Zu Gast bei den Kiel Baltic Witches
Frauenfootball - eine deutsche Erfindung
von René Höllrigl
American Football ist in Deutschland noch immer eine Randgruppensportart. Der in den USA erfolgreiche Sport fristet hierzulande nur ein Schattendasein und das, obwohl die deutschen Vereine auch im amerikanischen Ausland viel Ansehen genießen. Dass Frauenfootball aber existiert und dass zudem die Wurzeln dieser Sportart auch noch in Deutschland liegen, würde wohl auf Anhieb niemand so schnell vermuten. GeoZeit besuchte die Kiel Baltic Witches.

- Frauen-Football, ein außergewöhnlicher Sport?
Die Kiel Baltic Witches gehören zu den Pionieren im Frauen-Football. Die 1999 gegründete Mannschaft ist dem American Sports Club Kiel e.V. angegliedert und spielt momentan in der 2. Damen-Bundesliga. Dies liegt jedoch nicht an der Leistung der Mannschaft, sondern vielmehr an den Statuten der Liga und am fehlenden Nachwuchs. Um in der 1. Liga spielen zu können, so wie die Witches dies vor einigen Jahren erfolgreich taten, ist eine Mannschaftsgröße von mindestens 30 Frauen nötig. In der 2. Liga reichen demgegenüber schon 22 Spielerinnen.
„Nachwuchsspielerinnen für die Sportart zu gewinnen gestaltet sich sehr schwierig.“, weiß Thomas Krohn als Orgaleiter der Baltic Witches. “Viele wissen gar nicht, dass es diese Sportart überhaupt gibt und natürlich gibt es dann auch Vorurteile.“ Und genau das ist das Problem, mit der die eigentlich eh schon im Abseits stehende Sportart im Gegensatz zum deutschen Lieblingssport Nummer eins, dem Fußball, zu kämpfen hat. Es fehlt vor allem auch an den finanziellen Mitteln. Anders als beim Fußball, wo schon in den kleineren Ligen namhafte Sponsoren die Vereine fördern, ist selbst die erste Damen Football-Bundesliga (DBL) kaum ausreichend finanziert.
Die Finanzierung und die Organisation der Spiele und des Trainings obliegen zumeist auf der freiwilligen Hilfe von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. So wurde eigens ein Förderverein zur Unterstützung der Mannschaft gegründet, von dem auch die Fahrten zu den Spielen, sowie Trainingsequipment mitbezahlt wird. Dennoch bleibt ein nicht unwesentlicher Teil an Kosten an den Spielerinnen hängen. Vor allem die heterogene Mischung der Spielerinnen zeigt, dass der Mannschaftsgedanke das Wichtigste ist.

- Trainingseinheit der Baltic Witches auf dem Nordmarksportfeld in Kiel
„Im aktuellen Kader sind von der Bürokauffrau bis zur Studentin Spielerinnen im Alter von 19 bis 36 aus Kiel und Umgebung vertreten“, erläutert Thomas Krohn, dessen Frau selbst viele Jahre in der Mannschaft spielte und noch heute als Trainerin und Organisatorin aktiv mitwirkt. „Die meisten Spielerinnen sind schon viele Jahre dabei“, berichtet Krohn.
In diesem Jahr gibt es in Schweden die erste Frauen-Football-Weltmeisterschaft, an der insgesamt 6 Nationen mit ihren Nationalteams teilnehmen werden. Auch Deutschland ist mit einer Nationalmannschaft vertreten, zu der auch zwei Spielerinnen der Baltic Witches gehören. Daneben werden die USA, Kanada, Österreich, Finnland und Schweden versuchen, den Titel in ihr Land zu holen. Die Deutschen Spielerinnen rechnen sich trotz der harten Konkurrenz gute Chancen aus, das Turnier erfolgreich zu bestreiten. „In den USA ist der Sport noch nicht so alt wie bei uns – aber dafür deutlich schneller gewachsen“, so Krohn
Was aber bringt eine Frau dazu, sich ausgerechnet für eine „männerdominierte“ Sportart zu entscheiden? „Vor allem das Auspowern beim Training und im Spiel ist einer der Gründe, warum ich diesen Sport betreibe“, sagt Nicole Aaldering (32), die schon seit sechs Jahren mit einigen Unterbrechungen durch Verletzungen und Mutterschutz als Linebacker bei den Witches spielt. „Vor allem ist das Spielen im Team ist für mich von großer Bedeutung, eine Einzelsportart könnte ich mir für mich nicht vorstellen.“

- Annegret Steuck und Nicole Aaldering standen Rede und Antwort
Annegret Steuck (22) war die Motivation mit dem Frauen-Football anzufangen eine andere: "Ich wollte eine außergewöhnliche Sportart betreiben und keine typische Frauensportart.“ Auch wenn der Sport hart aussieht, müsse sich dennoch keiner Sorgen machen. "Aufgrund der guten Schutz-Ausrüstung kommt es nicht häufiger zu Verletzungen, als in anderen Sportarten", berichtet die junge Bankkauffrau zu bedenken.
Trotz ihrer Erfolge haben die Spielerinnen häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. „Viele denken immer, den Sport betreiben nur so genannte Mannsweiber, aber das ist in der Realität nicht so", ärgert sich Steuck. Auch sei es am Anfang schwierig die Regeln und Spielabläufe zu verstehen. "Es geht in erster Linie um Taktik und nach einiger Zeit erkennt man, dass es sich auf dem Spielfeld um geplante Knäuel handelt“, erklärt Annegret Steuck.
Wer sich über die Regeln des American Football informieren und einen Einblick in das Team bekommen möchte, kann sich vorab auf der Internetseite der Kiel Baltic Witches einen Eindruck verschaffen oder einfach beim Training vorbeischauen.







