Wohnraum in Kiel

Ein knappes Gut

von Annika Hein

Erstmals in ihrer Geschichte hat die CAU die Rekordmarke von 24.000 Studie­renden überschritten. Die hohe Zahl von Erstsemestern macht sich auf dem Kieler Wohnungsmarkt bemerkbar. In Uninähe ist es schwierig eine Wohnung zu finden. Schlechte Zeiten für WG-Gründer oder Wohnungssuchende.
Kreativität bei der Wohnungssuche ist gefragt
Kreativität bei der Wohnungssuche ist gefragt

„Ihr wollt eine WG gründen? Dass könnt ihr vergessen.“ So oder ähnlich klingen die Absagen, die Max am Telefon bei der Wohnungssuche erhält. Der 25jährige Biologie-Student möchte mit zwei Freunden eine WG gründen und ist auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung. „Pärchen werden eindeutig bevorzugt“, stellt er resigniert fest. „Gerade bei Drei-Zimmer-Wohnungen scheint es für Makler unvorstellbar zu sein, dass dort drei Menschen einziehen möchten.“ Die drei Studenten haben vor etwa anderthalb Monaten mit der Wohnungssuche begonnen. Während sie anfänglich eher in den Stadtteilen nahe der Universität gesucht haben, so suchen sie mittlerweile auch nach Wohnungen am Kieler Ostufer. Besondere Ansprüche an die Wohnung haben sie nicht, wichtig sind ihnen nur ein Balkon und eine große Küche für gemeinsame WG-Abende. Dennoch gestaltet sich die Suche nach einer Wohnung schwieriger, als sie zunächst angenommen haben.
Ähnlich wie Max ist es in den letzten Monaten vielen Wohnungssuchenden in Kiel gegangen. Bereits im September letzten Jahres war absehbar, dass sich die Wohnraumsituation in Kiel mit dem Start des Wintersemesters verschlechtern würde. Grund sind die doppelten Abiturjahrgänge und der Wegfall der Wehrpflicht im letzten Jahr.

Abbildung Max
Max zu Beginn seiner Wohnungssuche

Die Folge: über 5000 Studierende haben im Wintersemester 2011/2012 ein Studium an der CAU aufgenommen. Auch wenn der Andrang nicht ganz so stark war wie befürchtet, so hat die CAU zum Wintersemester rund sieben Prozent mehr Studierende als im Vorjahr aufgenommen. Bei einer Leerstandsquote von nur 3,7 Prozent ist freier Wohnraum in Kiel ohnehin knapp. Der Bundesdurchschnitt liegt etwa doppelt so hoch. Diese Situation wird nun zusätzlich durch die hohe Anzahl von Wohnungssuchenden verschärft.
Leeren Wohnraum findet man in weniger beliebten Stadtteilen wie Neumühlen-Dietrichsdorf und Gaarden. Doch auch in diesen Stadtteilen merkt man inzwischen die Auswirkungen des allgemeinen Wohnraummangels. So zeigt der Sozialraumbericht Gaarden 2011, dass der Leerstand im Stadtteil deutlich abnimmt. Insbesondere hier gibt es viele Ein-Zimmer-Wohnungen, welche in der Regel von allein lebenden Studenten bevorzugt werden.
Die vom Studentenwerk zur Verfügung gestellten Wohnheimzimmer reichen nur für einen vergleichsweise kleinen Teil der Studenten. Die 1860 Wohnheimplätze decken etwa sieben Prozent des Bedarfs. Damit liegt Kiel im bundesweiten Vergleich unter dem Durchschnitt von zwölf Prozent. Auch das pünktlich zu Beginn des Wintersemesters fertig gebaute Wohnheim in der Elfriede-Dietrich-Straße mit 246 Zimmern ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Um diesem Notstand zu begegnen wurde im September der Aufruf „Zimmer für die Zukunft“ veröffentlicht, welcher von den Kieler Hochschulen, der Stadt Kiel, dem Studentenwerk und den ASten getragen wurde. In dem Aufruf wurden Privateigentümer von Wohnraum darum gebeten, leer stehende Zimmer zu fairen Preisen an Studenten zu vermieten, um den befürchteten Ansturm aufzufangen.

Max bei der Besichtigung einer Wohnung
Vielleicht der letzte Schritt zum Glück: Max bei der Besichtigung einer Wohnung

„Die Resonanz war überwältigend“, resümiert Henning Lange, Pressereferent des AStA an der CAU. „Wir haben mit diesem Aufruf viele Menschen erreicht und konnten so dazu beitragen, die Situation zu entspannen.“ So sei durch den Aufruf auch Wohnraum offeriert worden, der ansonsten nicht angeboten worden wäre, wie beispielsweise Geschäftsräume in der Innenstadt. Ein weiterer Schritt war das Errichten einer Online-Wohnbörse durch den AStA. Im Kleinanzeigenteil können Studenten aktuelle Wohnungsangebote finden. Trotz der einstweiligen Entspannung des Wohnungsmarktes sieht Lange die dringende Notwendigkeit, mehr Wohnraum aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung zu stellen. „Die Studierendenzahlen werden definitiv weiter steigen, der Trend ist ja ganz eindeutig. Handlungsbedarf ist also auf jeden Fall noch da.“ Max und seine zukünftigen Mitbewohner besichtigen nun Wohnungen in Gaarden. Auf das negative Image Gaardens angesprochen antwortet er, dass er sich dort nie unsicher gefühlt habe. „Ich denke, dass viele einseitige Informationen an die Menschen herangetragen werden, ohne dass sie selbst etwas Negatives dort erlebt haben.“ Nicht jeder teilt diese offene Einstellung über Gaarden und nach wie vor meiden die meisten Studierenden den Stadtteil als Wohnort. Aus diesem Grund wurde Kritik an dem Aufruf „Zimmer für die Zukunft“ laut: in Gaarden gäbe es durchaus freien Wohnraum, der Stadtteil würde aber als Alternative nicht genannt, so die Kritiker. Durch diese Benachteiligung werde das Negativ-Image zementiert. „Es gibt definitiv freien Wohnraum in Gaarden“, meint auch Lange. „Dass der aber nicht angenommen wird, darauf haben wir nicht viel Einfluss.“ Man versuche jeden Stadtteil gleich zu behandeln, dies sei jedoch in manchen Fällen schwieriger als in anderen. Nicht zuletzt sei es die Aufgabe der Stadt, das Image und damit die Attraktivität Gaardens zu verbessern.

Max und seine Mitbewohner hatten inzwischen Erfolg. „Am Ende ging es dann doch erstaunlich schnell. Wir haben jetzt sogar eine bezahlbare Vier-Zimmer-Wohnung in Gaarden gefunden“, erzählt er. Verglichen mit den Wohnungen in Uni-Nähe sei diese sehr viel günstiger gewesen. „Zwar müssen wir jetzt etwas mehr Zeit für den Weg zur Uni einplanen, aber dafür haben wir jetzt ein Wohnzimmer. Da ist auch die kleine Küche kein Problem.“

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Bist Du auch auf der Suche nach einer Wohnung? Hier geht es zur Wohnbörse des AStA.