Kultur in Kiel
Interessantes für den kleinen Geldbeutel
von Theresa Warnk
GeoZeit hat sich in Kiel auf die Suche nach interessanten Angeboten für den kleinen Geldbeutel gemacht. Die Vorgabe: Im Idealfall wird kein Eintritt bezahlt; maximal sind drei Euro erlaubt. Zwei Cafés, in denen die GeoZeit fündig geworden ist, werden vorgestellt.
Das STATT-Café

- Genuss für Ohren und Gaumen - Jazz im Statt-Cafe
Begrüßt vom kalten, grünen Licht, das vom Eingang des Neuen Rathauses herab strahlt, tauche ich ein in die warmen Klänge des Abends. Die Band spielt bereits und begrüßt mich mit feinstem Jazz. Ich ergattere einen Platz an der Bar, so kann ich den gesamten Raum überblicken. Es ist ziemlich voll, nichts Ungewöhnliches, hat sich doch die entspannte Atmosphäre längst rumgesprochen. Bunter gemischt könnte das Publikum wohl kaum sein. Ein paar Meter vor mir sitzt an einem Tisch ein vornehmer, älterer Herr, herausgeputzt im feinem Anzug. Neben ihm ein etwa Zwanzigjähriger mit Nietengürtel, Iro und zerfetzten Jeans. Für mich macht gerade das einen besonderen Reiz aus, als völlig Unbekannte in einem Café zu sitzen.
Inhaber Frank Müller erzählt, dass an diesen Abenden immer der Hut rumgegeben wird, anstatt einen festen Eintrittspreis zu nehmen. „Das ist eine gute Möglichkeit vernünftige Musik auch für Studenten, Arbeitslose oder Leute aus den unteren Einkommensschichten zugänglich zu machen“, betont er stolz. „Jeder zahlt das, was er gerade übrig hat.“
2007 hat es mit einem monatlichen Jazz-Abend des STATT-QUARTETTs pro Monat angefangen. Daraus haben sich zuerst zwei dann vier Abende entwickelt. Am ersten und dritten Montag im Monat finden die Jazz-Abende statt. Am zweiten Monat gibt es eine offene Folk-Bühne, für alle die Spaß am Musizieren mitbringen. Den Abschluss bildet der Literatur-Abend. Mittlerweile finden im STATT-Café, neben der Montagsreihe, vier bis sieben Konzerte im Monat statt, die meisten davon mit Hut. Dass das Konzept aufgeht, sieht Müller durch die hohe Stammkundenquote von über 50 Prozent bestätigt.
Einer von diesen Stammkunden ist Nikolai Rohmann, einundzwanzigjähriger Geographiestudent, der gerne immer wieder zu den Jazz-Abenden hierher kommt: „Es ist doch jedesmal was anderes. Vor allem durch die wechselnden Gastmusiker.“ Klar spielt für den Studenten der freie Eintritt eine wichtige Rolle: „Wenn es hier Eintrittspreise gäbe, würde ich eher nicht oder nur selten kommen.“ Doch so wird er weiterhin vergnügt dem Quartett lauschen.
Ich erfahre vom Auftritt eines interessanten Künstlers im Prinz Willy einige Tage später – ebenfalls ohne Eintritt. Das macht mich natürlich neugierig.
Dann kommt der Hut auch zu mir – ich werfe heute zwei Euro hinein und mache mich kurz danach zufrieden auf den Heimweg.
Das Prinz Willy Café

- Wohnzimmeratmosphäre zu sanften Klängen im Prinz Willy
Ich trete ein und werde empfangen von einem gemütlichem Ambiente: bunt zusammengewürfelte Tische und Stühle, Sessel, Sofas und Lampen. Dazu die warmen Farben, die das Gefühl der Geborgenheit eines Wohnzimmers vermitteln.
Ich bin etwas spät dran, vor zehn Minuten sollte es losgehen und das Cafe ist voll. Für mich und die anderen Nachzügler holt der lächelnde Inhaber Willy nachträglich Stühle herbei. Glück für mich, denn so sitze ich direkt an der Bühne. Nun ja, eigentlich tut das in einem kleinen Cafe die Hälfte des Publikums. Dann geht es los. Ein Musiker steht allein auf der Bühne – seine Stimme ist kräftig, vielleicht ein bisschen kratzig, zugleich jedoch sanft, dass er das Mikrophon eigentlich nicht bräuchte um seine Gitarre zu übertönen. Verträumt singt er von Reisen, Liebe, Melancholie und Hoffnung.
Willy, der Inhaber des Cafés, erklärt, warum er lieber den Hut rumgehen lässt als Eintritt zu verlangen: „Ich will eine Bühne schaffen für kleine, unbekannte Künstler und somit natürlich auch die kleinen Leute an der Kunst teilhaben lassen.“ Er, selbst Künstler, versteht sein Café eben als Kunstobjekt - für ihn steht fest: Viel Kunst für wenig Geld. Dabei ginge es nicht darum die Bude voll zu kriegen, sondern schöne Musik zu genießen.
Wohl auch deshalb sitze ich hier in einem bunt gemischten Publikum: Einige Schüler, viele Studenten, aber auch Menschen jenseits der Vierziger und Fünfziger fallen nicht weiter auf. Ein Gast bestätigt mir: „Es ist toll, unbekannte Musiker auf ihrem Weg nach oben zu sehen. Viele kommen ja auch immer wieder hierher.“
Um neue Künstler zu fördern lässt sich Willy auch gerne überraschen und hört sich die Lieder der Anwärter oft nicht an, wenn er aus den circa 15 Anfragen, die er täglich von Künstlern bekommt, auswählt. „Für mich muss das Gesamtkonzept stimmen“, betont er.
Der Hut (der hier eigentlich eine kleine Kasse ist) bahnt sich seinen Weg durch die Reihen. Mir ist der Auftritt heute zwei Euro wert – doch ich entschließe mich, auch wenn ich damit deutlich mehr Geld ausgebe, als ich vorhatte, eine CD des Künstlers zu kaufen. Nach einem netten Plausch mit dem Künstler des Abends mache ich mich auf den Heimweg.
Weitere Kulturangebote
Desweiteren gibt es noch zahlreiche kleinere Veranstaltungen, bei denen man sehr günstig Kultur erleben kann. Diese sollen im Folgenden zusammen gefasst werden.
Kieler Museenlandschaft
http://www.museen-sh.de/ml/rahmen.php?s=1&t=1&sparte=museen&pid=®ion=12
Kostenlos:
– Antikensammlung
– Botanischer Garten
– Geologisches und Mineralogisches Museum
– Wiker Maschinenmuseum
– Hans Kock Stiftung Gut Seekamp
Bis Maximal drei Euro Eintritt: Studentenpreis (Normalpreis)
– Aquarium 2€ (3€)
– Flandernbunker 2€ (3€)
– Stadtgalerie Kiel 1,50€ (3€)
– Wasser- und Schifffahrtsamt 1€ (1,50€)
– Kieler Schiffahrtsmuseum 1€ (3€)
– Medizin- und Pharmaziehistorische Sammlung 1€ (3€)
– Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei 1€ (2€)
– Stadtmuseum - Warleberger Hof 1€ (2€)
– Zoologisches Museum der Universität Kiel 1€ (2€)
– Mit Ermäßigung bezahlt man in der Kunsthalle zu Kiel 3€, ansonsten 6€
Regelmäßig kostenlose Veranstaltungen:
Veranstaltungskalender der CAU Kiel
http://univis.uni-kiel.de/form?dsc=go&to=cal
Prinz Willy Cafe
http://prinzwilly.de/
STATT-Cafe
http://www.statt-cafe-kiel.de/index.html
Blauer Engel
http://www.blauerengel-kiel.de/
Kielometer
http://www.kielometer.de/
Kielerleben
http://www.kielerleben.de/
Initiative KulturForum Kiel e.V.
Im April 2008 wurde ein Verein für die Erhaltung des KulturForums gegründet. Dadurch soll erreicht werden, dass die Stadt das KulturForum nicht kommerzialisiert, sondern in seiner jetzigen Form erhält, um auch weiterhin kleinen Künstlern eine Bühne zu bieten. Weitere Informationen unter http://www.initiative-kulturforum-kiel.de/







