Open Source
Software zum Nulltarif
von Erik Lohmann
Was nützt einem der schnellste Rechner wenn keine Software aufgespielt ist mit der man arbeiten kann? Ist das Betriebssystem beim neuen PC meistens schon dabei, wird es für den schmalen Geldbeutel schwierig die notwendigen Anwendungen zu bekommen. GeoZeit zeigt, das man auch ohne Geld einen arbeitsfähigen PC aufsetzen kann.
Software muss nicht immer teuer sein. Wer weiß was er haben möchte findet im Internet eine Vielzahl von Softwarelösungen für so ziemlich jeden Bedarf. Wer dabei an Raubkopien und illegale Downloads denkt, der irrt. Open Source heißt das Zauberwort: legal und kostenfrei. Egal ob Officelösungen, Bildbearbeitung oder Multimedia-Player. Was aber ist sinnvoll bei einem so großen Angebot?
Fangen wir beim Grundlegendsten an, dem Betriebssystem. Im Internet sind diverse Linux-Versionen frei erhältlich, Windows hingegen ist online auf legalem Wege nicht zu beschaffen. Allerdings bedeutet das keineswegs, dass man sich als Laie in die teilweise problematische Bedienung von Linux einarbeiten muss. Man zücke einfach den Studentenausweis und marschiere damit zum Systemadministrator des Geographischen Instituts. Dort erhält man eine kostenlose und legale Kopie der neuesten Version von Microsoft Windows, deren Nutzung allerdings auf die Dauer des Studiums begrenzt ist. Möglich ist das durch einen Vertrag zwischen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und Microsoft, der den Studenten der Fakultät den Zugang zu aktuellen Windows-Versionen erlaubt.
Microsoft Office hingegen ist – entgegen vieler Gerüchte – nicht umsonst erhältlich. Für rund 70 Euro kann man über einen Student-Select-Vertrag zwischen der Universität und Microsoft die neueste Premium-Version erwerben.
Wer dieses Geld nicht ausgeben möchte, ist mit der kostenlosen Alternative OpenOffice gut beraten. Dieses über Spenden finanzierte Office-Paket ist in etwa auf dem Stand von MS Office 2000, kann aber eine deutlich größere Anzahl an Dateiformaten öffnen als das kostenpflichtige Vorbild. Lediglich bei der Anzahl an beigelegten Vorlagen und Designs hat OpenOffice das Nachsehen. Nichts, was sich nicht durch ein paar Stunden Stöbern im Internet beheben ließe.
Vorsicht ist aber geboten bei der Umwandlung von OpenOffice-Dateien in MS Office-Dateien. Die Technik ist noch nicht komplett ausgereift und so kommt es durchaus vor, dass die mühsam arrangierte Formatierung noch einmal neu eingerichtet werden muss. Abhilfe schafft hier einer von vielen Expertentipps: Man speichert das Dokument einfach im PDF-Format (die Funktion ist direkt in OpenOffice integriert) und hat so eine korrekt formatierte Version in der Hinterhand.
Bevor man aber weitere Software aus dem Internet lädt und installiert sollte man einen Virenscanner installieren. Eine Vielzahl der kostenlos erhältlichen Programme in diesem Bereich bieten über den reinen Schutz vor Viren und Trojanern hinaus keine große Sicherheit. So zum Beispiel auch Avira AntiVir, das es auch mit erweiterten Funktionen käuflich zu erwerben gibt.
Man kann sich aber auch für das Angebot des Rechenzentrums der CAU entscheiden. Hier wird allen Studierenden der CAU die Vollversion von Sophos umsonst zur Verfügung gestellt, inklusive täglicher Updates. Zusätzlicher Schutz schadet selten, allerdings ist auch kein Schutz zu einhundert Prozent sicher. Mindestens genauso wichtig wie eine Antiviren-Software ist daher der überlegte und vorsichtige Umgang mit dem Internet. Kostenlose Software sollte man immer direkt von der Homepage des Herstellers beziehen oder über die Internetauftritte renommierter und professioneller Fachzeitschriften, zum Beispiel von Chip.de. Links auf private Foren, illegale Downloadportale und Webseiten, die eine Anmeldung zum Download erfordern, sind zu meiden.
Gerade bei letzteren Angeboten steckt der Teufel im Detail. Neben den üblichen Haftungsausschlüssen , Verbreitungsrestriktionen und Datenschutzerklärungen steht gerne irgendwo, wie viel man für die Nutzung der Dienste der Webseite zu zahlen hat. Kosten, die vermieden werden können.
Auch die Lizenzbestimmungen der herunter geladenen Software sollte man sich bewusst zu Gemüte führen, auch wenn diese Erklärungen immer äußerst langweilig und -wierig sind. Gerade dem Punkt „Datenschutzerklärung“ sollte man Aufmerksamkeit widmen. Sonst kann es durchaus passieren, dass man sich vor Werbe-Emails und Anrufen nicht mehr retten kann.
Gewappnet mit einem Antivirenprogramm und der erforderlichen Vorsicht geht die Suche nach den benötigten Programmen weiter.
Welchen Browser man für diese Suche verwendet, mag dem Laien zweitrangig erscheinen. Tatsächlich aber treten beim ehemals beliebtesten Browser, dem Internet Explorer von Microsoft immer wieder Sicherheitslücken auf. Diese sind teilweise so gravierend, dass sogar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät, einen alternativen Browser zu verwenden.

- Ergebnisse einer Internetumfrage zur Browsernutzung vom Sommer 2009
Eine dieser Alternativen ist Firefox von Mozilla, der inzwischen 5 Jahre alte Nachfolger des Netscape Navigators. Im Sommer 2009 hat der Firefox-Browser erstmalig einen größeren Marktanteil als der Internet Explorer erringen können.
Neben besserer Sicherheit und Bedienbarkeit überzeugt Firefox auch durch seine freie Konfigurierbarkeit, die vielen innovativen Details und die unzähligen kleinen Add-ons (Programmerweiterungen und -zusätze), die einem das Arbeiten erleichtern oder einfach nur Spaß machen. Eine Liste der beliebtesten Add-ons lässt sich direkt über das Menü des Browsers abrufen. Unter Extras/Add-ons hat man unter anderem Zugriff auf die sehr empfehlenswerte Erweiterung „AdBlock Plus“. Das gerade einmal 500KB große Add-on filtert nach Installation zuverlässig alle Arten von Werbung heraus.
Betrachtet man die Anforderungen des Geographie-Studiums, so kristallisieren sich schnell vier Aufgabenbereiche heraus, die abgedeckt werden müssen: Bildbearbeitung, GIS-Projekte, Arbeit mit Satellitenbildern und die Erstellung von Webseiten.
Beim Thema Bildbearbeitung gibt es ein Programm, das Standards setzt: Adobe Photoshop. In der Version CS4 kostet eine Lizenz Studenten und Privatpersonen rund 180 Euro, die Alternative GIMP hingegen kostet keinen Cent und ist fast genauso aufgebaut. Nur der Bedienkomfort ist minimal geringer.
Photofiltre als weitere Alternative bietet weniger Funktionen, dafür aber mehr Übersichtlichkeit. Hier liegt die Wahl beim Nutzer und dem, was er wirklich benötigt. Für die Bildverwaltung und -konvertierung empfiehlt es sich noch XnView anzuschaffen, welches einfacher als IrfanView zu bedienen ist.
Vertrackt wird die Wahl bei Thema GIS. Unter FreeGIS.org findet man eine Vielzahl an Programmen, von denen auf Nachfrage jeder Dozent ein anderes empfiehlt. Als Alleskönner aus der kommerziellen Sparte legt ArcGIS die funktionelle Messlatte sehr hoch an, aber ebenso die preisliche.
GRASS-GIS hingegen ist umsonst und hat die gleichen Wurzeln wie der Alleskönner von ESRI, verliert aber deutlich in Sachen Komfort und Übersichtlichkeit. An dieser Stelle kommen erneut die Expertentipps ins Spiel: Man kann GRASS-GIS mit Quantum-GIS vernetzen, einem deutlich einfacheren Programm, und so Funktionen aus GRASS in Q-GIS nutzen.
Für die Arbeit mit Satellitenbildern stellt die ESA auf ihrer Webseite das Programm LEOWorks zur Verfügung. Leider ist auch hier der Komfort geringer als beim teuren ENVI und es gibt einige Programmfehler, sogenannte Bugs, die erst im Laufe der Zeit behoben werden. Dennoch lohnt sich der Download in jedem Fall. Dass LEOWorks den Ansprüchen der Universität genügt, belegt die Verwendung des Programms in Übungen und anderen Lehrveranstaltungen.
Wenn es um das Erstellen von Webseiten geht, hat man erneut die Qual der Wahl. Am besten ist, wenn man bei dem Programm bleibt, auf dem man das Programmieren gelernt hat. Eine einsteigerfreundliche Empfehlung ist zum Beispiel Phase 5.
Hinzu kommen noch VLC zum Abspielen aller gängigen Videoformate, ein Musicplayer nach Wahl, Thunderbird zur einfachen Emailpflege, Skype für gebührenfreie Onlinetelefonie und Videokonferenzen, CDBurnerXP, eine kostenlose Brennsoftware mit hoher Benutzerfreundlichkeit, 7Zip zum Entpacken von Archiven und eine Menge andere kleine und nützliche Programme, unter anderem auch PortableApps. Dieses Tool ermöglicht es, Programme auf USB-Sticks und externen Festplatten zu installieren und dann an jedem beliebigen PC auf der ganzen Welt zu nutzen. Zum Beispiel im PC-Labor, am Arbeitsplatz oder im Internetcafé.
All diese Programme dienen der Unterhaltung oder übernehmen grundlegende Funktionen in Kommunikation und Datenaustausch und alle sind frei verfügbar.
Nur für eines gibt es keine kostenfreie Alternative: Für die privaten Dateien, ob nun Urlaubsfotos, die online erworbene Musik der Lieblingsband oder die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragenen digitalen Informationen für Übungen, Referate und Abschlussarbeiten. Das alles sollte man auf jeden Fall regelmäßig sichern, egal wie vorsichtig man sich durch das Internet bewegt.
Wenn all diese Programme installiert sind, genügt der PC den Grundanforderungen des Studiums oder auch des alltägliche (Büro-)Lebens.
Nur was ist in 6 Monaten? Das Leben ändert sich tagtäglich, das Studium stellt immer neue Anforderungen und schnell kann es passieren, dass die Software veraltet. Aber auch die OpenSource-Gemeinschaft ist in Bewegung. Ständig erscheinen neue Programme, ständig werden sie verbessert und gelegentlich ist eine Software einfach nicht mehr aktuell und wird ersetzt. Man muss die Augen offen halten, um den Anschluss nicht zu verlieren. Aber es lohnt sich, denn das Sparpotential im Bereich Software ist groß.
Woher downloaden und nicht stehlen?
Die in diesem Artikel vorgestellten Programme sind größtenteils frei verfügbar. Sofern nicht anders angegeben sind die Downloads über chip.de erreichbar.
Die Hardwarevoraussetzungen schwanken zwischen den einzelnen Programmen, mit einem 1 GHz Prozessor und 256 MB-RAM sind aber die meisten Anwendungen nutzbar. Gerade für die Bildbearbeitung empfiehlt es sich aber, einen leistungsfähigeren Rechner zu besitzen.
- chip.de – Homepage der PC-Zeitschrift Chip mit vielen Expertentipps und einer großen und gut gepflegten Datenbank an kostenlosen Programmen
- Mozilla – Heimat des kostenlosen Firefox-Browsers und des Emailprogramms „Thunderbird“
- OpenOffice – Projektseite der Alternative zu MS Office
- Uni Kiel – Student Select – Webseite zum Erwerb vergünstigter MS Produkte über den Student Select Vertrag der Uni Kiel
- t3n.de – Webauftritt des t3n Magazins mit Bewertungen von Programmen und einer Top100-Liste der besten Open Source Software
- FreeGIS.org – Sammlung kostenloser GIS-Software
- PortableApps.com - Plattform zur Installation auf USB-Sticks und externen Festplatten, die die Installation portabler Software ermöglicht. Erhältlich sind vor allem OpenSource-Programme, unter anderem OpenOffice, Firefox, Thunderbird, 7-Zip und KeePass, eine Software zur Speicherung und sicheren Verwaltung von Passwörtern
Woher kommt die kostenlose Software?
Das ganze Thema wirft eine Frage auf: Wer sorgt dafür, dass jeder Internetnutzer kostenlose Programme verwenden kann? Und worin liegt die Motivation dieser Leute, wenn sie dafür nicht bezahlt werden?
Die Programmierarbeit wird oftmals von Privatpersonen geleistet, gelegentlich aber auch von Firmen. Letztere investieren die Arbeit, um zum Beispiel ein neues Programm von den Nutzern testen zu lassen oder um die Nutzer zum Kauf einer besser ausgestatteten Vollversion zu verleiten. Bekanntes Beispiel ist hier die Antivirensoftware AntiVir von Avira, die es in einer Freeware-Version gibt und in zwei kommerziellen Versionen, die zusätzlichen Schutz bieten, unter anderem vor Phising.
Aber warum stecken Privatpersonen ihre Freizeit in die Entwicklung von Programmen, für die sie außer Lob und Anerkennung meist nichts erhalten? Die Gründe sind vielfältig, manche Hobby-Programmierer wollen einfach ihr Wissen und Können erweitern, andere streben die Verbesserung bestehender Programme an und wieder andere treibt die Langeweile. Wenn man sie direkt fragt, geben fast alle eine Variante der Idee an, die hinter OpenSource steckt: Sie nutzen selbst kostenlose Software und wollen im Gegenzug anderen Nutzer ebenfalls kostenlose Programme zur Verfügung stellen.
„Freies Gedankengut soll der Allgemeinheit helfen, und nicht irgendwo in Software versteckt sein, die man nur installieren, aber nicht verstehen kann“, schreibt Master_D. Sein aktuelles Projekt zielt auf die Verbindung von Webelementen ab. Sobald der Praxistest bestanden sei, werde er zur freien Verfügung stellen, schreibt er weiter.
Ein anderer Programmierer führt als Grund an, dass durch die Veröffentlichung des Programm-Codes die Chance größer sei, dass Fehler in dem Code gefunden würden und so die Software optimiert werde.
Auf die Frage nach seiner Motivation antwortet M1C: „Weil ich sehr viele OS-Programme nutze und einfach etwas zurück geben will, außerdem hab ich vieeel Langeweile.“
Diese Idee des freien Gedankengutes und der gegenseitigen Hilfe hat inzwischen eine große Anzahl von Anhängern gefunden. So kommt es, dass eine Vielzahl von OpenSource-Programmen und Freeware online zur Verfügung stehen. Teilweise kann man die Anzahl an Alternativen kaum überblicken und steht als Neuling hilflos vor der Wahl. Abhilfe schaffen hier Webseiten wie t3n.de, die aktuelle Freeware und OpenSource-Programme nach ihrer Beliebtheit geordnet auflisten. So kann man sich als Laie gut ein Bild davon machen, wie praxistauglich die Software ist und ob es nicht eine bessere Alternative gibt. Solche Online-Bewertungen sind eine gute Sache, wenn man niemanden im Bekanntenkreis hat, der eigene Erfahrungsberichte zur Hand hat.










