Klimaschutz

Klimaneutral im Alltag – Ein Selbstversuch

von Theresa Warnk

Wer hat eigentlich gesagt Klimaschutz sei schwer?! Man müsse sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und sich an allen Ecken und Enden einschränken?! Wenn so viele Menschen dieser Ansicht sind muss doch was dran sein, oder?! Finden wir es heraus.

Jeder von uns hat einen persönlichen CO2-Fußabdruck. Dieser entspricht der Menge an Kohlendioxid, die ich und jeder andere durch sein Leben, seine Aktivitäten, seinen Konsum und seinen Verbrauch verursacht. Oft wird die Größe des Fußabdrucks in Tonnen CO2 angegeben. Somit hängt mein Fußabdruck auch von Produkten (inklusive Strom) ab, die ich kaufe, von Verkehrsmitteln, die ich benutze, aber auch Dienstleistungen, die ich in Anspruch nehme.

Horrorszenario oder mögliche Folge unser aller Handeln?!

Vor Beginn meines Selbstversuches informiere ich mich in einem Gespräch mit Björn Obmann, dem Jugendkoordinator beim BUND Kiel (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland),  über Maßnahmen, die ich ergreifen könnte.
Ich erfahre, dass sich der BUND auf drei Dinge konzentriert, wenn es darum geht, Menschen zum Kampf gegen den Klimawandel zu bewegen: „Als Einzelner kann man in den Kategorien Strom, Mobilität und Ernährung sehr viel bewegen. Dabei lässt sich mit der Umstellung auf Ökostrom mit einem Schlag am meisten ausrichten“, so Obmann. Außerdem empfiehlt er, dass wenn man sich für Ökostrom entscheidet, man auf das Gütesiegel des „Grüner Strom Label e.V.“ achten sollte.  „Allerdings ist auch ein Pseudo-Ökostrom immer noch besser als konventioneller Strom – so sehen die Unternehmen, dass die Nachfrage nach umweltfreundlicher Energie besteht.“, betont er. In Sachen Ernährung weist er auf die Schwierigkeit hin, zwischen der CO2-Produktion durch den Transport aus Übersee (per Schiff) und der CO2-Produktion durch die Lagerung vor Ort in Kühlhäusern zu unterscheiden. „Leider liegen konkrete Zahlen nicht oder nur selten vor.“

In Sachen Mobilität brauche ich an meinem Verhalten nichts mehr ändern: wenn ich mal nicht auf meinem Fahrrad sitze, laufe ich. Lange Strecken lege ich mit dem Zug zurück. Somit sind meine Fortbewegungsarten relativ CO2-arm. Deshalb werde ich diesen Bereich außen vor lassen.

Laut des BUND werden 20 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland durch die Lebensmittelproduktion verursacht. Grund genug sich das Ganze genauer anzuschauen. Es fängt an in meinem Supermarkt, ganz klein beim täglichen Einkauf. Heute halte ich meine Einkaufsliste ganz allgemein und schreibe zum Beispiel nur „Obst und Gemüse“ auf. Vor Ort will ich mir genau anschauen, aus welchen Teilen der Welt das jeweilige Produkt stammt, und danach auswählen, was ich tatsächlich kaufe.

Die Schiebetüren des Supermarktes öffnen sich und damit beginnt meine Mission „Einkauf“. Gleich zu Beginn die Obst- und Gemüseabteilung – ihre CO2-Bilanz ist schlicht und einfach katastrophal: wenig Saisonprodukte, das meiste aus Südeuropa und Übersee. In Sachen Obst habe ich, grob gesagt, die Wahl zwischen deutschen Äpfeln, südafrikanischen Orangen und Bananen aus Costa Rica. Meine Auswahl ist also eher gering: Äpfel.
Das Gemüse stammt schon eher aus unseren Gefilden beziehungsweise zumindest Europa – teilweise sogar Saisonprodukte. Letztlich entscheide ich mich, den Obst- und Gemüseeinkauf zu vertagen.
Was sich bei Obst und Gemüse noch einfach gestaltet, wird bei Fertigprodukten oder Drogerieartikeln schon schwieriger. Oft kann man nur erkennen, wo das jeweilige Produkt hergestellt oder verpackt wurde, nicht aber, woher die Inhaltsstoffe oder die Verpackung stammen. Dem Verbraucher werden also wichtige Information vorenthalten, die für einen umweltfreundlichen Einkauf nötig wären. Auch mein Lieblingstee verschweigt mir solche Informationen gänzlich. Selbst auf der aufwendig gestalteten Internetseite des Herstellers suche ich konkrete Informationen vergeblich.

Alle diese Informationen über Herstellung und Herkunft eines Produktes sollen in sogenannten Ökobilanzen festgehalten werden.
Auf der Webseite des Global Footprint Network finde ich später nähere Informationen. Eine solche Ökobilanz sei eine „quantitative Erfassung der Wirkung eines Produktes auf die Umwelt“  - also genau die „Menge an Energie, Materialien zur Produktion und Distribution und Abfällen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, inklusive seiner Nutzung und Entsorgung, verbraucht werden.“, heißt es auf dieser Seite. Darin inbegriffen ist natürlich auch die gesamte Menge an CO2-Emissionen, die durch dieses Produkt – in welcher Form auch immer – verursacht werden. Leider erreichen diese Informationen den Verbraucher meist nur über Umwege oder aber gar nicht.

Früh am Morgen: Markttreiben auf dem Exerzierplatz

Dann versuche ich eben woanders mein Glück – auf dem Wochenmarkt auf dem Exerzierplatz. Um einen besseren Eindruck zu bekommen beschließe ich, erst einmal eine komplette Runde zu drehen. Es duftet nach den verschiedensten Waren – Blumen, Käse, Obst, Hönig, Gemüse, Fisch und Fleisch. Zwischen den reich gefüllten Ständen tummeln sich Menschen jeden Alters und aus allen Ecken der Stadt. Ein buntes Treiben am frühen Morgen. Fasziniert von der Warentiefe schlendere ich mit großen Augen über den Platz, zugegebenermaßen ich war seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem Wochenmarkt. Überall sind Schilder „Aus eigener Ernte“ oder „Bio“ zu finden, man kann zudem direkt nachfragen wie das jeweilige Produkt erzeugt wurde. Ein Luxus, den kein Supermarkt bieten kann. Vor allem in Sachen Bio-Lebensmitteln ist die Tiefe des Sortiments beeindruckend. Mehrere Bio-Bäckereien haben ihre Waren ausgebreitet und locken mit frisch gebackenen Köstlichkeiten und deren betörendem Duft. Doch ist es der Stand der Fleischerei Muhs, der meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zwar bin ich selbst vor Jahren vom Fleischessen abgekommen, doch freut es mich, dass hier, bei einen Bio-Fleisch Betrieb, ein solch hoher Andrang herrscht. Wenn schon Fleisch essen, dann wenigstens ohne Massentierhaltung und Viehtransporte durch halb Europa.

Das Bio-Siegel ziert viele Marktstände

Für mich geht es weiter Richtung Gemüsestände – immerhin muss ich meinen Einkauf noch nachholen – begeistert bleibe ich an einem Stand stehen. Wunderschöne Kartoffeln und Äpfel mitten in der Großstadt und doch wie aus Omas Garten. Kleine, große, runde, knubbelige Äpfel… nicht so einheitlich giftgrün und geschmacklos wie im Supermarkt. Genauso verhält es sich mit den Kartoffeln. Ich bin begeistert – und nur einen Euro das Kilo!? Davon nehme ich doch jeweils eines mit! Kurz vor Ende meines Einkaufsbummels kann ich nicht widerstehen und verweile an einem Imkerstand. Ich unterhalte mich nett mit der Imkerin und bitte um Auskunft über die verschiedenen Sorten. „Wenn Sie einen wirklich harten Honig wünschen, dann kann ich Ihnen diesen Kornblumenhonig empfehlen.“  Zwar bezahle ich für dieses Glas eindeutig mehr als im Supermarkt, doch der Preis von 4,90 Euro erscheint mir durchaus angemessen – gerade in einer Zeit, in der die Bienenvölker stark zurückgehen. Außerdem unterstütze ich so einen lokalen Imker. Zufrieden trage ich meine Beute nach Hause. 

Ergebnis des CO2-Rechners nach der Umstellung

Im Rahmen meiner Recherchen bestimme ich meinen eigenen CO2-Fußabdruck. Dazu existieren im Internet zahlreiche CO2-Rechner, zum Beispiel der des Online beim FORUM Umweltbildung. Innerhalb von zehn Minuten habe ich ein paar Angaben zu meiner  Lebensweise gemacht und bekomme mein Ergebnis:  6,1t CO2-Ausstoß pro Jahr – dies beinhaltet 3,1t, die ich direkt durch mein Verhalten verursache und weitere 3t für öffentliche Dienste. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 12,1t – der US-amerikanische bei 24,3t. Um meinen CO2-Fußabdruck weiter zu senken wird mir empfohlen weitgehend auf Bio-Produkte und saisonale Produkte umzusteigen. Desweiteren sollte die Heizung mit Fernwärme aus Biomasse versorgt werden, Warmwasser mit Solarenergie erzeugt werden, sowie Strom aus regenerativen Energiequellen stammt.
Leider stoßen diese Vorschläge zum Teil an meine persönlichen Grenzen. Ich als Studentin kann es mir nicht leisten ausschließlich  Bio-Produkte zu kaufen, so gerne ich es würde (zumindest solange diese nicht aus Übersee importiert wurden).
Auch steht es nicht in meiner Macht die Heizungsart und Warmwasseraufbereitung des Hauses, in dem ich lebe, zu ändern. Dazu wäre eine Einigung der Eigentümer nötig – und letztlich wäre es nur sinnvoll, wenn auch die Fassaden besser isoliert würden.

Genau hinschauen: Grüner Strom Label e.V.

Was ich allerdings sehr wohl beeinflussen kann, ist die Wahl meines Stromanbieters. Da Strom nun mal leider nicht einfach so aus der Steckdose kommt, will ich versuchen, mich von meinem jetzigen Stromanbieter zu trennen und auf erneuerbare Energien umzustellen. Auf der Internetseite des BUND werden verschiedene Ökostromanbieter empfohlen, welche ich mir einzeln vornehme um deren Preise mit meinem jetzigen Kosten zu vergleichen. Etwas erstaunt starre ich auf meinen Bildschirm – nicht ein Ökostromanbieter ist teurer als unser jetziger Stromtarif. Ich spare bares Geld, wobei natürlich der Beitrag zur Verringerung des CO2-Aussoßes bedeutender ist. Der Wechsel könnte einfacher nicht sein, abgesehen vom Ausfüllen des Vertrages muss ich nichts weiter machen, alle Formalitäten übernimmt naturstrom für mich.

Mein persönlicher CO2-Fußabdruck hat sich vor allem durch den Umstieg auf Ökostrom und den Bezug von lokalem Obst und Gemüse verringert – laut des CO2-Rechners um 0,6t auf 2,5t.
Ein wirkliches Ende meiner „Versuchsreihe“ wird es nicht geben, da ich für mich keine negativen Veränderungen in meinen Leben fest-stellen konnte – also mache ich weiter.

Wie wechselt man zu Ökostrom?

Zunächst sollte man seinen ungefähren Jahresverbrauch kennen um so die Stromanbieter vergleichen zu können. Damit lässt sich mit Hilfe des Online-Rechner des BUND ganz einfach erkennen, was man bei dem jeweiligen Anbieter bezahlen muss.
Hat man sich für einen der Ökostromanbieter entschieden ist es ganz einfach. Alles was man tun muss, ist sich anzumelden (Online oder per Post). Mehr nicht. Die Kündigung des alten Vertrages übernimmt der neue Anbieter.