Zimmersuche in Kiel
Student sucht Bude
Von Henrike Thelen
Studenten und Wohnungsmarktexperten sind sich einig. Die Wohnungssuche zu Beginn des Semesters ist mühsam und kann ganz schön stressig sein. Bei jährlich 6000 neuen Studierenden in Kiel ist das kein Wunder. GeoZeit hat nachgefragt und ein paar Tipps zur Wohnungssuche bekommen.
- Studierende bei der Einschreibung im Verwaltungshochhaus der Uni Kiel.
Das WG-Zimmer ist geräumig und hell, genau wie die ganze Wohnung. Es gehören sogar zwei kleine Balkone dazu. Auf dem einen ist jedoch kaum noch Platz zum Sitzen. In riesigen Töpfen wuchern die Hanfpflanzen in alle Richtungen. „Aber keine Sorge“, beruhigt der potentielle Mitbewohner, „im September wird geerntet.“
Jedes Jahr kommen über 6000 neue Studentinnen und Studenten nach Kiel an die Christian-Albrechts-Universität, die Fachhochschule und die Muthesius Kunsthochschule. Besonders im September und Oktober ist der Ansturm auf Wohnungen groß.
Das neue Wintersemester steht vor der Tür. Viele neue und bereits ansässige Studierende suchen vor Beginn des nächsten Semesters eine Bleibe in der Landeshauptstadt. Am besten preisgünstig und Uni nah gelegen, häufig in einer WG. Das ist der Wunschzettel vieler Studenten.
Auch Manuel gehört dazu. Er ist für den Master-Studiengang BWL nach Kiel gekommen. Seit Mitte September hat der sportliche 23-jährige ein WG-Zimmer gesucht. Gefunden hat er nach langer Suche eine helle Dreizimmerwohnung, die er sich nun mit seinen zwei Mitbewohnern teilt.
- Am Schwarzen Brett hängen neue Wohnungsinfos aus.
Wie und wo findet man die Unterkunft, die man sucht? Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat diesem Thema eine Seite im CampusGuide 2009/2010 gewidmet. Es wird auf Studentenwohnheime hingewiesen, auf Schwarze Bretter in der Uni, Zeitungs- und Internetanzeigen.
Für die Auswahl, was man sich anguckt, gibt es keine Tipps. Es geht ums eigene Gefühl. Auf eine Besichtigung folgt die nächste und meist auch die übernächste. Was ist mir wichtig? Ordnung und Sauberkeit? Oder lieber Überreste der letzten Party in Flur und Küche? Mit wie vielen Personen möchte ich mir eine Wohnung teilen? Möchte ich alleine wohnen? Wie viel Geld habe ich für die Miete zur Verfügung? Wie groß soll das Zimmer bzw. die Wohnung sein? Möbliert oder nicht?
Moritz ist 20 Jahre alt und kommt aus Preetz. Im September wusste er schon nach drei WG-Besichtigungen, dass er sein Zimmer gefunden hat. Als jahrelanger, begeisterter Ruderer ist das Angebot der Akademischen Turnverbindung Ditmarsia Kiel* genau auf ihn zugeschnitten. „Der Preis ist okay und die Miete ist inklusive Sportgerätenutzung. Das hat mich überzeugt“, erzählt er.

- WG-Küchen müssen nicht immer ordentlich sein.
Es stellt sich jedoch die Frage, ob alle Studenten so wie Moritz ihre Traumwohnung finden. Jochen Kiersch vom Kieler Mieterverein e.V. nennt den Wohnungsmarkt gespalten. Auf der einen Seite gebe es ein Überangebot an größeren Wohnungen. Zum Teil seien deswegen die Preise schon gesunken. Auf der anderen Seite sind Ein-, Zwei- und kleine Dreizimmerwohnungen schwierig zu bekommen. „Das sind die Formate, die Studenten suchen und die Konkurrenz ist heftig“, bestätigt Kiersch. Manfred Wagner vom Amt für Wohnen und Grundsicherheit der Stadtverwaltung Kiel ist ähnlicher Meinung. „Kleine Wohnungen sind immer schwieriger zu finden, aber die Vermittlungschancen sind relativ gut“, meint er.
Julian ist 23 und studiert im fünften Semester Physik des Erdsystems am IfM Geomar. Zusammen mit seiner Freundin Nora, 20, hat er den Wohnungsengpass zu spüren bekommen. Zehn Bewerber auf ihre Wunschwohnung in Uninähe in nur zwölf Stunden. Sie haben einige Tage um die Zweieinhalbzimmerwohnung gebangt und sind Kompromisse mit dem Einzugsdatum eingegangen. Sie haben Glück gehabt und die Wohnung Mitte August bekommen.
Nicht alle fangen so früh an, nach Wohnung oder Zimmer zu suchen. Viele neue Studentinnen und Studenten warten erst ihren Zulassungsbescheid ab, bevor sie sich auf die Suche machen. Ab Mitte August, spätestens September wird es dann enger auf dem studentischen WG- und Wohnungsmarkt.
Die werdende Lehrerin Anna-Lena aus einer niedersächsischen Kleinstadt ist Mitte September umgezogen. Da war schon viel mehr los als noch Ende Juli. „60 Leute haben sich die WG angeguckt. Das ist schon etwas demotivierend“, erzählt sie. Anna-Lena ist froh, am Ende doch so ein Glück gehabt zu haben.

- Überreste einer Party in der WG-Küche.
Renko Buß vom Studentenwerk Schleswig-Holstein in Kiel stellt fest: „Die studentische Wohnungssituation ist mit der Einführung von Bachelor and Master wesentlich angespannter geworden.“ Seit der Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse kann ein Studium häufig nur noch zum Wintersemester begonnen werden. „Die Wohnheime sind im Wintersemester komplett ausgebucht“, so Buß. „Im Sommersemester ist das anders.“
Volker Sindt von Haus und Grund von Kiel und Umgebung e.V. hingegen meint: „Eine Wohnung zu finden, ist nicht sehr schwierig, auch im preiswerten Segment.“ Er bemerkt jedoch auch, dass möglicherweise Abstriche bei Lage und Qualität gemacht werden müssen. Insgesamt gebe es mehr Wohnungen als gebraucht würden. Außerdem wechsele in mehr als jeder zehnten Kieler Wohnung jährlich der Mieter. Das heißt, die Karten werden immer neu gemischt. Gerade in der Nähe der Uni sei es jedoch schwierig, eine geeignete Bleibe zu finden. „Wegen der hohen Nachfrage sollte man mehr Zeit für die Wohnungssuche einplanen“, rät Sindt.
„Auch wenn es sich schwierig anhört, am Ende lohnt sich die Mühe und man findet seine Traumwohnung“, sagt Julian.
*Die Akademischen Turnverbindung Ditmarsia Kiel definiert sich vor allem über den gemeinsamen Sport der Mitglieder, aber auch über andere Freizeitaktivitäten. Die Mitglieder und damit auch die Bewohner des Hauses sind Studenten bzw. ehemalige Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen.







