Maßnahmen wieder in ein drogenfreies Leben integrieren. Neben den verschiedenen Projekten zur Wiedereingliederung gilt das Partyprojekt als das jüngste Projekt des Vereins. Doch worum geht es hierbei eigentlich genau?
Das Partyprojekt des Vereins Odyssee e.V. möchte vor allem auf Veranstaltungen elektronischer Musik, wo ein Gros von jungen Menschen zu finden ist, Nicht-, Gelegenheits- und Dauerkonsumenten von illegalen Substanzen begleiten und über die verschiedenen Stofflichkeiten informieren. In einem offenen Gesprächsangebot bietet der Verein sein Wissen und seine langjährige Erfahrung den Hilfesuchenden an und das kostenlos.
Die Anhängerschaft der elektronischen Musik (zumeist als Technoszene bezeichnet), zu der auch Goa, House, Drum ´n´ Bass und Trance zählen, wird in Europa von Experten auf über 10 Millionen geschätzt, davon leben ca. 3-4 Millionen in Deutschland. Die Technoszene gilt damit als eine der größten Musik- und Jugendbewegungen der letzten 100 Jahre. Vermutet man nun die Liebhaber und deren Veranstaltungen nur in den Großstädten Deutschland, so ist das zum größten Teil auch korrekt, aber auch im Norden und auf dem platten Land ist die Szene sehr weit verbreitet. Es steigt mehrmals im Jahr in Norddeutschland und Mecklenburg-Vorpommern eine der größten Technoveranstaltungen des Landes.
Vor allem in der Technoszene und deren mittlerweile aufgesplitteten Musikrichtungen ist der Missbrauch von synthetischen Drogen (Amphetaminen) sehr weit verbreitet und gehört schon zur Normalität, weshalb primär diese Veranstaltungen Ziel des Partyprojektes sind. „Wir agieren in diesem Projekt eher passiv als aktiv“ berichtet Andreas Dehnke, seines Zeichens Vorstand des Vereins. Das bedeutet, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aktiv auf den Veranstaltungen Flyer verteilen und vor dem Gebrauch von Drogen warnen, sondern Hilfesuchenden in diesem Fall eine spezielle „Chill-Out-Zone“ in einem eigens dafür aufgebauten Zelt anbieten und sie betreuen und beraten.
Das größte Problem hierbei ist die Hürde, die ein jeder Hilfesuchender zunächst selbst nehmen muss. Dies mag paradox klingen, ist aber bei genauerer Betrachtung in sich logisch. Nur wer freiwillig kommt, ist nicht beratungsresistent und möchte das Angebot von sich aus wahrnehmen. Dies ist einer der ersten Schritte. Zu diesen Anlaufproblemen gesellt sich häufig noch die große Scheu vor den rechtlichen Konsequenzen. Es werde auf Niemandem mit dem Finger gezeigt, erläutert Andreas Dehnke den Umgang mit Konsumenten. Eine wertfreie Haltung gegenüber den Abhängigen und Gefährdeten ist von größter Bedeutung.

- Ein unscheinbarer Eingang weist den Weg zur Drogenhilfe
Ein weiterer Ansatzpunkt des Projektes ist es, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Reflexion zum Thema illegale Substanzen anzuregen und ihnen die mit dem Konsum verbundenen Risiken bewusst zu machen. In erster Linie geht es darum, den Konsumenten die bestmöglichen Informationen an die Hand zu geben, um die unerwünschten physischen und psychischen Risiken beim Drogengebrauch zu mindern bzw. zu minimieren. Dies beinhaltet u. a. die individuelle Überprüfung der Bedeutung und Funktion des Konsums.
Während der Veranstaltungen ist auch ein Internetzugang verfügbar und neben der Seite des Vereins werden den Konsumenten noch weitere Internetangebote und Anlaufstellen als Plattform genannt, um sich zu online zu informieren und auszutauschen. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass das Partyprojekt ein kleines, regionales und mit wenig Personal besetztes Projekt ist, zudem scheuen viele die rechtlichen Konsequenzen bei einem vis à vis Gespräch.
„Wir arbeiten in einer Grauzone, schon aufgrund der Tatsache, dass jeder der zu uns kommt im Grunde genommen kriminell ist, da der Besitz und der Gebrauch von synthetischen Drogen in Deutschland nicht erlaubt ist.“ Und genau das ist einer der Gründe, weshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins zu einer Art ärztlicher Schweigepflicht angehalten sind, was auch rechtlich anerkannt ist, wie Andreas Dehnke der Geozeit berichtet: „Wie sollen wir jemandem helfen können, wenn wir uns nur durch das Wissen darüber, dass derjenige Drogen konsumiert, schon strafbar machen würden.“
Die Information über die Schweigepflicht zu verbreiten und den Hilfesuchenden verständlich zu machen, so dass sie ohne Angst die Angebote des Vereins wahrnehmen können, ist eine der größten Herausforderungen des Projektes.
Dennoch sprechen die Zahlen für den Erfolg des Projektes (Stand 11/09): Bislang gab es über 40 Vor-Ort Einsätze auf Partys mit bisher insgesamt 32.200 Besuchern. Während der Einsätze wurden 1621 Beratungsgespräche geführt und weit mehr als 18.000 Flyer verteilt. Aber auch die Internetseite des Vereins mit ihren über 450.000 Zugriffen zeigt, dass ein Bedarf an Informationen besteht.
Doch so positiv sich die Zahlen auch lesen, so muss das Projekt auch weiterhin finanziert werden, damit die Aufklärungsarbeit weitergehen kann. Mit einem Etat von 221.000 Euro vor knapp drei Jahren gestartet, ist die Zukunft noch nicht sicher. Dass es überhaupt auf den Weg gebracht wurde, hat der Verein privaten Investoren und der Aktion „Mensch“ zu verdanken, die mit 170.000 Euro den Löwenanteil beisteuerte. „Wir hoffen auf eine Lösung“, gibt sich Andreas Dehnke zuversichtlich.
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter:
www.partyprojekt-odyssee.de







