Silvester im "Studio", das Filmtheater am Dreiecksplatz

Kino machen

von Josephin Schäfer

Das „Studio“ kann auf eine lange Geschichte mit vielen Betreibern zurückblicken. Seit zwei Jahren wollen zwei leidenschaftliche Kinofans der „Studio“ – Geschichte eine weiteres Kapitel hinzufügen. Mit herzlicher Kundenbetreuung, außergewöhnlichen Filmen und besonderen Aktionen erstrahlt das alte Kino im neuen Glanz.
Silvester im "Studio"
Verkleidete Gäste zur Silvester-Themenparty

Das Foyer des „Studios“ ist bereits gut gefüllt. Die Stimmung ist ausgelassen. Neugierige Blicke schwirren umher. Ein freudiges Prickeln erfüllt den Raum.
Die Gäste des „Filmtheaters am Dreiecksplatz“ sind illust anzusehen. Sowohl Frauen als auch Männer tragen reizende Korsagen und prunkvolle, schwarze Zylinder. Ab und zu sind sogar halterlose Strümpfe zu erspähen. Der Hals mancher Gäste wird von einer Federboa umspielt und fast alle weiblichen Besucher tragen hohe Hacken. Am Auffälligsten ist jedoch der leuchtend rote Kussmund, den sich heute nicht nur viele Damen geschminkt haben. Im „Studio“ ist es Tradition zu Silvester den Kultklassiker „The Rocky Horror Picture Show“ zu zeigen und dazu gehört eine angemessene Aufmachung, sowohl für die Besucher, als auch für die Studiocrew.

So trägt auch Dennis, einer der beiden Studiobesitzer, heute nicht nur eine körperbetonende Lederweste und ein paillettenbesetztes Stirnband, sondern auch künstliche Wimpern und viel Glitzer auf der Haut. Mathias, der andere Studiobetreiber, lässt sich noch kurz bei dem Auftragen des Lippenstifts helfen und dann ist auch seine von Pailletten und Glitzer dominierte Kostümierung perfekt

Die Gäste des "Studios" als die Figuren des Kultklassikers "The Rocky Horror Picture Show"
Die Gäste des "Studios" als die Figuren der "Rocky Horror Picture Show"

Dennis Jahnke, 38, und Mathias Ehr, 39, lernten sich als Angesteltte im Vorgänger des „Studios“, dem „Neuen Studio“ kennen. Die Leidenschaft fürs Kino bemerkten beide schnell. „Wenn irgendwo mal ein Kino frei ist, dann würden wir das wohl machen wollen“, erinnert sich Ehr an den damaligen Entschluss. So kam es im Jahr 2009, dass sie sich entschieden, das freigewordene „Neue Studio“ zu übernehmen. „Dieses Kino hat Potenzial und die Arbeit an sich ist eine tolle Kombination aus Technik und handwerklichen Sachen einerseits und Menschenkontakt auf der anderen Seite“, lächelt Ehr.
Diese Begeisterung scheinen die beiden Besitzer an ihre Mitarbeiter weiterzugeben. „Es macht so viel Spaß hier zu arbeiten, da die Chefs irgendwie so toll drauf sind“, erklärt Rosa Wohlers,28, während sie die immer zahlreicher werdenden Gäste der Mottoparty mit Getränken versorgt.


Mittlerweile hat sich eine lange Schlange vor dem Eingang zum Kinosaal gebildet. Als der Einlass endlich startet, sind viele Besucher mit ungewöhnlichen Mitbringseln zu sehen. Manche tragen Toilettenpapier oder Zeitungen unter dem Arm. Andere haben eine Packung Toastbrot oder Reis dabei. Die Studiocrew wundert sich nicht, schließlich gibt es beim Schauen der „Rocky Horror Picture Show“ besondere Verhaltensregeln und dazu werden eben diese Utensilien benötigt.
„Wir haben Lust hier Kino zu machen“, erläutert Ehr und dazu gehöre interaktives Kino wie an dem Silvesterabend. Daneben wird auch das zum Kino gehörende Café für besondere Aktionen benutzt. Ob nun das sonntägliche Tatortschauen oder eine Kunstersteigerung, fast wöchentlich findet passend zu den Filmen eine Veranstaltung statt.
Diese Einstellung scheint den Gästen des „Studios“ zu gefallen. So applaudieren und jubeln die Zuschauer der „Rocky Horror Picture Show“ den beiden Besitzern zu, als diese den Kinosaal betreten, um ein paar Worte zu sagen und dann den Film zu starten.


Es wird dunkel und der Film beginnt. Schon bei der ersten berühmten Szene des Films, der Hochzeitsszene, verlieren die Zuschauer ihre Hemmungen vollends. Es wird wild mit Reis und Konfetti geworfen, wobei das eine oder andere Reiskorn auch gerne in den Schuhen und Kostümen der Gäste landet. Voller Vorfreude erwarten die Gäste ihren nächsten Einsatz. Und es dauert nicht lange und es ist soweit. Im Film bricht ein Gewitter los und Janet, eine der Hauptfiguren, hält sich zum Schutz vor dem Regen eine Zeitung über den Kopf. Ehrensache für die Filmfans es ihr lachend gleichzutun. Den Höhepunkt erreicht die Stimmung im Saal mit dem Auftritt des großen Stars des Films: Frank, dem außerirdischen Transvestiten. Laut jubeln die Zuschauer, denn nun kommt endlich das mitgebrachte Toilettenpapier zum Einsatz. Fast fünf Minuten dauert die Schlacht mit dem zweckentfremdeten Badezimmerartikel. Das Publikum ist außer sich. Ein letztes Utensil haben die Kinogänger aber noch in ihrem Arsenal. Zum Ende des Films wird nun noch das letzte Utensil zum Wurf bereit gelegt. Als Frank einen Toast spricht, fliegen die Mitgebrachten weißbrotscheiben in richtung der Leinwand. Ein gebührendes Ende für die interaktive Kinovorstellung.

Der Kinosaal nach dem Ereignis
Der Kinosaal nach dem Ereignis

Lachend verlassen die Gäste den Saal und strömen zur Bar des Kinos. Einer der Kunden bittet um einen speziellen Cocktail, der nicht auf der Karte steht. Doch das macht der Studiocrew gar nichts aus, denn Sonderwünsche werden hier gerne erfüllt, soweit es denn möglich ist. „Dafür sind wir Dienstleister“, so Ehr. „Und das haben auch wirklich alle hier verinnerlicht.“Solche Ansichten scheinen den Gästen des Studios so zuzusprechen, dass viele immer wieder gerne herkommen. „Im Studio ist die Stimmung immer so toll und irgendwie persönlich. Außerdem gibt es hier diese besonderen Filme und Aktionen und deshalb komm ich so gern her“, meint Felix Mertineit, 21, der schon das zweite Mal im "Studio" Silvester feiert. „Wir geben einfach unser Bestes“, erklärt Jahnke und diese einfache Tatsache verhilft dem „Studio“ zu solch deutlichem Erfolg.

Mehr zum Thema:

Webseite des "Studios"

http://www.studio-filmtheater.de/