Café Resonanz

Essen und Trinken mit Genuss 

von Alina Cornelissen

Der Alltag in Städten ist durch Hektik und Zeitmangel gekennzeichnet. Zwischen zwei Terminen entscheidet man sich schon mal für den „Coffee to go“ und ein Sandwich auf die Hand. Oft ist es wichtiger, dass es schnell geht und nicht viel Arbeit macht. Im Café Resonanz ist das anders. Hier beruft man sich auf alte Werte und Geschmäcker.
Ein Blick auf das Café "Resonanz"
Ein Blick auf das Café "Resonanz"

Es ist sechs Uhr morgens. Die Luft ist feucht und kalt. Es ist noch dunkel an diesem Novembermorgen in Kiel aber Ibrahim Hamada träumt nicht mehr. Er schließt die Tür zu seinem kleinen Café auf und hinter sich wieder zu. Ibrahim und seine Frau Maaiken Fonck haben ihren Traum eines eigenen Cafés zur Realität gemacht. In drei Stunden öffnet das „Resonanz“, das vor sechs Monaten in der Nähe des Dreiecksplatzes  Eröffnung feierte. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Maaiken und Ibrahim legen besonderen Wert auf gesundes Essen und Trinken. Der ursprüngliche und reine Geschmack von Lebensmitteln steht bei ihnen im Vordergrund. Deswegen bereitet das junge Ehepaar auch alles selbst zu. Ihre traditionellen Methoden bedeuten aber einiges an Arbeit, die erledigt sein will, wenn die ersten Kunden im Laden stehen. Also wird schon zu früher Stunde gebacken und gekocht was das Zeug hält. Das Getreide für Brot und Kuchen hat Ibrahim schon vor einigen Tagen gekeimt und in Wasser stehen lassen, wie es ihm seine Großmutter gezeigt hat. Nun also noch Butter, Zucker, ein wenig Zitronenschale... Ibrahim vertieft sich in seine Arbeit und ein angenehmer Duft nach süßem Gebäck und verschiedenen Gewürzen erfüllt den Raum.

Vor zwei Jahren hatten die beiden die Idee ein Café zu eröffnen. Schon damals hatten sie die Schränke in ihrer Küche voller Kräuter. „Wir waren verrückt nach Kräutern und Tee“, berichtet Ibrahim und lacht. Er selbst hat  mit seiner Mutter noch Kräuter im Wald gesammelt. Auch Maaiken interessiert sich schon lange für Tee und liest oft Rezepte traditioneller Zubereitungen. „Heute haben die Menschen vergessen, wie richtig guter Tee schmeckt“, bedauert Ibrahim. Viele kennen tatsächlich  nur noch bunt gemischte Sorten aus dem Supermarkt mit Geschmacksverstärkern und Süßungsmitteln. Ibrahim und Maaiken wollten das ändern, indem sie richtig guten Tee zubereiten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Idee ein Café zu eröffnen war somit geboren. Sie begannen schließlich - neben zahllosen Kräutern - auch Tassen, Kannen und sonstiges Zubehör für Teezeremonien aus aller Welt zu sammeln.

Eine kleine Auswahl der angebotenen Produkte
Eine kleine Auswahl der angebotenen Produkte

Um neun Uhr schließt Ibrahim die Tür des Cafés auf. Der erste Kunde lässt nicht lang auf sich warten. Aus der eisigen Kälte des Kieler Wintermorgens tritt er in das mollig warme, von leiser Musik erfüllte Kaffee und stellt sich an den Tresen. Nun hat er die Qual der Wahl: Zwischen verschiedensten Tee- und Kaffeesorten, Frühstücken aus verschiedenen Ländern und selbstgebackenen Kuchen und Broten fällt eine Entscheidung gar nicht so leicht.

Die Rezepte sammelt das Paar schon seit Jahren. Sie stammen aus der eigenen Heimat, von Freunden und Bekannten oder wurden  angelesen. Da kommt schon einiges zusammen, was auf der handgeschriebenen Karte in Form eines kleinen Büchleins oder an den Wandtafeln studiert werden kann.

Ein Blick in das Café "Resonanz"
Ein Blick in das Café "Resonanz"

Im „Resonanz“ wird großer Wert auf Details gelegt. Wenn man den Blick durch den kleinen Raum schweifen lässt, entdeckt man viele besondere Einzelheiten. Fast die gesamte Einrichtung haben die beiden selbst gestaltet. Die weißen Holztische, den Tresen mit einem bunten Mosaik aus Schubladen, die Lampen aus alten Tee-  und Milchkannen, der Wandschrank hinter dem sich die Toiletten verbergen... Das hat viel Zeit und Arbeit gekostet. Drei Monate und 23 Tage hat das Paar fast durchgehend gearbeitet, bis die Einrichtung stand. Fünfzehn Stunden, teilweise sogar achtzehn Stunden am Tag wurde gesägt, gebohrt, gehämmert und gemalt. Einige Nächte haben die beiden sogar auf dem Boden des Kaffees geschlafen, da es sich nicht lohnte, überhaupt noch nach Hause zu fahren. Herausgekommen ist dabei ein Café voller kleiner  Kunstwerke. Und hiervon werden wohl in Zukunft noch einige dazu kommen, denn „fertig ist das Café noch lange nicht“, betont Ibrahim. „Und das ist auch gut so. Denn so lange etwas nicht fertig ist, wird es auch nicht langweilig“.

Es ist jetzt bereits Mittag und der Laden brummt. Neben den normalen Angeboten eines Cafés gibt es im „Resonanz“ auch einen Mittagstisch. Dieses Angebot wird von einigen Gästen gern genutzt, sodass es nach deftigem Gemüseeintopf riecht. 

Sammlung von Kräutern und Tees in ihrer reinen Form
Sammlung von Kräutern und Tees in ihrer reinen Form

Beim Bezahlen spricht ein Kunde ein großes Lob für Kaffee und Kuchen aus. „Das kommt schon öfter vor“, freut sich Ibrahim. „Die Leute merken, dass die Produkte hier anders schmecken, sie wissen aber nicht warum“. Ibrahim und Maaiken achten darauf, was und wo sie einkaufen. Gesundheit, Geschmack, Tradition und Zeit stehen für sie im Vordergrund. Ihre Kräuter stammen vom „Kräuter Pflug“, einem Fachgeschäft für Heilkräuter in Kiel, das Getreide ist biologisch und auch die Milch stammt vom Biobauern. Die Zubereitung ist dementsprechend sorgsam. Wenn genug Zeit ist rösten sie sogar den Kaffee selbst. Die Rezepte sind oft sehr alt und aufwendig. Zusätzlich sind viele Angebote vegan und ohne Gluten. Ein Biosiegel oder ein anderer Verweis auf diese Tatsachen ist aber nicht zu entdecken. „Wieso sollte man das extra kennzeichnen“, fragt Ibrahim, „die Leute schmecken es ja“. 

Die Geschäftsphilosophie der Beiden findet offensichtlich Anklang bei der Kieler Bevölkerung. An Wochenenden bekommt man ohne Reservierung kaum noch einen Platz. Während der Woche hat man da schon eher Glück. Der Laden läuft. Deswegen wurden mittlerweile auch schon sechs Aushilfen eingestellt. Die Auswahl wird hierbei sehr bedacht getroffen. Schließlich soll jeder, der im „Resonanz“ arbeitet, die Philosophie vertreten und den multikulturellen Flair unterstützen. Die Crew des Cafés besteht aus einer bunten Mischung von Nationen. Vertreten sind bisher Japan, Palästina, Niederlande, Deutschland, Iran und die Philippinen. Die Besitzer selbst kommen aus Belgien und Syrien. Beide sind wegen ihres Studiums nach Deutschland gekommen. Maaiken, vor etwa vier Jahren, um ihr Diplom in Geologie zu machen. Ihr Vordiplom hat sie noch in Gent gemacht, wo es aber für Geologen nicht sehr viele Möglichkeiten gibt. Ibrahim kam vor etwa fünf Jahren. Er hat sein in Damaskus begonnenes Jurastudium  abgebrochen, um hier Musik und Kunst zu studieren. So konnte schließlich mitten in Kiel dieser Ort der Begegnung entstehen. Dank der Aushilfen können Ibrahim und Maaiken jetzt auch mal wieder einen Tag Pause einlegen, etwas später kommen oder früher gehen. „Obwohl wir unser Café nicht gern alleine lassen, ist das doch eine enorme Erleichterung“, berichtet Ibrahim.

Maaiken und Ibrahim gehen in der Zubereitung der Bestellungen auf
Maaiken und Ibrahim gehen in der Zubereitung der Bestellungen auf

So gegen neunzehn Uhr kommt Maaiken ins Café. Sie hat den ganzen Tag an ihrer Diplomarbeit geschrieben. Trotzdem will sie es sich nicht nehmen lassen am Abend selber noch mit anzupacken. Schließlich ist es auch ihr Wunsch den reinen Geschmack von Kräutern, Kaffee und Essen möglichst vielen Menschen näher zu bringen. Hieraus entstand auch der Name: „Resonanz“, aus der Musik abgeleitet, soll die Verbindung zwischen Magen und Gehirn darstellen, und das, was dabei herauskommt. Oder anders gesagt: „Gutes Essen macht glücklich“.

Um zwölf Uhr nachts schließt Maaiken die Tür hinter den letzten Gästen ab. Jetzt müssen nur noch aufgeräumt und ein paar Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen werden. Zwei Stunden später können dann auch Maaiken und Ibrahim nach Hause gehen. Müde, aber sehr zufrieden fallen sie schließlich in ihr Bett, wo sich Realität und Traum wieder vermischen.