Holstein Kiel vor dem DFB-Pokal Achtelfinale
Kampf um jeden Grashalm
von Constantin Koch und Robert Minkler
Am 21. Dezember 2011 trifft Holstein Kiel im DFB-Pokal Achtelfinale auf Mainz 05. Viertligist gegen Erstligist. Ein sportliches Highlight für Kiel. Die Euphorie in der Landeshauptstadt ist riesig. Doch schon Wochen vor dem Anpfiff im Holstein-Stadion am Westring kommt es zu Problemen. Das Spiel droht nach Hamburg verlegt zu werden.
Wenn der Winter naht, verlassen die Störche ihr Nest. In der Hoffnung auf besseres Wetter fliegen sie zum Überwintern nach Süden. Für die Fußballmannschaft von Holstein Kiel, die im Volksmund den Namen der dünnbeinigen Zugvögel tragen, wäre eine Flucht aus ihrem Nest am Westring eine ungeliebte Notlösung.
Wenn über Sport aus Kiel berichtet wird, geht es für gewöhnlich nicht um Fußball. Die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins ist eine Handballmetropole und für die Fußballer der KSV Holstein liegen die erfolgreichen Zeiten lange zurück. So lange, dass vermutlich niemand mehr leibhaftig dabei war, als der Kieler Traditionsverein 1912 die Deutsche Meisterschaft holte. Seit dem hat der Verein Höhen wie Tiefen erlebt. Zahlreiche Abstiege, zuletzt 2010 aus der Dritten Liga in die Regionalliga, ließen den Erfolg vergangener Tage verblassen. Doch in dieser Saison gibt es wieder Grund zur Hoffnung und die heißt DFB Pokal.

- Achtelfinale: Bundesliga trifft auf Regionalliga.
Als klarer Außenseiter in den Wettbewerb gestartet, bekam Holstein Kiel mit Energie Cottbus, einem Zweitligisten, gleich den ersten namhaften Gegner zugelost. Was aber nur wenige für möglich gehalten haben, gelang: im heimischen Holstein-Stadion am Westring siegten die Kieler überraschend deutlich mit 3:0. Dies ließ so manchen Fußballinteressierten aufhorchen und zeigte, wozu diese Mannschaft im Stande ist. In der zweiten Runde des Pokals schien der Gegner sogar noch respekteinflößender. Mit dem Vorjahresfinalisten MSV Duisburg als Gegner, befürchteten viele ein rasches Ende des Storchenaufstands. Doch der nördlichste Vertreter im Wettbewerb schaffte das, was ihm zuvor wohl kaum jemand zugetraut hätte. Mit einem 2:0 gelang den Holsteinern der nächste Überraschungscoup über einen Zweitligisten und der Einzug ins Achtelfinale.
Im DFB-Pokal besitzt die unterklassige Mannschaft automatisch Heimrecht, so dass die Spiele der Kieler im eigenen Stadion ausgetragen werden. Die besondere „Pokal-Atmosphäre“ in kleinen Stadien kann hierbei den spielentscheidenden Faktor ausmachen. Mit der Unterstützung der heimischen Fans im Rücken bekommt der Kampf des „David gegen Goliath“ somit einen besonderen Reiz. Doch genau dieser Vorteil steht in Kiel auf dem Spiel, wenn es im Achtelfinale gegen den Bundesligisten Mainz 05 geht.

- Hausmeister und Platzwart bei Holstein Kiel: Gerd Jahn.
Den Verantwortlichen der KSV Holstein bereitet das Wetter Sorge. Das Holstein-Stadion am Westring ist mit seinen 100 Jahren eines der ältesten Stadien der Republik. Eine Rasenheizung gibt es nicht. Regen und Schnee setzen dem Platz zu. Schon Wochen vor dem Spiel gleicht der Boden eher einem durchweichten Acker, als einem geeigneten Spielfeld. Die Wetterprognosen geben kaum Anlass für Optimismus. Es droht der Umzug in ein anderes Stadion. Aus dem Heimspiel könnte ein Auswärtsspiel werden. Als alternativer Austragungsort wird das Hamburger Millerntor-Stadion gehandelt, die Heimat des FC St. Pauli. Doch das wollen die Kieler um jeden Preis verhindern. Die volle Unterstützung durch die heimischen Fans soll keinesfalls gefährdet werden.
Die Rettung des Platzes für das Achtelfinale verspricht eine Erfindung aus England, die beim Regionalligisten in Kiel seine Deutschland-Prämiere feiern soll. Dabei wird die Spielfläche mit Hilfe einer aufwändigen Zeltkonstruktion überdacht. Eine Turbine leitet heiße Luft in einen Tunnel von 100 Meter Länge. Die auf dem Spielfeld platzierte Plane dehnt sich aus und spannt sich 6 Meter über dem Boden. Eine Vorrichtung, die verhindern soll, dass Frost und Feuchtigkeit dem Platz weiter zusetzen. Die Kosten dafür werden auf etwa 100.000 Euro beziffert. Viel Geld für einen Verein mit vergleichsweise überschaubarem Etat. Doch für den Verbleib im heimischen Nest investieren die Kieler Störche. Die Wochen vor dem Achtelfinale im Pokal werden zum Kampf um jeden Grashalm.
Update: Nach dem Sensationssieg über Mainz mit 2:0 im Achtelfinale, war leider in der nächsten Runde Schluss. Mit Borussia Dortmund kam der Deutsche Fußballmeister an die Kieler Förde. Die Störche unterlagen mit 4:0.
Weitere Informationen
* Holstein Kiel www.holstein-kiel.de
* Calcio Culinaria – „Mission heiße Luft“ www.calcio-culinaria.de/holstein/spielberichte-ab-juli-2011/475-holsteinstadion-mission-qheisse-luftq.html







