Ehrenamt neben dem Studium
Von Kindern und Füchsen
von Birke Ewig
"Wenn mir etwas wichtig ist, nehme ich mir auch die Zeit." Katharina Dittschar findet, dass Studium, Job und soziales Engagement gut unter einen Hut zu bringen sind. Die 27-Jährige arbeitet im Bereich Medienpädagogik und engagiert sich ehrenamtlich für das Kinderfilmprojekt Kinolino in der Kieler Kunsthalle.

- Kinder aktiv beteiligen. Zum Beispiel mit Malen
Zwei Nachzügler im Grundschulalter hopsen noch schnell durch die Eingangstür und lassen sich auf die letzten freien Stühle fallen. Sie schälen sich aus ihren grünen Winterjacken. Die geringelten Bommelmützen fliegen in die Ecke. Langsam wird das Licht herunter gedimmt. Vereinzelt wird noch geflüstert und gekichert, dann ist es mucksmäuschenstill im Raum. Die Kinder gucken gebannt auf die Leinwand. "Jetzt geht es endlich los", sagt Katharina Dittschar leise und guckt zufrieden auf "ihre Schäfchen". Der Film beginnt.
Einen Sonntag im Monat öffnet die Kunsthalle zu Kiel ihre Pforten für das kulturelle Kinderkino Kinolino. Dort werden ausgesuchte Filme für Kinder ab sechs Jahren gezeigt und im Anschluss thematisch passende Aktionen angeboten. Veranstaltet wird das Kinolino saisonal vom Kieler Kinderkulturbüro e.V.. Ziel dieses gemeinnützigen Vereins ist es Kinder für Kunst und Kultur zu begeistern. Das Kieler Kinderkulturbüro e.V. wird zwar vom Land Schleswig Holstein gefördert, ist aber auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Nur durch viele freiwillige Helfer ist es möglich, die beliebtesten Kinderfilme kostengünstig vorführen zu können. Eine von den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen ist Katharina Dittschar.

- Zuschauer im Kinolino. Gleich geht der Film los
Die 27-jährige Pädagogin arbeitet im Bereich Medienpädagogik und ist seit Oktober 2008 an dem Projekt Kinolino beteiligt. Dort ist sie auch Mitgestalterin des im Anschluss statt findenden interaktiven Rahmenprogramms. „Wir überlegen uns zu jedem Film passende Kulissen und Aktionen. Die Kinder haben so die Möglichkeit, tief in das Thema einzutauchen und lernen spielerisch ihre Umwelt kennen.“ Zu dem Film „Der Fuchs und das Mädchen“ organisierte Katharina einen ausgestopften Fuchs aus dem Naturkundemuseum. Dann lies sie die Kinder, angelehnt an eine Winterszene im Film, unterschiedliche Tierspuren auf weiße Plakate malen.
Aufmerksam wurde Katharina auf das Kieler Kinderkulturbüro e.V. durch eine Ausstellung für Kinder im Schifffahrtsmuseum in Kiel. Sie bat um Informationen und man kam schnell ins Gespräch. Am Ende bot man ihr die Mitarbeit als Filmmoderatorin an. Anfangs wollte Katharina nur übergangsweise beim Kinolino reinschnuppern, aber schnell entwickelte sich mehr daraus. Das Konzept gefiel ihr und je mehr sie sich engagierte, desto mehr Spaß hatte sie an der Arbeit.
„Das wichtigste ist, dass die Kinder den Film wirklich verstehen“, sagt Katharina. „Wir vergeben für jeden Film eine eigene Alterskennzeichnung, an der sich Eltern noch mal zusätzlich zur gesetzlichen orientieren können. Wir wollen, dass alle Kinder etwas davon haben und die Eltern zufrieden sind“. Man kann ihr ansehen, dass die Arbeit ihr viel Freude macht. „Die glücklichen Gesichter der Kinder, das Lob der Eltern, die tolle Zusammenarbeit mit den Kollegen. Dafür lohnen sich der große Aufwand und die Mühe“. Heute möchte Katharina die Arbeit im Kieler Kinderkulturbüro e.V. nicht mehr missen. „Das Kinolino ist ein großer und wichtiger Bestandteil meiner Arbeit geworden.“
Das Interesse für Kunst und soziales Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch Katharinas Leben und schnell wird klar, woher sie diese Leidenschaft hat. Der Gedanke etwas Gemeinnütziges zu tun, war in ihrer Familie schon immer stark verwurzelt. „Mit wenig Geld und durch viel Unterstützung anderer etwas auf die Beine zu stellen, hat uns schon immer angetrieben.“

- Die Kinder bemalen weiße Plakate mit Tierspuren
Die Liebe zur Kunst wurde schon sehr früh durch ihre Mutter geweckt. „Meine Mutter war eine begeisterte Museumsgängerin“. Und sie selbst? „Sie hat mich regelmäßig zu Ausstellungen in ganz Europa mitgenommen und ihre Faszination für die Kunst hat mich schnell angesteckt“, erinnert sich Katharina. „Ich fühle mich in Museen immer sehr wohl. Eine schöne Atmosphäre“, fährt sie lächelnd fort. „Durch große, helle Räume streifen, spannende Dinge für sich entdecken. Ich mag das Gefühl, dass jemand für andere etwas vorbereitet und gezielt in Szene gesetzt hat.“ Wieder spürt man diese tiefe Verbundenheit zum Kreativen. Dieses Gefühl möchte sie mit anderen teilen.
Für ein Studium an der Christian-Albrechts-Universität verließ sie ihre Heimat Hessen und ging nach Kiel. Sie studierte nicht nur Pädagogik, sondern belegte auch die Fächer Kunstgeschichte und Psychologie. Schon bald entdeckte sie ihr Interesse für die Museumspädagogik. Ihr erstes Praktikum machte sie bei der Kieler Stadtgalerie und fand dort auch den Einstieg zur Kinderkulturszene. Schnell bemerkte Katharina, dass die Arbeit mit den Kindern genau der Bereich war, in dem sie später arbeiten wollte. „Das passte natürlich sehr gut und hat mich auch noch mal darin bestärkt, mich beim Kinder Kulturbüro zu engagieren.“
Sie wollte sich aber nicht nur ehrenamtlich engagieren, sondern auch etwas lernen. „Mich hat interessiert, wie Konzepte für Kinderausstellungen entwickelt werden. Außerdem wollte ich Kontakte knüpfen und mich mit den anderen austauschen.“ Katharina erhofft sich dadurch mehr über andere Projekte zu erfahren und dadurch auch beruflich weiter zu kommen. „Klar, denke ich auch an meine berufliche Zukunft“, sagt sie und lacht. Wie wertvoll solche Kontakte für die spätere Arbeitssuche sind, ist ihr durchaus bewusst. „Man braucht viel Glück, um im Kulturpädagogischen Bereich einen guten Job zu finden.“
Aber Katharinas Engagement brachte nicht nur berufliche Vorteile, sondern hat sie auch persönlich weiter gebracht. „Ich habe viel über Teamarbeit gelernt. Ohne eine gute Teamarbeit ist die Realisierung von Projekten nicht möglich. Mit den richtigen Leuten, kann man alles schaffen. Auch mit wenig Geld.“ Wieder merkt man, wie wichtig es für sie ist, auch ohne viel Geld etwas zu erreichen. Das gefällt ihr am besten am Kinolino. „Wir arbeiten hier alle ehrenamtlich. Das schafft eine große Verlässlichkeit, da alle ein großes Eigeninteresse an einem reibungslosen Ablauf haben.“

- Katharina (links). Passende Aktionen zu jedem Film
Katharina ist sich sicher, dass bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit mehr Engagement bei den Leuten vorhanden ist. „Wir arbeiten hier sehr konstruktiv. Alle sind einhundertprozentig dabei. Achten auf alles und jeden und fühlen sich mit verantwortlich. Ein wunderbares Arbeitsklima.“ Es bleibt aber auch Raum für Freiheit. Ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen, kann jeder auch mal weniger Zeit investieren oder auch einzelne Veranstaltungen ausfallen lassen. „Wenn man mitten im Studium steckt oder in der Zeit vor den Klausuren, kann man nicht immer gleich viel Zeit für die Projektarbeit aufwenden.“ Trotzdem findet Katharina, dass alles gut unter einen Hut zu bringen ist. Studium, Job und Ehrenamt. „Wenn mir etwas wichtig ist, nehme ich mir auch die Zeit.“ Für Katharina ist ihr Engagement im Kinolino weder mit Stress noch mit Hektik verbunden. „Mir bringt das einen inneren Ausgleich. Wenn das Programm allen gefallen hat, ist das schon ein Erfolgserlebnis.“
Darüber, dass sich nicht alle jungen Leute engagieren, wundert sich Katharina allerdings nicht. „Bei uns in der Pädagogik steckt der Hang zum sozialen Engagement schon sehr tief drinnen. Das ist schon ein Schwerpunkt im Studium.“ Dass soziales Engagement aber auch für „Nicht-Pädagogikstudenten“ nur Vorteile bringt, davon ist Katharina überzeugt. Als im Kinosaal der Abspann läuft und langsam wieder das Licht angeht, wird es sofort laut. Wie auf Kommando springen die Kinder von ihren Stühlen auf und laufen wild durcheinander. Katharina lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und kramt nach Plakaten und Stiften. Es beginnt das Anschlussprogramm und in den nächsten Stunden wird eifrig gemalt und gebastelt.
Nachdem nachmittags in der Kunsthalle alles aufgeräumt ist, fährt Katharina nach Hause. Sie hat noch Arbeit auf dem Schreibtisch liegen. Vom Deutsch-Ghanaischen-Entwicklungsverein. Dort ist sie seit einiger Zeit Mitglied und hat auch schon über den Verein in Ghana in einem Krankenhaus zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen gearbeitet. Natürlich ehrenamtlich.







