Strom für helle Köpfe
von Rolf Hermann
Wo Licht ist, ist auch Wissen. Diese Weisheit trifft auf jedes Studierzimmer zu. Doch schwarz auf weiß kommt die Rechnung für das Licht der Schreibtische nur einmal im Jahr. GeoZeit schaut hinter die Haustüren von Kieler Studierzimmern und durchleuchtet das Thema Studentenstrom.

- Alte Glühbirnen fressen Strom und treiben die Stromrechnung in die Höhe. Energiesparbirnen entlasten die Stromrechnung und sind heute schon billig beim Discounter zu haben.
Der Kaffee ist kalt, die Augen sind müde, doch die Schreibtischlampe glüht. Wie die letzte Seite aus dem Drucker, schiebt sich auch die Sonne über den Horizont. Ende einer Nachtschicht in einem Kieler Studentenzimmer. Aber bei einer solchen Nachtarbeit kreisen nicht nur die Gedanken, sondern auch die Anzeige im Stromzähler; der dreht sich unerbittlich.
Strom ist im studentischen Leben nahezu allgegenwärtig. Die Quittung für PC, Fernseher und die elektrischen Helfer in der Küche kommt einmal im Jahr frei Haus. Die Nebenkostenabrechnung dokumentiert den Verbrauch für die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation. Die Achillesverse für so manches knappe studentische Budget. Aber wie hoch ist der studentische Stromverbrauch? Dass weiß Kristina Holländer, PR-Referentin bei den Stadtwerken in Kiel. „Ein Singlehaushalt verbraucht 800 bis 1200 Kilowattstunden im Jahr. Den Verbrauch einer Dreier- WG kann man durchschnittlich mit etwa 2400 Kilowattstunden veranschlagen.“ Wenn nur die Hälfte der mehr als 22.000 Kieler Studenten so wohnt, verbrauchen diese allein zu Hause deutlich mehr als die Beleuchtung des Eifelturmes in einem Jahr und der verfügt über Energiesparbirnen.
Die unangenehme Überraschung der jährlichen Stromabrechung ist ein Problem, was auch Svenja sehr gut kennt. Die 25 jährige Lehramtsstudentin lebt nahe des Schrevenparks in einem für Kiel klassischen Mietshaus. Die knapp 70 Quadratmeter unterm Dach teilt sie sich mit zwei Mitbewohnern. „Seit zwei Jahren wohne ich jetzt hier und jedes Mal wurde der Abschlag für die Nebenkosten erhöht“, berichtet die gebürtige Lübeckerin. Zehn Euro mehr als beim Einzug beträgt nun die monatliche Miete. Einen Energiegipfel in der WG hat es zwar gegeben, aber eingespart haben die drei dadurch nicht wirklich viel. Besonders die Kosten für die allgemeine Hausbeleuchtung schlagen sich nieder und daran können die drei auch nichts ändern. Innerhalb der vier Wände sind es vor allem ältere Elektrogeräte und ein Durchlauferhitzer, die für den Stromumsatz sorgen.
„Dieses Problem haben die meisten Studenten, denn neue Energiespargeräte sind teuer in der Anschaffung“, weiß Christina Holländer. „Oft gibt es aber auch stille Einsparpotentiale, wie der Drucker, der läuft obwohl er nicht gebraucht wird, oder ein Fernseher im Standby- Betrieb.“ Ein Tastendruck, der Strom sparen kann und den Geldbeutel entlastet. Außerdem werden Energiesparbirnen zunehmend günstiger und sind schon bei verschiedenen Discountern zu haben. „Eine Anschaffung, die sich wirklich lohnt und übers Jahr gesehen sogar Gewinn erzielt“, berichtet die Energieexpertin.
Auf der anderen Seite des Schrevenparks wird mit dem Thema Energie anders umgegangen. In der Altbauwohnung von Lars und Daniel wird genau darauf geachtet, wie viel Energie verbraucht wird und welche Stromfresser die Nebenkostenabrechnung in die Höhe treiben. In einer Tabelle wird der Verbrauch jeden Monat erfasst. „So sind wir gegen böse Überraschungen abgesichert und bei der letzten Nebenkostenabrechnung gab es auch was von den Stadtwerken zurück“, erklärt Lars. Ein wenig umstellen mussten sich die beiden dennoch, denn bei der letzten Wohnung zahlten sie eine Pauschalmiete, in der schon alle Nebenkosten bereits enthalten waren. „Der PC muss ja nicht den ganzen Tag laufen oder parallel der Fernseher“, meinen die beiden Politikstudenten. Neben dieser Philosophie investierten die beiden auch beim Einzug. Sie besorgten sich Energiesparbirnen und einen Kühlschrank mit hoher Energiesparklasse. Ein Konzept, welches aufgegangen ist. Bisher gingen 40 Euro Abschlag im Monat pauschal an die Stadtwerke. Durch den Sparkurs sind es nun nur noch 35 und die Zahlen aus dem ersten Quartal belegen einen weiter gesunkenen Verbrauch.
Neben Energie sparen, kann sich aber auch ein Anbieterwechsel auszahlen. Denn wer einen eigenen Stromzähler hat, kann sich auch aussuchen woher der Strom kommt. Ein Wechsel ist unkompliziert und zum Großteil online möglich. Schon ein Cent geringere Kosten pro Kilowattstunde spart der WG mit Durchschnittsverbrauch 24 Euro im Jahr. Auch Öko-Strom muss nicht teuer sein. Bei den Stadtwerken Kiel gibt es den „grünen Strom“ für 0,6 Cent mehr pro Kilowattstunde. 1,20 Euro mehr im Monat macht das bei der Modell-WG und schont die Umwelt. Wer aber denkt, dass seine Schreibtischlampe dann mit Strom von Windrädern in Schleswig-Holstein betrieben wird, der irrt sich. „Unser Strom kommt aus Norwegen und ist reine Wasserkraft“, erklärt Christiane Holländer. Der Grund: Deutscher Ökostrom wäre zu teuer und Windenergie zu unsicher, um eine konstante Leistung für das Stromnetz zu garantieren. Wichtig bei einem solchen Wechsel ist aber das TÜV- Siegel, denn dann kann man sich sicher sein, dass man auch wirklich Öko-Strom bezieht.
„Mehr Licht“, verlangte schon Goethe, doch in seinem Studierzimmer brannten nur Kerzen. Die jungen Aufklärer sollten sich also besinnen, denn ein überlegter Umgang mit dem Strom spart bares Geld und schont die Umwelt. „Manche leuchten, wenn man sie ließt“, dass ist richtig, aber es muss ja nicht immer was kosten.







