Ernährunsberatung für Studenten

von Martin Weier

Ernähre ich mich gesund? Eine Frage, die auch der studentische Speiseplan aufwirft. Currywurst, Pommes, Tiefkühlpizza, Mirakoli sind die schnellen Alternativen zum selber Kochen. Ein Besuch bei zwei Ernährungsberaterinnen soll zeigen, wie gesund die Ernährung der angehenden Akademiker in Kiel ist.
Bestseller in der Mensa: die Currywurst
Mensabestseller: Currywurst mit Pommes zum kleinen Preis

Ernährungsberatung gibt es noch gar nicht so lange. Erst nach den Weltkriegen erkannten Mediziner den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Ernährung. Renate Schierholz, Ernährungs- und Gesundheitsberaterin aus Laboe erzählt. „Es gibt viele Wege zur Ernährungsberatung zu kommen. Oftmals müssen die Leute von Ärzten darauf gestoßen werden, dass etwas mit der Ernährung nicht stimmt.“ Die meisten Patienten kommen aber freiwillig zu Renate Schierholz, denn sie sind daran interessiert etwas an ihrer Ernährung zu verändern. Die Beratung beginnt mit einer Schocktherapie. Mit Würfelzucker wird gezeigt, wo sich die Dickmacher in der Nahrung verstecken. Alleine in einer Dose Cola sind 14 Stücke Zucker enthalten. Aber auch versteckte Fette werden den Klienten in der Beratung gezeigt. „Oftmals reicht das, um den Leuten die Augen zu öffnen, ob und wie ungesund sie sich ernähren“, erläutert Schierholz.

Der Klient muss verstehen, wie Ernährung funktioniert. Er muss lernen, was Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße sind und wie sie sich auf die Gesundheit auswirken. „Fragen, mit denen sich die wenigsten Menschen beschäftigen“, erklärt die Ernährungsberaterin aus Laboe. Viele Menschen würden nur noch essen, ohne darüber nachzudenken. Genau dieser Punkt ist es, wo die Ernährungsberatung ansetzt. „Es geht darum bei den Klienten ein Bewusstsein für ihre Ernährung zu entwickeln, reine Verbote helfen dabei gar nicht“, meint Renate Schierholz. Wichtig sei es den Unterschied zwischen „Essen“ und „Ernähren“ klarzumachen.

Ein Unterschied, der besonders Studenten nicht immer bewusst ist. Ökotrophologin Birgit Mönch wacht im Auftrag des Studentenwerkes über die Ernährung der Studenten auf dem Campus und berichtet: "Meine Erfahrung zeigt: Studenten interessieren sich für gesunde Ernährung. Aber die praktische Umsetzung macht Probleme. Ein unregelmäßiger Tagesablauf, schnelle Mahlzeiten zwischen den Kursen, fehlendes Wissen über Lebensmittel und ihre Zubereitung, Prüfungsstress – gesund Essen ist nicht immer einfach“.

Neben vielen anderen Beratungsangeboten: Wegweiser zur Ernährungsberatung
Neben vielen anderen Beratungsangeboten: Wegweiser zur Ernährungsberatung

Deswegen bietet das Studentenwerk Schleswig- Holstein in Kiel eine Ernährungsberatung speziell für Studenten an. Dafür steht Birgit Mönch in der Kieler Mensa 2 den Studenten jeden Werktag von acht bis elf Uhr zur Verfügung. Die Beratung ist kostenlos und ausschließlich für Studierende in Kiel. „Ich biete hier eine Art Grundberatung zu ernährungsrelevanten Themen. Das kann eine allgemeine Beratung sein, aber auch speziellere Fragen zum Beispiel bei individuellen Lebensmittelunverträglichkeiten sind bei mir gut aufgehoben“, beschreibt Birgit Mönch ihre Tätigkeit. Eine Beratung umfasst meist zwei bis drei Termine, dauerhafte und regelmäßige Betreuung ist nicht möglich und in den meisten Fällen auch gar nicht notwendig.

Wer ausführliche Ernährungskurse besuchen möchte, der muss sich auf dem freien Markt nach der passenden Beratung umsehen. Die Beratung des Studentenwerks wird über die studentischen Semesterbeiträge finanziert und soll dazu dienen, eine Grundlagenberatung sicherzustellen. „Man könnte das als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen. Es kann ein Anstoß gegeben werden ein Problem zu erkennen. Wichtig ist dabei aber die Selbsterkenntnis, der Klient muss selbst verstehen und aktiv etwas ändern wollen.“

Die Ernährzungspyramide hilft bei gesunder Ernährung
Die Ernährzungspyramide hilft bei gesunder Ernährung

Hier sind sich die beiden Ernährungsberaterinnen einig: Verbote bringen nichts. Man kann beraten, dass etwas ungesund ist, die Umsetzung obliegt allein den Klienten. „Ich kann ja nicht Abends am Fernseher neben dem Klienten sitzen und ihm die Schokolade wegnehmen“, schmunzelt Mönch. Aber auch die Mensa ist nicht generell Teil einer ungesunden Ernährung. Wichtig ist nur, was man aus dem Angebot auswählt. Allerdings wird einem die Entscheidung oftmals nicht leicht gemacht. Schließlich kostet die beliebte „Mantaplatte“ gerade mal zehn Cent mehr als ein belegtes Vollkornbrötchen und ein Kaffee.

„Ich will niemandem seine Pommes verbieten“, so Mönch. Wichtig ist, dass die Kenntnisse vorhanden sind, gut informiert eine Entscheidung zu treffen. „Die Mensa bietet zum Beispiel jeden Tag eine vegetarische Alternative, oder es gibt ja immer noch die Salatbar.“ Letztlich hätten die Studenten es selbst in der Hand, was auf ihrem Teller landet, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot in den Mensen.