Nachhaken, immer wieder nachhaken!

von Sarah Nüdling und Sebastian Starzysnki

Moritz von Cossel, Umweltreferent des AstA der CAU, im Gespräch mit GeoZeit über seine Arbeit im AStA und die Vorbildfunktion der Uni.

GeoZeit: Moritz, wie sieht Dein Tagesgeschäft als Umweltreferent aus?     Moritz von Cossel: Es gibt eine ganze Menge Dinge, die referatsübergreifend sind. An den Sitzungen teilnehmen, beim Vorbereiten und Durchführen von Aktionen helfen. Das setze ich voran, weil es in der Eingewöhnungsphase das ist, woran man sich festhält. Referatsspezifische Veranstaltungen zu organisieren oder Artikel zu schreiben, dass lief bei mir am Anfang erst nebenher. Und das konzentriert sich jetzt.

GeoZeit:
Die Uni verbraucht soviel Energie wie eine Kleinstadt und besitzt zugleich enorme Einsparpotentiale. Gibt es Konzepte vom AStA, die CAU umweltgerechter zu machen?
von Cossel:
Es gibt eine Arbeitsgruppe, die aus dem Kanzler besteht, einem Vertreter aus dem Technischen Bau- und Gebäudemanagement, und mir, also dem Umweltreferat. Und das Umweltreferat ist damit beauftragt, jemanden zu suchen, der ein UmweltAudit an zwei Instituten austestet. Dafür haben wir auch einen Geldbetrag von der Verwaltung bekommen. Der beläuft sich mittlerweile auf 15.000 Euro.

GeoZeit:
Was bedeutet UmweltAudit genau?
von Cossel: Gemessen werden Strom, Wärme, Gas, Abfall und weitere Materialien, die anfallen und verbraucht werden. Und abgefordert werden Darstellung und Begründung für Optimierungsvorschläge. Die Machbarkeit soll hieb- und stichfest dargestellt werden. Was eingespart werden kann und warum es glaubwürdig ist.

GeoZeit: Und wie will man diese Glaubwürdigkeit erreichen?
von Cossel: Durch statistische Signifikanz, also die Unanfechtbarkeit der statistischen Erhebung. Und die stellen wir damit her, dass es wöchentlich, über den Zeitraum von einem Jahr gemessen wird und allein schon durch die Auswahl der Institute. Es soll später eine Hochrechnung für die gesamte Uni gemacht werden können. Deshalb müssen die Institute repräsentativ sein, also ein altes Gebäude und ein neues Gebäude. Es soll auch geprüft werden, wie viel es bringen würde, einen Betrieb der jetzt von 7 Uhr bis 19 Uhr läuft, von halb 8 bis 16 Uhr laufen zu lassen. Es müssen Rückschlüsse gezogen werden können, welche Maßnahmen in Betracht kommen.

GeoZeit: Liegen diese Verbrauchszahlen nicht schon vor?
von Cossel: Man soll sich wundern. Insgesamt ja, aber institutsbezogen nein. Machen Fakultäten arbeiten institutsübergreifend, also genau auf die Gebäude [bezogen] gibt es das nicht. Wir haben Verbrauchszahlen von der gesamten Uni, aber das hilft uns nicht weiter. Das ist so ein Datenwald, deswegen muss man das eingrenzen.

GeoZeit: Wie geht es nach der statistischen Erhebung weiter?
von Cossel: Ganz einfach. Wir sagen, was es kosten würde, diese und jene Maßnahmen durchzuführen, um so und so viele Ressourcen einzusparen. Was dann unter dem Strich an finanziellen Ergebnissen herauskommt, wollen wir sogar noch in den Hintergrund stellen. Die Universität will eigentlich Ressourcen sparen. Abschließen soll das ganze mit einer Vorstellung der Ergebnisse vor dem Senat, um dann entsprechende Forderungen zu stellen. Also entweder eine Stelle für Umweltmanagement an der ganzen Uni oder an den zwei Instituten. Das steht noch weit in den Sternen. Wir haben die statistische Erhebung noch gar nicht.

GeoZeit:  Woher kam die Idee für das Audit?
von Cossel: Das haben meine Vorgänger eingeleitet. Sie haben erfahren, dass manche Unis ein Umweltmanagement haben und auch für Umweltfreundlichkeit zertifiziert sind.

GeoZeit: Es gab auch einen Preis von den Kieler Stadtwerken.
von Cossel: Durch die Recherche [meiner Vorgänger] über die Umweltleitlinien hat sich ein ganzer Batzen an Materialien angesammelt. Damit sind sie zu den Kieler Stadtwerken gegangen, die jedes Jahr einen Umweltpreis ausschreiben. Da hat das Umweltreferat den zweiten Platz gemacht. Der war mit 2000 Euro dotiert.
 
GeoZeit: Wie ging es mit dem Audit weiter?
von Cossel: Ursprünglich war es geplant, die statistische Erhebung im November letzten Jahres anfangen zu lassen. Das lief aber alles nicht so gut. Das Umweltreferat war damit beauftragt die Stelle auszuschreiben und nebenbei sollte von der Verwaltung der Werkvertrag fertig gestellt werden. Den Vertrag hatten wir aber noch nicht. Der Auftrag ist irgendwo nicht angekommen oder verschluckt worden. Inzwischen gibt es einige BewerberInnen, die halte ich jetzt auch schon seit Monaten hin. Deshalb haben wir in den letzten zwei Monaten selbst einen Werkvertrag so gestalten, dass mit der statistischen Erhebung auch etwas angefangen werden kann, wenn wir keine Unterstützung eines Antrags auf Umweltmanagement durchziehen können. Dass ist eigentlich nur ein Anforderungsblatt, was jetzt nur noch unterzeichnet werden muss. Wir dürfen gar keine Werkverträge ausstellen.

GeoZeit: Was denkst du, weshalb diese Verzögerungen von Seite der CAU?
von Cossel: Im Oktober letzten Jahres, nach meinem ersten Gespräch mit dem Rektorat, hat mich Herr Bauer zur Seite genommen und gesagt: „Immer wieder nachhaken. Wenn nichts läuft, wenn nichts passiert, immer wieder nachhaken“. Also es ist kein böser Wille dahinter sondern einfach Arbeitsüberladung.

GeoZeit: Welche Rolle spielt der AStA in der Energiepolitik der Uni?
von Cossel: Wir versuchen, uns nicht alles anzuziehen. Es ist Aufgabe der Verwaltung, dafür zu Sorgen, dass der Betrieb effizient und suffizient läuft. Natürlich arbeiten wir in die Richtung, ein Umweltmanagement zu fordern, aber Aufgabe das Ganze durchzuführen, auf die Kleinigkeiten und die wesentlichen Maßnahmen zu achten, wie Gebäudefassade, Heizpumpen, die Wahl der Energieart, der Wärmeart, dass sollte später genau das Tätigkeitsgebiet der Umweltmanagementposition sein. Ich habe mich nicht damit beschäftigt, welche Fassade wann saniert werden müsste. Meine Vorgänger auch nicht. Aber ich denke, dass ist eine klare Entwicklung und eine gute Entwicklung...

GeoZeit: ...die ja nicht nur Sinn macht, sondern auch chic ist.
von Cossel: Ich glaube die beiden Gründe fahren im gleichen Zug. Es ist für eine Uni ja auch toll, wenn sie im Hochschulvergleich gut mithalten kann, was Öffentlichkeitsarbeit angeht, was Vorbildcharakter angeht.

GeoZeit: Hat die CAU eine Vorbildfunktion?
von Cossel: Es liegt einiges im Argen. Das liegt so sehr im Argen und so sehr im Hintergrund, dass es kaum einer mitbekommt. Man hört weder etwas Schlechtes noch etwas Gutes von der Uni und das ist sehr schade. Wenn die Uni von sich behaupten kann, dass hier umweltgerecht oder so umweltgerecht wie möglich in einer Entwicklung begriffen gearbeitet, gelernt und gelehrt wird, dann wäre das nach außen sichtbar und eine Vorbildfunktion. Sie sollte die Vorbildfunktion einnehmen, weil hier gerade alles gelehrt wird.

GeoZeit: Spielt denn die Lehre eine besondere Rolle?
von Cossel: Ich tue mich schwer mit Podiumsdiskussion. Man kann sehr viele interessante Leute einladen, viele hochrangige Politiker oder Aktivisten, die halten umsonst einen Vortrag, aber es gibt so viele interessante Vorlesungen. Also wer möchte, der soll ins Vorlesungsverzeichnis schauen, der wird feststellen, dass, zumindest was die Lehre angeht, die Vorbildfunktion voll erfüllt ist. Nur das ist intern, nicht nach außen. Aber die wissenschaftliche Neutralität sollte gewahrt werden, heißt es nicht so?

GeoZeit: Aber die Fragen, die man stellt, sind richtungweisend. Es ist etwas anderes, ob man in einer Firma Umweltmaßnahmen implementiert oder in einem Betrieb, der auch Lehre betreibt, der auch einen wissenschaftlichen Anspruch hat, ganz vorne zu sein. Und Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Themen, die jeden Tag die Zeitungen bestücken. Auch deshalb sollte die Vorbildfunktion erfüllt sein.
von Cossel: Und die Absolventen sind diejenigen, die später in den Betrieben eher die richtungsweisenden Positionen begleiten. Also die Universität als Multiplikatoreffekt ist einfach irre. Der Einfluss später auf die Wirtschaftswelt ist das, was für mich alles begründet und alles gut sein lässt, was hier getan wird, sei es vom AStA oder den Professoren.

GeoZeit: Mit welcher Resonanz wird Deine Arbeit aufgenommen?
von Cossel: Wenn ich gefragt habe, dann gab es nur positives Feedback bzw. kritisches, was mir dann weitergeholfen hat. Aber von allein kommt gar nichts. Das ist durchaus sehr ernüchternd, so wie es klingt. Darum sage ich das so. In einem meiner ersten Artikel habe ich mich als neuer Umweltreferent vorgestellt, was ich mache, wo ich anknüpfe, wo ich tätig sein will. Wenn ihr Vorschläge habt, meldet euch.

GeoZeit: Da kam nie etwas?
von Cossel:Gar nichts.

GeoZeit: Woran liegt das?
von Cossel: Vielleicht allein schon an der Wahlbeteiligung, also an dem fehlenden hochschulpolitischen Bewusstsein. Vielleicht Verdrossenheit.

GeoZeit: Aber politisches Bewusstsein ist eine andere Sache als Umweltbewusstsein.
von Cossel: Das möchte ich nicht anzweifeln. Ich bin mir sicher, dass selbst die, die nicht gewählt haben, im Privatleben auf die Verbindung ökonomischer zu ökologischer Lebensweise achten. Aber du hast gefragt, was bei mir ankommt, was beim Umweltreferat ankommt. Warum kommt bei mir so wenig an? Weil wahrscheinlich die anderen, die mich gewählt haben, auch noch nicht mal wissen, wer ich bin, oder was der AStA überhaupt macht. Hier kommen viele Leute rein und fragen, „Wo ist denn die AStA?“ Die glauben AStA ist eine Person. Da muss man ansetzen, wenn man fragt, warum hier so wenig Feedback kommt. Das steht auch ständig auf unserer Planungsliste: Wie treten wir nach außen, wie machen wir den Studierenden klar, wie sie mitarbeiten können? Manche werfen der Universität sehr viel Vertrauen zu, die sagen, „Das läuft“.

GeoZeit: Also auch mangelndes Identifikationsgefühl mit der Universität?
von Cossel: Ja.

GeoZeit: Was würde anders sein, wenn Du Entscheidungsträger wärst?
von Cossel: Genauso wie es ist, nur mit einem Posten für Umweltmanagement. Die Möglichkeit, dass die Studierenden mitbestimmen, ist da bzw. noch – in der neuen Verfassung ist die Studierendenschaft kein Organ der Universität mehr.

GeoZeit: Du scheidest im Juli diesen Jahres aus deinem Amt. Was ist bis jetzt Dein persönliches Resumée?
von Cossel: Das kann ich nur sehr empfehlen, einmal in so einem Team mitzuarbeiten, wo Studierende völlig verschiedener Studiengänge zusammen an einem Strang ziehen, um das Thema Hochschulpolitik publik zu machen. Dass ist ein Dauerbrenner, das wird immer interessieren. Wie man dann zu der eigenen Arbeitsweise findet, dass kriegt man vielleicht selber gar nicht mit. Ich kann jetzt auch nur vermuten, wie es sein wird, nachdem ich hier wieder ausgeschieden bin. Es gibt sehr viele ehrenamtlich tätige Vereine. Da habe ich jetzt sehr viel Lust drauf bekommen, weil ich merke, wie es mich für den Alltag stärkt. Ich habe gelernt, wie ich meine eigenen Aktionen betrachten soll. Ich habe diskutieren gelernt oder zumindest ein paar Erfahrungspunkte dazu gewonnen, Ich habe Spaß an Recherche gewonnen. Soviel recherchiert hab ich noch nie.

GeoZeit: Wie wird es nach Dir weitergehen?
von Cossel: Im Juli sind Neuwahlen und man weiß jetzt noch nicht, ob ein Umweltreferat zustande kommt. Aber der AStA hat die Möglichkeit Projektverträge zu vergeben, an Studierende, die sich dann mit einem Thema speziell beschäftigen.

GeoZeit: Hast Du den Eindruck, etwas verändert oder geschafft zu haben?
von Cossel: Was das UmweltAudit angeht, ja da hab ich etwas geschafft. Aber an dem Umweltbewusstsein, da habe ich nicht den Eindruck, etwas geändert zu haben.

GeoZeit: Was würdest Du Deinem Nachfolger empfehlen, sofern es ihn geben sollte?
von Cossel: Nachhaken, immer wieder nachhaken! Und viel Glück mit dem Drucker (lacht).

 

Kurz zur Person:

Moritz von Cossel, 27. Jahre, machte eine Ausbildung zum Gemüsegärtner bevor er an der CAU anfing Agrarwissenschaften zu studieren. Über die Grüne Hochschulgruppe kam er im Juli 2007 in den AStA und übernahm dort den Posten als Umweltreferent. Im Sommer 2008 endet seine Stelle, dann entscheiden die Wahlen über die neuen AStA-Referatsposten. Neben den geplanten Vorbereitungen zum UmweltAudit organisiert Moritz von Cossel unter anderem Aktionen zum Thema Bioessen in der Mensa.