GeoZeit-Serie - Der Letzte macht das Licht aus

Teil 1

von Sebastian Starzynski

Wachsender Energieverbrauch, steigende Preise und viele Einsparpotentiale. Die CAU muss handeln, kann es aber nicht. Ein Blick hinter die Kulissen gibt Auskunft über die Energiepolitik der CAU und die Verwaltung eines Betriebs mit 160 Liegenschaften.

Flagge zeigen - Energie sparen
Flagge zeigen - Energie sparen

2,5 Millionen Euro. Dieser Betrag steht für die 27 Gigawattstunden Strom, den die CAU letztes Jahr verbraucht hat. Das entspricht in etwa dem Verbrauch einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern. Weitere 2,5 Millionen Euro werden bei der jährlichen Heizkostenabrechnung fällig. Das macht die CAU neben der HDW und dem Uni-Klinikum zu einem der größten Energieabnehmer in Kiel und Umgebung.         

Nun ist Kiel auch Klimaschutzstadt. Und das schon seit 1995. An dem von der Deutschen Umwelthilfe durchgeführten Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ nehmen knapp 80 Kommunen freiwillig teil und stellen ihre Strategien zum Klimaschutz vor. Dabei werden Bereiche wie klimaschonende Verkehrsplanung, klimafreundliche Siedlungsgestaltung und klimaschonende Energieversorgung besonders berücksichtigt. Kiel landete zuletzt 2006 auf Platz 25 und konnte unter anderem mit Energieeinsparmaßnahmen im öffentlichen Bereich ordentlich Punkte holen. Dafür erhielt die Stadt den Titel „Klimaschutzkommune 2006“.     

In diesem Zusammenhang bekommt nicht nur das geplante neue Kohlekraftwerk für das Kieler Ostufer einen bitteren Beigeschmack. Grund genug, auch an der Uni selbst einmal nachzufragen. Denn der CAU kann, als einem der größten Arbeitgeber in der Region und höchster Bildungsinstanz zugleich, durchaus eine Vorbildfunktion in umweltgerechter Betriebsführung abverlangt werden. Also stellt sich die Frage nicht nur nach den Energielieferanten der Uni und den Einsparmaßnahmen, sondern auch, wie das Ungetüm CAU mit 160 Liegenschaften gebäudetechnisch überhaupt verwaltet wird.

Die Spurensuche im ersten Teil der GeoZeit-Serie beginnt in der Abteilung 5 der Universität, unmittelbar gegenüber vom Physikzentrum. Ein unscheinbares, flaches Gebäude beherbergt hier das Technische Bau- und Gebäudemanagement der CAU. Chef der Abteilung ist Bernd Renken. „Das frustrierende an der Geschichte ist, zu sehen, was man machen könnte, aber leider keine Gelder hat“. Was Renken meint, stellt das Grunddilemma öffentlicher Einrichtungen dar. Es können nur die Gelder ausgegeben werden, die auch tatsächlich zur Verfügung stehen.

Im Jahr 2002 hat die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) für die CAU einen Sanierungsstau mit einem Volumen von 150 Millionen Euro festgestellt. Darunter fallen auch konkrete Energieeinsparmaßnahmen wie die Dämmung von Dächern und Fassaden. Allerdings werden die Gelder vom Land nach einem ganz anderen Prinzip freigegeben. Über ein spezielles Verfahren wird der theoretische Wert eines Gebäudes zum Jahre X ermittelt. Mit diesem so genannten „Friedensneubauwert“ lassen sich beispielsweise Neu- und Altbauten gleichermaßen bewerten. Steht der Gebäudewert fest, verteilt das Land die notwendigen Gelder, um die Gebäude in ihrem Ist-Zustand zu erhalten.

Dafür stehen jährlich 2,5 Millionen für Bauunterhaltung zur Verfügung. Und die landen nicht bei der CAU, sondern beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). Sie verwaltet für das Land alle öffentlichen Liegenschaften, organisiert die Ausschreibungen, schließt die Verträge ab, auch im Energiesektor.

Alle zwei Jahre wird beispielsweise das Medium Strom öffentlich ausgeschrieben. Und in den letzten Jahren bekamen immer die Stadtwerke Kiel den Zuschlag für ihren „Kieler-Strom-Mix“. Auch die Fernwärme lassen die Kieler Stadtwerke durch das selbstbetriebene CAU-Netz strömen. Zu welchen Konditionen die Ressourcen gekauft werden, darf aufgrund der Wettbewerbsfreiheit allerdings nicht veröffentlicht werden.


Der Jahresverbrauch für Strom liegt derzeit bei rund 27.000MWh pro Jahr. Größter Einzelabnehmer der CAU ist das Biologiezentrum. Vor allem Klimaanlagen verbrauchen viel Strom. Bei einem extrem warmen Sommer, wie zuletzt 2006, steigt der Stromverbrauch deutlich an. Mit freundlicher Genehmigung des Technischen Bau- und Gebäudemanagements der CAU.
Mit heute ca. 5000m³ ist der Jahresverbrauch von Gas eher unbedeutend. Früher wurden teilweise noch Klimaanlagen mit Gas betrieben. Nachdem man auf strombetriebene Anlagen umgestellt hat, ist der Gasverbrauch deutlich gesunken. Mit freundlicher Genehmigung des Technischen Bau- und Gebäudemanagements der CAU.
Der derzeitige Jahresverbrauch liegt etwa bei 47.000 MWh. Im Sommer sinkt der Verbrauch auf 36 MWh, im Winter kann er bis zu 230 MWh pro Tag ansteigen. Größter Einzelabnehmer der CAU ist das Schwimm- und Sportzentrum. Um Energie zu sparen, werden am Wochenende die Heizungen abgestellt. Mit freundlicher Genehmigung des Technischen Bau- und Gebäudemanagements der CAU.
Viele technische Neuerungen, wie die Umstellung der Kühlsysteme von Wasser auf Strom, haben den Wasserverbrauch sinken lassen. Die Befüllung des Schwimmbades beispielsweise verbraucht 3200m³. Mit freundlicher Genehmigung des Technischen Bau- und Gebäudemanagement der CAU.

Bei der GMSH landen dann auch die Aufträge und jährlichen Mängellisten der Abteilung 5 von Bernd Renken. Als Betriebsüberwacher sollte die GMSH dann im Umkehrschluss  Vorschläge unterbreiten und Tipps geben, wie Einsparmaßnahmen umgesetzt werden können. „Ist in der Vergangenheit aber nicht so richtig passiert“, meint Renken und kennt auch den einfachen Grund: „Personalmangel bei der GMSH“. Insofern werden viele Einsparungsmaßnahmen in Eigenregie durchgeführt. Dabei beweisen Renken und sein Team aus der Not geborene Kreativität. „Über Kleinmaßnahmen versuchen wir hier, Energie zu sparen wo wir können.“ Sprich Maßnahmen zur Schadensbegrenzung.

Heizung und Lüftung der Hörsäle beispielsweise werden über die Belegpläne mittels Zeitsteuerung bedient. Ebenso wird zur besseren Überwachung und Steuerung die Heizung der gesamten CAU über eine Gebäudeleittechnik geregelt. Dabei wird auch schon mal die Wetterprognose der automatischen Schaltung vorgezogen. Ferner sollen Bewegungsmelder für Licht und Steckerleisten am Arbeitsplatz den Stromverbrauch deckeln. Aber die Möglichkeit, auch die Gebäudehüllen zu sanieren, kann kaum ausgeschöpft werden. „Wir sanieren nur nach Bedarf. Wir sanieren nicht vorausschauend.“ meint Renken, „das können wir gar nicht, die Mittel haben wir nicht.“

Wohin diese Finanzlage führen kann, wird am Beispiel der Universitätsbibliothek (UB) in der Leibnizstrasse deutlich. Die UB ist nicht Eigentum der CAU, sondern Leasingobjekt einer Münchner GmbH. Diese hat vom Land den Auftrag bekommen das Gebäude zu bauen, betrieben wird es von der CAU. Natürlich hat der Erbauer versucht, durch die Wahl der Materialien, die Baukosten gering zu halten. Deshalb reicht die Wärmedämmung auch nicht über den Standard hinaus. Zudem wird Dampferzeugung zur Luftbefeuchtung mit Strom betrieben.

„Für die Stromrechnung der Unibibliothek sind wir vom Landesrechnungshof gerügt worden“, erklärt Renken und nennt als weiteren Grund für den stetig steigenden Stromverbrauch der CAU die wachsenden „Nutzeranforderungen“. Immer mehr Seminarräume, Labore, PC-Räume müssen klimatisiert werden. Eine Entwicklung, der man kaum gegensteuern kann, weiß auch Bernd Renken,  „das ist eigentlich Wahnsinn.“

Was nun bleibt, ist die Frage nach der Vorbildfunktion. „Man hört weder was Schlechtes noch was Gutes von der Uni“ meint Moritz von Cossel, Umweltreferent des AStA zur selbigen Frage. „Wenn die Uni von sich behaupten kann, dass hier umweltgerecht oder so umweltgerecht wie möglich gearbeitet, gelernt und gelehrt wird, dann wäre das nach außen sichtbar und eine Vorbildfunktion.“

Dass es viele Einsparpotentiale - über Bewegungsmelder und wasserfreie Urinale hinaus - gibt, ist kein Geheimnis. Doch existieren auch Ansätze und Lösungen, die unabhängig von der bescheidenen Finanzlage des Landes Möglichkeiten wären, den Betrieb CAU schließlich effizienter funktionieren zu lassen? Mit dem schönen Nebeneffekt, die Umwelt weniger zu belasten? Denn hinter den Gegebenheiten steckt schließlich kein böser Wille. Die Universität will ja Ressourcen und somit Geld einsparen.

Fragen, auf die man nicht nur an der CAU Antworten suchen darf. Die Suche muss also an anderen Stellen, bei der GMSH und beim Land, fortgesetzt werden. Als vom Land geschaffene Instanz zur Gebäudeverwaltung aller öffentlichen Liegenschaften, kennt sie die gesetzlichen Rahmen, in der sich alternative Finanzierungskonzepte für vorrausschauendes Wirtschaften bewegen dürfen. Hier beginnt der zweite Teil der GeoZeit-Serie „Der letzte macht das Licht aus“.

Lesen Sie auch den Teil 2 der Serie