GeoZeit-Serie - Der Letzte macht das Licht aus
Teil 2
von Sebastian Starzynski
Steigende Energiepreise, wachsende Standards im Bauwesen und leere Kassen. Die CAU steckt in einer Sackgasse. Hat Sie den Mut sich ihren Problemen zu stellen und die richtigen Entscheidungen zu treffen?

- Flagge zeigen - Energie sparen
Die CAU verbraucht in einem Jahr soviel Energie wie eine Kleinstadt. Viele der 160 Gebäude sind über 50 Jahre alt. Sie liegen, was heutige bauliche Standards angeht, weit zurück. Um Geld zu sparen, stellt die CAU an Wochenenden und Feiertagen die Heizung ab. Viele Maßnahmen, die ergriffen wurden, um den Energieverbrauch zu senken, haben ihn lediglich weniger stark ansteigen lassen. Nach wie vor gibt es nur eine Richtung: nach oben.
Doch nicht nur der Energieverbrauch, auch die Preise für Energie steigen weiter. Das bedeutet, dass es kontinuierlich mehr kostet, den Status Quo an der CAU aufrechtzuerhalten. Aber gleichzeitig würden sich Energieeinsparmaßnahmen auch immer schneller amortisieren. Doch wie wird mit der Möglichkeit, Klimaschutz und Betriebsoptimierung mit einer Klappe zu schlagen umgegangen? Der zweite Teil der GeoZeit-Serie versucht über die Universität hinaus Antworten zu finden. Die Spurensuche führt zur Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH).
Die GMSH ist in mehrfacher Hinsicht eine Schnittstelle. Einmal zwischen dem Land und seinen öffentlichen Liegenschaften und weiterhin zwischen den öffentlichen Liegenschaften und der Privatwirtschaft. Als Anstalt des öffentlichen Rechts ist sie Bauherr des Landes und kümmert sich um die drei großen „B“: Bauen, Beschaffen, Bewirtschaften. In dem Spannungsfeld aus Klimaschutz und Betriebsoptimierung orientiert sich die GMSH an den politischen Vorgaben der Landesregierung. Denn auch das Land Schleswig-Holstein will seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Die Zielsetzungen kommen direkt von der Bundesregierung. Mit den neuen Klimaschutzgesetzen wurde auch die bereits bestehende Energieeinsparverordnung (EnEV) im Bauwesen noch verschärft. Alle Neubauten müssen nun diesen neuen Standards entsprechen und Altbauten müssen bei umfangreichen Sanierungsarbeiten angepasst werden. Hans Braumann, Fachbereichsleiter für zentrale Bauherrenaufgaben der GMSH schätzt die Kosten für die Anpassung der CAU und des Uni-Klinikums auf „400 bis 500 Millionen Euro“.
Pro Jahr stehen der CAU über das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium jedoch nur 25 Millionen Euro für Baumaßnahmen und Bauunterhaltung zur Verfügung. „Und da steht man vor der Kernfrage“, so Braumann, investiert man in „Sanierung“ oder in „Neubauten für Lehre und Forschung?“
Das Land hat sich für Neubauten entschieden. Ergebnisse dieses „Spagats“ (Braumann) sind unter anderem das Zentrum für Molekulare Biowissenschaften, sowie die Physikalische und Anorganische Chemie und die Pharmazie. Doch die Neubauten haben trotz EnEV „einen wesentlich höheren Energieverbrauch, als unsere alten, die wir hatten“ erklärt Bernd Renken, Leiter des Technischen Bau- und Gebäudemanagements an der CAU. Das liegt auch an den wachsenden Nutzeranforderungen für Klimaanlagen, Lüftungssysteme und Laboreinrichtungen.
Größtes Hemmnis, um Maßnahmen zur Energieeinsparung umzusetzen, ist die Finanzlage des Landes. Neuverschuldung soll vermieden werden und der Schleswig-Holsteinische Haushaltsplan ist noch weit davon entfernt, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt zu werden. Dennoch gibt es eine Möglichkeit aktiv zu werden. Das neue Modewort lautet „Contracting.“
„Die Stadt oder das Land braucht selbst kein Geld in die Hand nehmen“, erklärt Arnold Drewer, Chef der Firma InnoDämm die Vorteile des Contracting. Sein Unternehmen hat sich auf energetische Sanierung spezialisiert und bietet finanzschwachen Kunden eine besondere Zahlungsmethode an. „Über die errechnete Energieeinsparung bezahlt man, wie bei einer Bank, den Kredit zurück“, so Drewer, „und daraus ergibt sich die vertraglich festgelegte Laufzeit des Contractings.“
Contracting ist nicht neu oder unbekannt. Doch sowohl an der CAU als auch an der GMSH fürchtet man unsichere Verträge, eingeschränkte Nutzerbedingungen und damit einen Verlust der Eigenverantwortung. „Das ist ein Geschäft auf die Zukunft“, argumentiert Petra Smolny, Leiterin der Abteilung Energiemanagement an der GMSH und Hans Braumann gibt zu bedenken, dass durch den Contracter Betriebszeiten vorgeschrieben werden könnten, "dann sind Sie fremdbestimmt."
Hinzu kommt, dass die GMSH Einsparungen, wie sie eine Wärmedämmung erbringt, als nicht wirtschaftlich genug ansieht, um solche Baumaßnahmen in Auftrag zu geben. Dabei spielt die Langlebigkeit des Standorts CAU auch für längerfristige Rückzahlungsverträge keine Rolle. Frau Smolny erklärt, dass die Preise für Energie erst noch weiter steigen müssten: „Eine Wärmedämmung rechnet sich noch nicht aus der Energieeinsparung allein“.
„Eigentlich rechnet sich eine Dämmung immer“, meint hingegen Arnold Drewer, „selbst die teuerste Form rechnet sich in spätestens 15 Jahren.“ Für GeoZeit kalkuliert Drewer die Kosten und die Einsparung, wenn man das Hauptgebäude des Geographischen Instituts an der Wand und im Dach dämmen würde. „Durch unser Verfahren könnte das Geographische Institut 12.000 Euro Heizkosten jährlich einsparen. Ein Contractingvertrag“, so Drewer weiter, „würde fünf Jahre laufen und allein über die Einsparung abbezahlt werden. Hinzu kommt eine Kohlendioxidreduktion von 33 Tonnen pro Jahr.“
Trotz aller Möglichkeiten, sieht Hans Braumann das wahre Regulativ zur Einflussnahme auf den Energieverbrauch an anderer Stelle: „Die Nutzer sind das entscheidende Kriterium“. Sein Vorschlag: Die Nutzer sollten eine „Initiative zur Verbesserung des Nutzerverhaltens und des Umgangs mit der Liegenschaft“ gründen. Denn immerhin, so schätzt man bei der GMSH, könnten sie bis zu 15 Prozent des Energieverbrauchs beeinflussen.
In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Klimaschutz immer höher auf der Agenda wandern, nehmen bereits ganze Städte auf unterschiedliche Art und Weise ihre Vorbildfunktion wahr und setzen dabei Maßstäbe. Die Stadt Köln lässt alle öffentlichen Schulen energetisch sanieren, in Nürnberg wurde im öffentlichen Bereich komplett auf Ökostrom umgestellt und in Marburg gilt ab Oktober 2008 für alle Dächer der Stadt eine Pflicht für Solaranlagen.
Doch an der CAU in Kiel scheinen Klimaschutz in Lehre & Forschung und Betriebsführung noch in einem widersprüchlichen Verhältnis zu stehen. Da sind auf der einen Seite millionenschwere Exzellenzcluster, wie „Ozean der Zukunft“, die betonen, wie wichtig ein erweitertes Verständnis für die Umwelt ist, und auf der anderen Seite bezieht die CAU ihren Strom zum Großteil immer noch aus Kohle.
Da ist das Landeshochschulgesetz schon einen Schritt weiter und hat in Artikel 3, Absatz 9 festgelegt: „Die Hochschulen fördern den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und beachten die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung.“ Diese Grundsätze sehen vor, dass der heutige Umgang mit natürlichen Ressourcen nicht die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einschränken darf.
Die CAU steckt also an mehreren Stellen in einer Sackgasse und muss nun handeln. Sie sollte sich dafür einsetzen, dass verstärkt alternative Konzepte zur energetischen Sanierung auf ihre Machbarkeit geprüft und durchgeführt werden. Und sie sollte die Nutzer stärker in die Pflicht nehmen.
Dafür benötigt man zu aller erst Öffentlichkeit und Transparenz. Nur so können gemeinsam mit Studierenden und Angestellten Lösungsstrategien entwickelt werden, um den Standort CAU nachhaltiger zu bewirtschaften.
Das erfordert viel Mut. Es wird sich zeigen, ob die CAU diesen Mut aufbringen will.










