Wohnen auf dem Wasser - Kiels Aufschwung mit Schwimmhaus

von Sarah Nüdling

Ein lichtdurchfluteter Raum, zwei schwarze Sessel, davor das Sonnendeck. Die Küche aus Edelstahl, eine halbe Treppe weiter unten der Holzpellettofen in dänischem Design. So soll es aussehen, das neue Wohnen auf dem Kieler Ostufer. Schick, erstklassig und dazu noch umweltfreundlich. Und all das nicht nur an Land. Der Traum vom Wohnen auf dem Wasser soll auch in der Sailing City bald wahr werden.
Das Kieler Schwimmhaus:bisher nur für Events und Besucherführungen genutzt

Das „Kieler Schwimmhaus“ lief bereits 2005 in der Gebrüder Friedrich Werft in Friedrichsort vom Stapel. Seither sorgte es für einen regelrechten Pressesturm: „Schwimmende Villa auf dem Wasser“ oder „Kieler bauen die besten Hausboote Deutschlands“ waren nur einige der Schlagzeilen. 2007 wurde das Schwimmhaus zudem mit dem Umweltpreis der Stadt Kiel ausgezeichnet.

Weit vom Stapel ist das Kieler Schwimmhaus bisher jedoch nicht gekommen, noch immer liegt es zwischen reparaturbedürftigen Luxusyachten und den Slipanlagen der benachbarten Werften. Kein Schwimmhaus wurde bisher verkauft. Dabei mangelt es weder an Interesse, noch am nötigen Kapital - ein Faktor, der bei einem Kaufpreis von etwa 2.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nicht gerade nebensächlich ist.

Florian Siewert von der Gebrüder Friedrich Werft musste bereits viele Enthusiasten vertrösten. „Wir stehen da, haben das Produkt und auf der anderen Seite stehen die Interessenten, die es wollen, aber wir kommen nicht zusammen. Einfach weil es keine Liegeplätze gibt.“

Die Liegeplatzproblematik ist dabei kein typisches Kieler Problem. Deutschlandweit ringen Interessenten um neue Gesetze und Vorschriften, wollen eine schnellere und einfachere Platzvergabe. Vereine werden gegründet und Diskussionsrunden veranstaltet. Berlin und Hamburg sind Vorreiter, neben Kiel folgen auch andere norddeutsche Städte wie Rendsburg und Schleswig dem Trend „Wohnen auf dem Wasser“.

Sven Graber betreut die Stadtplanung des Kieler Ostufers

„Das Problem in Kiel ist, dass fast alle Flächen am Wasser entweder gewerblich oder militärisch genutzt werden“, formuliert Sven Graber vom Stadtplanungsamt Kiel die Schwierigkeiten der Landeshauptstadt mit den Schwimmhäusern. Zudem müssen die Schwimmhäuser geschützt vor Wellengang liegen. Ein solch geschützter Raum ist an der Kieler Bucht jedoch nur sehr partiell gegeben. Und so blieb nach vielen Gutachten und Analysen von sechs möglichen innenstadtnahen Standorten letztendlich nur einer übrig: Das Schwentineufer Nord, dort wo bis Frühjahr 2008 die Ruine der Holsatiamühle stand.

Städtebauliche Projektplanung entlang des Schwentineufers

„Wir gehen da teilweise sehr neue Wege, müssen zwischen Umweltschutz, Schiffsverkehr, gesetzlichen Richtlinien und nicht zuletzt Bedenken der Anwohner abwägen“, erläutert Graber, der trotz aller Herausforderungen sehr zuversichtlich bezüglich der Realisierung des Projektes wirkt. Seit 2007 erarbeitet das Stadtplanungsamt nun einen Bebauungsplan. Neben der Ansiedlung von Schwimmhäusern umfasst dieser noch weitere Vorhaben. Die Schmerzklinik soll erweitert werden, Wohn- und Gewerbeneubauten in den kommenden Jahren das Gebiet Schwentineufer Nord neu gestalten. Auf der gegenüberliegenden Seite erhält das GEOMAR mit dem Umzug des Instituts für Meereskunde vom Westufer im Jahr 2011 einen ebenbürtigen Partner an seiner Seite. Die restaurierten, im Dezember 2008 wiedereröffneten Schwentinebrücken, sowie ein neu gestalteter Park ergänzen die urbane Landschaft um die Flussmündung. Es ist ein großes und prestigeträchtiges Projekt, deshalb befürwortet Graber auch die Ausschreibung eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs für das Gebiet.

„Die Mehrinvestitionen für einen städtebaulichen Wettbewerb sollte sich die Stadt schon leisten“, erläutert Graber, denn immerhin solle es ja „eine Initialzündung sein, für das Ostufer und in städtebaulicher Bedeutung gleichwertig mit Kai City Kiel“.

Exklusivausstattung: Die Beleuchtung des Schwimmhauses regelt der Bordcomputer

Während mit dem innenstadtnahen Projekt “Kai City Kiel“ verzweifelt versucht wird, das Ost- mit dem Westufer zu verknüpfen, kann die Planung des Schwentineufers Nord sich getrost der Aufwertung des Ostufers widmen. Was mit der Ansiedlung der FH im abgelegenen Stadtteil nördlich der Schwentine begann, soll weiter vorangetrieben werden. Man verspricht sich die Ansiedlung „gehobenen Bürgertums“, angelockt von einem dynamischen Viertel. Die Schwimmhäuser passen da gut ins Konzept. Dazu muss man wissen: Ein Schwimmhaus ist kein Hausboot. Nicht nur weil es keinen Motor hat, sondern vor allem, weil es nicht einfach ein Kahn ist, der mit viel Engagement und Improvisation, aber mit wenig Geld ausgebaut wurde. Nein, ganz im Gegenteil..

.„Exklusiv soll es sein und mit bester Technik ausgestattet“, schwärmt Frau Erhardt von „Living on Water“ über ihre Schwimmhäuser. „Living on Water“ ist jene Arbeitsgemeinschaft, die mit ihrem Entwurf und Bau des „Kieler Schwimmhauses“ das Thema Wohnen auf dem Wasser in Kiel vorantrieb. Gemeinsam mit den Schiffbauern der Gebrüder Friedrich Werft erarbeiteten Architekten, Designer und Umwelttechniker den schwimmenden Traum vom zeitgemäßen Wohnen der Luxusklasse. Nullemissionen, individuell und flexibel.

Aber längst nicht alle sind begeistert, weder vom Luxus noch von den Schwimmhäusern. Besonders die Bewohner des südlichen Ufers der Schwentine befürchten eine zu große Beeinträchtigung ihres Lebens- und Erholungsraumes. Sie sehen in den Schwimmhäusern eine Bedrohung des heute noch weitgehend naturbelassenen Nordufers. Die Ortsbeiräte haben lange diskutiert und sich dann teilweise doch vom Charme des „Kieler Schwimmhauses“ überzeugen lassen. Aber eben nur teilweise.

"Leuchten in den Augen"- Sven Graber freut sich auf das neue Leben an der Schwentine

Auch auf politischer und rechtlicher Ebene ist noch nichts in trockenen Tüchern. Zwei Gutachten stehen noch aus, ebenso die Abstimmung über den städtebaulichen Wettbewerb, dann der endgültige Bebauungsplan. „Und dann braucht man noch Straßen, Strom, Frisch- und Abwasser: bei einer einseitigen Erschließung, wie sie bei Schwimmhäusern ja nur möglich ist, kommen da noch einige Kosten auf die Käufer zu“, so Graber. „Es müssen erstmal sechs Personen gefunden werden, die bereits sind so viel zu investieren“. Denn sechs Schwimmhäuser sollen es werden.

Dass sich Käufer finden, daran hat Jenny Erhardt von Living on Water wenig Zweifel. Es gibt eine Kartei von über 700 Interessenten und „auf Messen sehe ich immer wieder dieses Leuchten in den Augen, wenn der Traum vom Leben auf dem Wasser in greifbare Nähe rückt.“

Die Gebrüder Friedrich Werft hofft auf sonnige Zeiten durch maritimen Hausbau

Bis zum Jahr 2010 müssen sich die zukünftigen Schwimmhausbewohner allerdings sicher noch gedulden. Und selbst dann: Ob der Zuschlag am Ende tatsächlich an das Kieler Schwimmhaus geht, ist noch unklar. Die Liegeplätze werden ausgeschrieben und sogar die Konkurrenz aus Kopenhagen ist bereits an die Stadtplaner herangetreten. „Natürlich würden wir es gerne sehen, dass die Schwimmhäuser von einer Kieler Werft kommen“, sagt Sven Graber von der Stadtplanung, „aber wir müssen da natürlich neutral bleiben.“

Weitere Informationen

Gebrüder Friedrich Werft
www.gfwerft.de

Living on Water
http://living-on-water.de

Stadtplanungsamt Kiel
www.kiel.de/Aemter_61_bis_92/61/Amtsverzeichnis_61/Stadtplanungsamt.htm

Waterliving Dänemark
www.waterliving.com