Artgerechte und ökologische Schweinezucht
Sauwohl fühlt man sich bei Muhs
von Franziska Hoppe
Seit 20 Jahren führen Anne-Marie und Rainer Muhs nun schon den Biohof in Krummbek. Ihr Ziel: Eine artgerechte und ökologische Wirtschaftsweise. Hierbei haben sie sich auf die Zucht von Angler-Sattel-Schweinen spezialisiert. GeoZeit bietet einen Einblick in die Aufzucht und Haltung dieser freundlichen Vierbeiner.

- Neugierige Ferkel auf dem Biohof
Schon beim Abbiegen auf den Hof bekommt man eine frische Brise „Schwein“ in die Nase. Auf der linken Seite befindet sich das Wohnhaus der Familie. Direkt daneben liegen einige der offenen und luftigen Stallungen. Sie geben den Blick frei auf umher tobende und im Stroh wühlende Schweine. Dynamisch und mit energischem Schritt erscheint Rainer Muhs. Er und seine Frau Anne-Marie (beiden 46) führen den Hof nun schon in dritter Generation. Sie hat Ernährungswissenschaften studiert und er hat nach seiner Landwirtschaftslehre noch den Schlachtermeister erworben. Das waren gute Voraussetzungen, um nach der Übernahme 1992 den gesamten Betrieb auf ökologischen Landbau umzustellen. Außerdem wurde eine hofeigene Schlachterei eingerichtet. „Das war ein Prozess von einigen Jahren, denn zuerst mussten verschiedene Umbauten vorgenommen werden“, erklärt Rainer Muhs. Mit einem Blick auf die Stallungen fügt er hinzu: „Die ehemals geschlossenen Ställe wurden durch offene Gitter im Seitenbereich und Fenster im Dach erweitert, um den Tieren das Erleben natürlicher Witterungsverhältnisse zu ermöglichen." Darüber hinaus schließt sich an jeden Außenstall eine sogenannte „Höhle“ an. Ein abgetrennter Innenbereich der den Tieren als Rückzugsort dient und wo es angenehm warm, dunkel und ruhig ist. Außerdem steht den Schweinen eine wesentlich größere Grundfläche zur Verfügung als es in konventionellen Betrieben der Fall ist.
Tritt man an die Stallungen heran, kommen die Schweine neugierig auf einen zu, um dann doch quiekend zu verschwinden. Die Schweine werden je nach Alter und Größe in Gemeinschaftsverbänden gehalten. Dies ist wichtig für das Sozialverhalten der Tiere. "Im vorderen Bereich des Hofes liegen die Mastställe", erläutert Rainer Muhs.

- Anne-Marie und Rainer Muhs (Quelle: Familie Muhs)
Sie liegen direkt neben der hofeigenen Schlachterei. Durch diese unmittelbare Nähe werden den Tieren lange Transportwege und dadurch entstehender Stress erspart. „Ich möchte meine Tiere vom Anfang bis zum Ende begleiten. Das liegt mir sehr am Herzen,“ bekräftigt der Schweinezüchter. Eine Einstellung die in heutigen Schweinezucht keine Selbstverständlichkeit ist. Tiere werden häufig wie ein Produkt behandelt. Als Massenware werden sie in kürzester Zeit gemästet und dann geschlachtet. In vielen Fällen werden die Tiere schon nach fünf Monaten Turbomast in die Schlachtfabriken verfrachtet. Dazwischen liegen häufig lange Transportwege, nicht selten über hunderte von Kilometern, bevor die Tiere dann getötet, zersägt und abgepackt werden. Die erschreckende Bilanz: nur 0,5 Prozent des deutschen Schweinefleisches kommen aus der Biomast.
Um ein Schwein naturgetreu zu züchten, bedarf es entsprechender Nahrung. Die Vorgaben für das Futter im ökologischen Landbau sind genau festgelegt. Tiermehl oder gentechnisch veränderte Sojabohnen aus Übersee sowie Wachstumsbeschleuniger, die in konventionellen Betrieben häufig verwendet werden, sind strengstens verboten. Außerdem ist der Einsatz von Medikamenten stark limitiert. Bei den Muhs werden die Tiere mit hofeigenen Futtermitteln aufgezogen. „Getreide und Klee werden auf unseren Feldern gesät und mit dem Mist aus unseren Ställen gedüngt“, erklärt Rainer Muhs. Auf dem Hof wird das geerntete Getreide dann mit Wasser und einigen Mineralstoffen verrührt. Da die Tiere behutsam gemästet werden, wachsen sie langsam und natürlich auf. Viele Gründe, die erklären, warum der Hof zu einem Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau ernannt wurden. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat bundesweit mehr als 200 vorbildlich wirtschaftende Biohöfe ausgewählt. Diese führen regelmäßig Veranstaltungen für Besucher und Presse durch, um zu veranschaulichen, wie Ökolandbau in der Praxis funktioniert.

- Offen und luftig sind die Schweineställe
In den Ställen von Anne-Marie und Rainer Muhs tummeln sich Schweine mit verschiedensten Fellmustern. Von klassisch rosa, über orange bis hin zu fast ganz schwarz. Mal mit Flecken oder Punkten, mal mit dem sogenannten „Sattel“. Denn für seine Zucht setzt Rainer Muhs auf die von der Schlei stammenden Angler-Sattelschweine. Er berichtet, dass diese Rasse sehr robust, stressresistent und gutmütig ist. Nicht nur die hervorragende Fleischqualität wird geschätzt, auch die Eignung für naturnahe Haltungsformen macht sie besonders bei Biolandwirten beliebt.
Auf dem Hof der Muhs wird aber nicht ausschließlich mit dieser Rasse gezüchtet. „Das Fleisch der Angler-Sattelschweine ist sehr fett. Wir kreuzen unsere Zuchtsauen deswegen unter anderem mit dem belgischen Piétrain-Schwein, denn das Fleisch dieser Rassen ist wesentlich magerer“, erklärt Rainer Muhs. Ein Aspekt, der über die Qualität des Fleisches hinaus auch wichtig für die biologische Vielfalt ist. Im Gegensatz dazu wird in den konventionellen Betrieben fast ausschließlich mit drei Rassen gezüchtet. Aus diesem Grund sind viele der traditionellen Landrassen heute verschwunden. Die Vielfalt und wertvolles Genmaterial gehen somit verloren und gerade robuste und widerstandsfähige Rassen sterben aus.

- Eine Sau mit dem namensgebenden "Sattel"
Um die Stallungen der tragenden und säugenden Sauen zu erreichen, muss man einmal den Hof überqueren. Vorbei am Misthaufen und noch ein wenig geradeaus sind diese schnell erreicht. Dort angekommen wird man sogleich von den zwei hofeigenen Ziegen begrüßt. In alter Tradition laufen diese hier frei herum. „Laut einer alten Bauernweisheit ist das gut für das Karma auf dem Hof“, schmunzelt Rainer Muhs. Beim Eintreten in die Stallungen erklärt er dann, dass vor allem die hervorragenden Muttereigenschaften wichtig sind für die Zucht. So schildert Rainer Muhs, dass er in manchen Fällen Ferkel aus einem großen Wurf umsetzen konnte, um ihre Lebenschancen zu erhöhen. Eine andere Muttersau, die ungefähr zeitgleich geworfen hat, nimmt sich also der fremden Ferkel an und zieht sie mit ihren Eigenen groß. Von der Aufzucht bis zur Schlachtung passiert alles auf dem Hof der Muhs. „Der geschlossene Kreislauf ist für uns sehr wichtig“, unterstreicht Rainer Muhs. Dieses Engagement wurde 2001 auch vom Land Schleswig-Holstein ausgezeichnet mit dem Titel „Beispielhafter Betrieb für tiergerechte Haltung“.
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Hofschlachterei-Muhs: Biobetrieb
Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau







