Parkproblem für Kreuzfahrtriesen

von Martin Weier

Kiels Kreuzfahrthafen ist einmalig in Deutschland. Die Terminals liegen mitten in der Innenstadt. Die natürliche Tiefe der Kieler Förde bis in die Hörn hinein macht das Anlegen von Großschiffen problemlos möglich. Kiel und die städtische Seehafen Kiel GmbH nutzen diese Gegebenheiten. Der Boom des Kreuzfahrtmarktes schaffen ein gutes Klima für Investitionen. Und so wird in Kiel wieder gebaut und zwar ein neuer Terminal.

Der Ostseekai wurde vor kurzem nochmal erweitert

So wird das neue Terminal am Schwedenkai aussehen

Die Baustelle am Schwedenkai

Die 293 Meter lange MSC Orchestra wird vom Feuerschiff empfangen

MSC Orchestra und Mein Schiff am Ostseekai

Die Eurodam brachte mehr als 2000 Stop-Over-Passagiere

Shuttlebus von der Baustelle Schwedenkai ins fertige Ostseekaiterminal

Die Delphin gehört zu den älteren, kleineren Schiffen in Kiel

Auch durch den Nord-Ostseekanal kommen Kreuzfahrer nach Kiel

Die "Mein Schiff" aus der Kajakperspektive

Vor zwei Jahren bereits wurde der neue Ostseekai fertig. Am Schwedenkai entsteht nun ein weiteres hochmodernes Kombiterminal, in dem zukünftig sowohl die täglichen Passagiere der Stena-Line, als auch Kreuzfahrtpassagiere abgefertigt werden sollen. Weltwirtschaftskrise? Im Kreuzfahrtsektor offenbar unbekannt. Die Lust auf Kreuzfahrtreisen ist ungebrochen, die Buchungszahlen belegen dies. Und so zieht es auch immer mehr Großschiffe nach Kiel. In dieser Saison wird mit 293 Metern Länge erstmals an der 300-Meter-Marke gekratzt. Maximal 310 Meter sind am Schwedenkai / Bollhörnkai möglich. Am Ostseekai könnten sogar Schiffe bis zu 360 Meter anlegen.

Diese Art Schiffe, die dann mehr als 3000 Passagiere an Bord haben können, verlangen nach weiteren Umbauten. Selbst das hochmoderne zwei Jahre alte Terminal Ostseekai wurde bereits wieder umgebaut. Die Gepäckabfertigung wurde kurzfristig ausgelagert und in mobile Hallen auf dem Terminalvorfeld untergebracht. Der Grund dafür ist, dass der Platz im Gebäude für die größer  werdenden Passagierzahlen pro Schiff gebraucht wird. An Spitzentagen liegen hier gleich 2 Schiffe der Superlative. Wie zum Beispiel die MSC Orchestra (längstes Schiff in Kiel mit 293 Metern) und die Costa Magica(mit mehr als 100.000 BruttoRaumZahl (BRZ) größtes Schiff). Beide Schiffe bringen es zusammen auf über 9000 Passagiere.

„Die zwei Ebenen des Terminalgebäudes mit gut 500 zusätzlichen Sitzplätzen stehen jetzt vollständig den Passagieren zur Verfügung“, erklärt Dirk Klaus, Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH. „Gepäck wird ab sofort über zwei Hallen abgefertigt, die an den Ostseekai angebaut wurden. Die neuen Hallen passen sich gut dem Umfeld an, so dass man diese erst auf den zweiten Blick wahrnimmt.“ Diese Hallen brauchen Platz. So muss sogar die traditionelle NDR-Bühne zur Kieler Woche an einen neuen Standort weiter nördlich umziehen.

Am Schwedenkai herrscht reger Baubetrieb. Hier entsteht ein kombiniertes Fähr- und Kreuzfahrtterminal, sowie einige neue Büroetagen. Hauptnutzer wird die Stena Line sein, deren Fähren täglich hier festmachen. Ulrich Kock, Mitglied der Geschäftsleitung der StenaLine Deutschland: „Das Bauwerk ist Ausdruck der engen Verbundenheit der Stena Line mit Kiel. Es schafft die Voraussetzungen zur weiteren Entwicklung der Linienverkehre zwischen Deutschland und Schweden.“

Das neue Terminal soll voraussichtlich Ende 2009 den Betrieb mit den StenaLine Fähren aufnehmen. Im Frühjahr, rechtzeitig zur Kreuzfahrsaison 2010, sollen dann auch alle umliegenden Vorflächen betriebsbereit sein. Das neue Terminal kostet etwa 16 Millionen Euro, ein Großteil wird aus Fördertöpfen von Stadt und Land bezahlt. Bis das Bauwerk betriebsbereit ist, müssen Passagiere von Kreuzfahrtschiffen und Fähren teilweise mit provisorischen Zeltbauwerken vorlieb nehmen. Als Ende Mai die MSC Orchestra ungeplant wegen Schäden einige Tage in Kiel bleiben musste, fehlte der Liegeplatz für andere Schiffe. Die Folge: Abfertigung am Bollhörnkai beziehungsweise von dort ein dauerhafter Busshuttleverkehr für die Kreuzfahrtgäste in das Terminalgebäude am Ostseekai.

Bei der Anzahl der Schiffsanläufe sind in Kiel mittlerweile Höchstwerte erreicht. Für 2009 sind 117  Anläufe geplant. Die Passagierzahlen haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht und die Anläufe verdoppelt. Und da die in der Ostsee fahrenden Schiffe immer größer werden, ist ein Ende des Wachstums momentan nicht in Sicht. So blickt auch Dirk Klaus, Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH optimistisch in die Zukunft. „Die Gesamttonnage der Kiel anlaufenden Kreuzfahrtschiffe wird in diesem Jahr um fast 40 Prozent  zunehmen. Wir sind gut vorbereitet und haben die Abfertigungskapazitäten am Ostseekai nochmals erweitert“, berichtet Klaus.  Erst kürzlich wurde der Kieler Hafen mit dem „Dream World Cruise Destination“-Award in der Kategorie „Best Turnaround Port Operations“ ausgezeichnet. Bereits 2008 erhielt man den gleichen Preis für den neuen Ostseekai.

Die Saison 2009 eröffnete die brandneue AIDAluna und setzt somit eine Serie fort. Die Schwesterschiffe AIDAdiva und AIDAbella hatten in den Jahren zuvor die Kreuzfahrtsaison in Kiel eröffnet. Traditionell mit Wasserfontänen empfangen, zog das neue Schiff viele Blicke auf sich. „Einfach einmalig dieser Anblick“, schwärmte eine Schaulustige und deutete auf das Wasserfontänen sprühende Feuerlöschschiff Kiel mit der AIDAluna im Schlepptau. „Dafür stehe ich gerne früh auf und laufe zum Hafen“. Für den Seehafen Kiel und die Stadt sind diese Schiffsanläufe enorm wichtig. Sie schaffen Arbeitsplätze bei den Terminal- und Schiffsagenturen Satori&Berger, UCA und KSK.

An den Terminals gibt es auch vermehrt Aushilfsjobs für Studenten. Die Koffer der Passagiere, Ersatzteile, Lebensmittel und vieles mehr muss in die Schiffe gebracht werden. Auch für das Einchecken und die Betreuung der Gäste im Terminal wird im Hafen Personal gebraucht. Außerdem sind die Schiffe wichtig für die regionale Wirtschaft.  Bringen sie doch tausende Gäste im Vor- und Nachgang von Reisen, sowie auf Zwischenstopps während der Ostseerundreisen nach Kiel. Daneben locken die Schiffe auch Schaulustige an. Der Traum, einmal selbst auf einem solchen Schiff über die Weltmeere zu fahren, wird in Kiel greifbar nah. Mit der „Eurodam“ der Holland America Line kamen Ende Mai erstmals mehr als 2000 Passagiere gleichzeitig für einen Tagesaufenthalt nach Kiel. Shopping steht bei den Touristen bei diesen sogenannten Stop-Overs ganz oben auf der Wunschliste. Daneben werden zahlreiche Ausflüge mit Reisebussen lokaler Anbieter ins Kieler Umland unternommen.

Wassersportler, aus deren Sicht die Schiffe besonders imposant aussehen, kennen auch die negativen Punkte des sich vermehrenden Schiffsverkehrs. Es wird zunehmend enger auf der Förde. Von allen Beteiligten ist Vorsicht und Rücksicht gefragt. Je nach Windrichtung, hat man manchmal das Gefühl Diesel einzuatmen. Durch die oftmals auch in den Häfen zur Stromversorgung betriebenen Schiffsgeneratoren liegt eine Schicht von Abgasen und Feinstaub über dem Wasser. Die Internationale Seefahrtsorganisation IMO und auch die Häfen bemühen sich darum diese Probleme zu beseitigen. Ab 2015 darf in Nord- und Ostsee nur noch mit schwefelarmen Treibstoffen gefahren werden. 2020 tritt diese Regelung dann weltweit in Kraft. In den Häfen wird versucht Landstromsysteme zu installieren, so dass die Schiffe während der Liegezeit in den Häfen von Land aus mit Energie versorgt werden können. Die benötigte Strommenge übertrifft allerdings vielerorts die Leistungsfähigkeit der vorhandenen städtischen Stromnetze.