Kanupolo auf der Kieler Förde
Eisbad
von Anne Trampe
Wer bei „Kanupolo“ an kanufahrende Pferde denkt, der liegt falsch. Der zunehmend populäre Mannschaftssport lenkt auch an der Kieler Förde neugierige Blicke auf sich. Was macht diesen Sport für Eckhard von Forstner so einzigartig, dass es ihn selbst im Winter aufs Wasser zieht? GeoZeit zu Besuch bei den Kanupolospielern der Kanu-Vereinigung Kiel.

- Im Zweikampf zählt beim Kanupolo nicht nur Schnelligkeit
Die Segelschiffe liegen still im Wasser. Möwen fliegen über die Kieler Förde während Dunst den sonst strahlend blauen Himmel verhängt. An einem Adventssonntag wie diesem gehen viele Familien an der Kieler Förde spazieren. Die Winterpause für die „Draußen-Sportler“ hat begonnen. Es scheint friedlich und ruhig an der Kiellinie.
Plötzlich ertönen dumpfes Poltern und gellende Rufe in der Ruhe. Mit energischen Paddelschlägen treibt Eckhard von Forstner beim Kanupolo das Kajak von einer Spielfeldseite zur anderen und feuert seine Mitspieler an. „Los, nach vorne spielen!“ Er versucht für seine Mannschaft so viele Tore wie möglich zu erzielen, indem er den Wasserball in die zwei Meter hohen Tore per Hand wirft oder mit dem Paddel schleudert. Mit seinen 39 Jahren ist Eckhard, genannt Fossi, ein alter Hase bei den Spielern der Kanuvereinigung Kiel. Die dunkelblaue Wollmütze hat er tief in die Stirn gezogen. Ein grau durchsetzter Dreitagebart umrahmt seine Miene, die beim Training immer wieder dem Wechselspiel von Schalk, Zielstrebigkeit, Freude und Frust folgt.

- Eckhard bringt beim Kanupolo immernoch frischen Wind ins Spiel
Als Eckhard von Forstner angefangen hat, Kanupolo zu spielen war er 22, Geographie- und Deutschstudent an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Kanupolo in Schwimmhallen gab es da noch nicht in Kiel. Eine Kommilitonin erzählte ihm von der Sportart. „Ich war noch nie ein Typ, der sich zum entspannen in die Sauna packt“, berichtet Eckhard. „Ich habe stets intensiv Sport betrieben, was den Sprunggelenken auf Dauer nicht gut tat. Außerdem bin ich ein naturverbundener Kerl. Da schien Kanupolo genau das Richtige.“ Ausgelassen albert er herum und lässt die Anstrengungen der vergangenen Woche verblassen.
Als Sonderpädagoge und dreifacher Vater ist für Eckhard allerhand zu tun. „Deswegen ist der Sonntag so heilig. Für mich ist Kanupolo meine Psyche-Hygiene. Der Stress durch den Beruf ist teilweise sehr groß. Beim Kanupolo kann ich dann Energie ablassen.“ Kaum jemand ist so auffällig auf dem Feld wie er. Stets laut rufend, lachend und voller Elan.
Von außen erscheint alles recht einfach: ein bisschen Paddeln und Bälle fangen. Kanupolo ist wie Handball in Kajaks. Wer schon einmal in einem Kajak gesessen hat, weiß, dass das kein Kinderspiel ist. „Ich spiele nun schon seit 16 Jahren. Das erste Jahr nannte man mich den Rollenkönig. Mich brauchte nur jemand anhusten und schon habe ich das Gleichgewicht verloren. Die gesamte Koordination der Bewegungen beanspruchte viel mehr Training als ich vorher angenommen hatte.“ Leichte Brisen kräuseln das Fördewasser. Eckhards Kajak schaukelt in den Wellen. Immer wieder gleicht er mit minimalen Hüftbewegungen das wankende Kajak aus.

- Die Schutzausrüstung erinnert an einen Hockeyspieler
Eckhards Weste, die zum Schutz gegen Schläge dient, trägt die Nummer 16. Nach dem Aufwärmen ersetzt ein weißer Helm mit Gesichtsschutz seine Wollmütze. Verletzte gibt es nur selten, dennoch sind Schutzweste und Helm ein Muss beim Training. Jeden Sonntagnachmittag im Winter trainiert das Herrenteam auf der Kieler Förde, für gewöhnlich fünf gegen fünf, wie bei den Turnieren. Dabei tritt der ein oder andere sogar kurzärmlich an. Eckhard passt sich lieber den Bedingungen an und greift zum Trockenanzug. Sechs Grad Celsius zeigt das Thermometer. Ein kalter Wind zieht über das Wasser. Egal ob sie Mütze, Schal oder Handschuhe tragen, die Zuschauer am Spielrand stehen frierend im eisigen Wind. Sie können ihren Blick nicht vom Spielgeschehen abwenden. „Manchmal steht die ganze Förde voll und die Leute schauen zu. Es macht natürlich Spaß, wenn man merkt, dass der Sport so attraktiv ist“, schmunzelt Eckhard. Immer wieder bleiben Passanten stehen. „Gott, denen muss doch kalt sein“, munkeln die meisten. Aber Eckhards feuerrote Hände sind warm und Schweiß rinnt ihm von der Stirn. Die Anstrengung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

- Eiskaltes Wasser schlägt Eckhard bei der Verfolgung an Hände und Kajak
Schon prescht er los. Das Paddel stäubt das eiskalte Wasser an sein Kajak. Zielgerichtet steuert er auf seinen Gegenspieler zu. Das Paddel dient ihm dabei als Druckpunkt und lässt das Kajak leicht wenden. Mit einer Hand greift er den Ball ab. Mit einem leicht metallischem Geräusch trifft er auf die Wasseroberfläche. Abwehr gelungen.
„Los, weiter!“, knurrt Eckhard. Er ist als erster am Tor seiner Mannschaft und für diesen Spielzug der Torwart. Mit emporgestrecktem Paddel versucht er den Ball abzuwehren. Er trifft zwar den Ball, doch das Paddel kippt nach hinten weg. Wasserball und Paddelspitze hängen im Tor. Der Ärger über das geschenkte Tor treibt ihn an. Gegenspieler ausweichen, paddeln, Bewegungen ausgleichen, Ball abwehren. Das Spiel geht weiter. Mit gemütlichem Kanufahren hat diese Sportart nichts gemein. Die Spieler müssen sich auf den Schiffsverkehr, den Wind und die ständigen Schwankungen der Ostsee einstellen. Wer draußen Kanupolo spielt, dem mangelt es nicht an Abwechslung. „Kanupolo ist ein sehr athletischer und dynamischer Sport. Hier hat man immer Action“, meint Eckhard. „Ich muss mit Kraft, Körpergefühl, Ausdauer und meinen Gedanken zwei Stunden lang beim Spiel sein.“
„Ich kann jedem nur empfehlen, einmal Kanupolo zu spielen. Ich bin immer noch hellauf begeistert“, schwärmt Eckhard. Dabei bietet der Verein Interessierten im Alter von 7 Jahren bereits das Training in der Schwimmhalle an und ist stets auf der Suche nach neuen begeisterten Spielern. Der Besuch eines Probetrainings ist auf jeden Fall lohnenswert und wird mit Abwechslung und Spaß belohnt.
Weitere Informationen:
Mehr zu den Regeln und der Ausrüstung beim Kanupolo:
http://www.kanu.de/nuke/downloads/flyer_polo.pdf
Kanupolo bei der Kanu-Vereinigung Kiel:
www.kv-kiel.de







