Interview mit Anna Holthaus und Momme Schacht
Mehr als nur Bäume knutschen
von Theresa Warnk
Dem Klischee nach zu urteilen steht ein FÖJ’ler bei Wind und Wetter allein in der freien Natur, zählt Vögel oder pflanzt Bäume. Sandalenträger im Kampf für die Natur in der Natur. GeoZeit zeigt die Wirklichkeit und hat zwei FÖJ’ler an ihrem Arbeitsplatz besucht – im Büro des BUND Landesverbandes in Kiel.
Anna Holthaus, 19 Jahre alt aus Düsseldorf, und Momme Schacht, 21 Jahre alt aus Celle, absolvieren gerade ihr FÖJ (freiwilliges ökologisches Jahr). Er arbeitet für den Bund für Umwelt und Naturschutz Schleswig-Holstein (BUND) und sie für dessen Jugendverband (BUNDjugend).
GeoZeit: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein FÖJ zu machen?
Momme: Eigentlich wollte ich in Kiel ein FSJ [Freiwilliges Soziales Jahr] machen, war aber von den Stellen nicht überzeugt. Durch meinen Cousin bin ich auf das FÖJ gekommen und bin auf Stellen gestoßen, die mir gefallen haben.
Anna: Ich wollte Meeresbiologie studieren, da ich aber noch recht jung bin, habe ich mir gedacht, ich kann noch ein Jahr etwas anderes machen. So bin ich zum FÖJ und seinen sehr interessanten Stellen gekommen.
GeoZeit: Ökologisch interessiert wart ihr aber vorher beide?
Momme: Ich gar nicht. Das kam erst mit dem FÖJ.
Anna: Nicht so sehr wie ich es jetzt bin. Aber schon immer in die naturwissenschaftliche Richtung, so will ich es mal sagen.
GeoZeit: Ihr seid beide keine Nordlichter. Warum der Wunsch gerade in Schleswig-Holstein ein FÖJ zu machen? Gibt es etwas Besonderes hier?
Momme: Ich bin sehr wohl ein Nordlicht (lacht) – ich wurde in Preetz geboren. Durch meine Cousins, die immer hier waren, und durch Urlaube war es immer mein Traum nach Kiel zu kommen.
Anna: Mich hat das Meer nach Schleswig-Holstein gezogen. Für meinen Studienwunsch war das Meer natürlich gerade richtig (grinst). So wollte ich das Jahr nutzen das Meer beziehungsweise den Lebensraum Meer näher kennenzulernen.
GeoZeit: Bei welchen Einsatzstellen habt ihr euch speziell beworben? War Kiel ein Wunschort?
Momme: Auf jeden Fall. Deshalb habe ich mich auf die beiden Stellen bei der BUNDjugend und beim BUND beworben.
Anna: Ich habe mich nicht auf diese Stelle beworben, sondern wollte eigentlich draußen sein – zum Beispiel zur Schutzstation Wattenmeer oder zur Seehundstation in Friedrichskrug. Doch mir wurde dann Kiel vorgeschlagen, was mir sehr gut gefallen hat, da ich ja auch überlegt hatte in Kiel zu studieren. Zudem war das Bewerbungsgespräch hier auch sehr nett und ich wurde gleich zwei Tage später angerufen und Björn Obmann [damaliger Jugendbildungsreferent] teilte mir mit, dass ich genommen wurde. Das hat mich natürlich sehr gefreut.
GeoZeit: Ist es nicht eher ungewöhnlich ein FÖJ in der Stadt zu absolvieren?
Momme: Ich weiß nicht, ob das so ungewöhnlich ist.
Anna: Naja, in Schleswig-Holstein schon.
Momme: Ja okay. Bis auf die fehlende Natur hat man eigentlich nur Vorteile: Man hat viele Leute um sich, Kultur und ich finde, dass Kiel einfach eine wunderschöne Stadt ist. (Anna lacht) Ich weiß, das sieht nicht jeder so, aber wenn ich morgens und nachmittags an der Förde entlang laufe, denke ich mir schöner kannst du eigentlich nicht wohnen. Gerade Süd-Gaarden finde ich sehr, sehr schön. (grinst)
Anna: Für mich war es natürlich schön, nachdem ich alleine von Düsseldorf hierher gezogen bin, ganz viele FÖJ’ler kennen zu lernen. Bei den anderen Stellen verbringt man den ganzen Winter teilweise alleine. In Kiel dagegen wohnen im Moment um die zehn FÖJ’ler.
GeoZeit: Was sind eure genauen Aufgaben?
Anna: Wir organisieren zusammen mit der Landesjugendleitung der BUNDjugend Aktionen, Seminare, Workshops. Letzte Woche haben wir zum Beispiel Schulworkshops veranstaltet, bei denen wir den Schülern der neunten Klassen das Thema Klimawandel näher gebracht haben. Oder auch Exkursionen: Derzeit planen wir einen Ausflug in das Ökodorf „Sieben Linden“.
Momme: Also das gesamte Angebot der BUNDjugend auf die Beine stellen.
GeoZeit: Könnt ihr einen typischen Alltag schildern?
Momme: Es gibt Dinge, die sich immer wiederholen, aber einen wirklichen Arbeitsalltag gibt es nicht. Die üblichen Büroarbeiten, wie E-mails schreiben, Bestellungen annehmen und telefonieren macht man immer ...
Anna: …aber sonst ganz viele unterschiedliche Sachen. Das ist ja auch das Schöne. So hat man ganz viele Erfahrungen.
GeoZeit: Was waren bis jetzt die Höhepunkte eures FÖJs?
Momme: Auf jeden Fall der 24.10.2009. Die große Luftbildaktion auf dem Rathausplatz. Da haben wir doch 400 Leute zusammen bekommen für den Schriftzug „The Flood is coming – Act now“ den wir dann auf dem Rathausplatz gebildet haben. Zu Beginn des FÖJs so eine Aktion organisiert zu haben, ist natürlich ein richtiger Motivationsschub.
Dann natürlich im Dezember die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen mit der Großdemonstration mit 100.000 Leuten. Zudem haben wir in einer sehr tollen „Flood-Action“ mit Hilfe von blauen Regenponchos, Laola-Wellen und Leuten, die sich in Schlauchbooten über die Demo haben reichen lassen, eine Flutwelle imitiert.
Anna: Meine Höhepunkte waren eigentlich ähnlich. Dann Kopenhagen, wo ich die ganzen zwei Wochen bei den Verhandlungen dabei war, was sehr, sehr interessant war.
GeoZeit: Ihr habt den Klimagipfel in Kopenhagen mit Aktionen begleitet und wart auch vor Ort. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?
Anna: Für mich war Kopenhagen eine sehr emotionale Zeit, ich habe so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, da ich an der „internationalen Begegnung“ teilgenommen habe. Mein Pate kam zum Beispiel aus Indonesien. Es ist schon dramatisch, wenn man von Freunden, die man dort gewinnt, erzählt bekommt, wie viele Schäden der Klimawandel bei denen schon angerichtet hat und wie die Menschen schon darunter leiden. Tausende Menschen haben so viel Zeit und Energie reingesteckt haben und am Ende sieht man enttäuscht die Verhandlungen scheitern.
GeoZeit: Wie soll es für euch nach dem FÖJ weiter gehen?
Anna: Ich bin von meinen Biologie-Studium durch das FÖJ abgekommen und möchte jetzt Umweltwissenschaften studieren – am liebsten in Lüneburg. Auf Bundesebene werde ich auf jeden Fall auch die Arbeit bei der BUNDjugend fortsetzten.
Momme: Ich hoffe derzeit auf eine Ausbildungsstelle als Bootsbauer und bei der BUNDjugend werde ich auch bleiben. Ich will auf jeden Fall erst mal in Kiel bleiben.
GeoZeit: Viel Dank für das Gespräch!
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