Stena Germanica in Kiel
Klar Schiff am Schwedenkai
von Adrian Weiß und Christian Nowack
Weltweit wird in der Schifffahrt giftiges Schweröl als Treibstoff genutzt. Seit Jahren profitiert die Schifffahrtsindustrie von schwachen Emissionsregulierungen. Die aktuelle Kampagne „Mir stinkt´s! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“ des Naturschutzbundes NABU fordert komplettes Schwerölverbot für Kreuzfahrer sowie das Ende stark schwefelhaltiger Treibstoffe in der gesamten Schifffahrtsbranche. Stena Line wirbt mit mehr Umweltschutz auf der Route Kiel – Göteborg. Geozeit hat nachgefragt.
Das preisgünstige Schweröl wird unter anderem zur Befeuerung von Kraftwerken und Industrieanlagen genutzt. Vor allem aber im Antrieb von Schiffen. Bei der Verbrennung entstehen deutlich mehr Abgase als bei Benzin oder Diesel. Während Pkw-Diesel nur einen Schwefelgehalt von 0,001 Prozent enthalten darf, dürfen Schiffe mit Schweröl fahren. Dieses hat einen Schwefelanteil von bis zu 4,5 Prozent. Das ist das 4500fache dessen, was an Land erlaubt ist.
Schweröl ist ein Produkt, welches bei der Verarbeitung von Rohöl übrig bleibt. Es ist so zäh, dass es vor dem Gebrauch erhitzt werden muss, um die nötige Viskosität zu erreichen. Schlammrückstände in den Schiffstanks werden teilweise auf hoher See entsorgt. Damit umgehen manche Reeder die gebührenpflichtige Entsorgung an Land. Die Seeschiffe verbrauchen pro Jahr 370 Millionen Tonnen Schweröl. 4,5 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Schifffahrtsindustrie. Bei der Verbrennung entstehen schwarze Russpartikel die sogar bis in die Arktis getragen werden. Diese dunklen Ablagerungen lassen das Eis deutlich schneller schmelzen. Zudem ist belegt, dass die meisten Schiffsemissionen in unmittelbarer Küstennähe emittiert werden, wo sie weit ins Landesinnere gelangen. Laut der Weltgesundheitsorganisation sind die Abgase hochgradig gesundheitsschädigend und für 60.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich.
Die International Maritime Organisation (IMO) der Vereinten Nationen definiert die Richtlinien des Schwefelanteils in Treibstoffen. Innerhalb des weltweiten Schifffahrtsverkehrs muss bis 2020 die maximale Obergrenze von 4,5 auf 0,5 Prozent reduziert werden. Die EU-Kommission will darauf reagieren und den Grenzwert in der stark befahrenen Nord- und Ostsee ab 2015 von derzeit einem auf 0,1 Prozent senken. Beide Meere gehören zu den Schwefelemissions-Kontrollzonen.
Weiterführende Links
http://www.nabu.de/themen/verkehr/schifffahrt/







