Tiere auf dem Abstellgleis
Die Arche der vergessenen Nutztiere
von Johannes Geist und Maren Hahlbeck
Wenn man an aussterbende Tiere denkt, so fällt einem unweigerlich der Tiger ein, Wale oder Elefanten. Was passiert aber mit Tierarten oder Nutztierrassen, wenn Verbraucher ihre Konsumgewohnheiten verändern? Diese passen dann nicht mehr in das Konsummuster der Gesellschaft und sind deshalb mitunter auch vom Aussterben bedroht.
Im Tierpark Arche Warder hat GeoZeit solche Tiere aufgespürt und begleitet für einen Tag Tierpflegerin Cindy bei ihrer Arbeit. Denn hier werden vom Aussterben bedrohte Schweine, Schafe und Kühe erhalten und gepflegt. Einmal mehr lässt sich feststellen, dass keine Sau der anderen gleicht.
Für Tierpflegerin Cindy fängt der Tag damit an, die Ställe auszumisten und mit frischem Heu zu bestücken. Die Auszubildende ist erst anderthalb Jahre dabei, aber jeder Handgriff sitzt und es gibt keine Scheu sich dreckig zu machen. Klamotten, die was aushalten sind hier Pflicht. Mit ihrer pinken Fleecejacke und ihren modernen Jeans ist sie trotzdem noch voll im Trend. Die Haare hinterm Kopf zum Zopf gebunden, macht sie sich an die Arbeit. Aber Tierpflege ist ein körperlich anstrengender Beruf. Das zierliche Mädchen ließ sich dadurch aber nicht von ihrem Traumberuf abhalten.

„Ich liebe einfach Tiere und ich wollte hier schon immer arbeiten“, erläutert Cindy ihre Berufswahl freudestrahlend, während sie den in der Kälte dampfenden Schweinemist in die Schubkarre befördert. Für die Tiere arbeitet sie hier bei Wind und Wetter. Diesen persönlichen Einsatz haben die Tiere hier auch bitter nötig, denn sie sind zum Teil die letzten ihrer Art.
In der Arche Warder werden sie gezüchtet, erforscht und auch genutzt. Immerhin sind sie ja auch Nutztiere, die ihre Aufgabe brauchen. Genau die haben sie aber in unserer heutigen Konsumgesellschaft nicht mehr. Sie sind entweder zu klein, zu unfruchtbar oder zu fett für die Menschen von heute. Kurzum: sie sind nicht profitabel und wurden daher von den modernen Nutztieren wie dem hochgezüchteten gemeinen Hausschwein ersetzt.
Warum diese Tiere aber besonders erhaltenswert sind, erklärt uns Stefanie Klingel, Tierpädagogin in der Arche Warder. „Wenn diese Rassen verschwinden, dann geht uns wertvolles genetisches Erbgut verloren. Denn die Vorteile der modernen Nutztiere von heute können die Makel von Morgen werden. Diese Tiere haben Eigenschaften, die äußerst wertvoll sein können.“
Es gilt also an die Zukunft zu denken. Wenn Menschen zu viele erhaltenswerte Eigenschaften weggezüchtet haben, sind die Tiere für immer verändert und es gibt kein zurück mehr. „Gerade bei Krankheiten wie BSE, Vogelgrippe oder Schweinegrippe sind andere Nutztierarten eine wichtige Alternative, die es zu erhalten gilt, um eventuell Rückkreuzungen wichtiger Eigenschaften wie Krankheitsresistenzen vorzunehmen“, erläutert Stefanie Klingel.
Von überall ertönen die typischen Bauernhofgeräusche. Das Mähen von Schafen, das Grunzen von Schweinen, das Wiehern von Pferden. Aber der vertraute Klang täuscht, denn hier sehen die Tiere oft anders aus, als wir es gewohnt sind. „Die Schweine hier sind nicht rosa, aber dafür bekommen sie auch keinen Sonnenbrand, wenn sie draußen sind“, erklärt Cindy. Die Sonne senkt sich langsam nieder und die letzten Strahlen erfüllen den Park mit einem unwirklichen, gelben Schimmer. Nach getaner Arbeit kann die Pflegerin es sich leisten zu ihren Lieblingen zu gehen. Nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Tierpflegerin möchte sie Tierpsychologie oder Tiermedizin studieren und sich weiter um solche Tiere kümmern. Das haben die auch wirklich nötig und wir, wenn man recht überlegt, eigentlich auch.
Eckdaten der Arche Warder:
- Europas größter Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen
- Circa 800 Tiere
- 82 verschiedene Tierrassen
Historie: gegründet von einer Privatperson, drohte 2003 die Insolvenz des Parks. 2004 erfolgte die Wiederaufnahme des Betriebes durch Greenpeace als Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und für eine nachhaltige Landwirtschaft.
Öffnungszeiten: ganzjährig, Sommer: 10.00 – 20.00 Uhr. Winter: 10.00 – 17.00 Uhr, am Wochenende und Feiertagen bis 18.00 Uhr.
Finanzierung: vor allem über Tierpatenschaften, Spenden, Landesmittel bei Bauprojekten und durch die Mithilfe vieler ehrenamtlicher HelferInnen, die sich im Park engagieren. Über weitere Helfer/Innen würde sich die Arche Warder freuen.
Weitere Informationen über den Tierpark Arche Warder:
http://www.umweltstiftung-greenpeace.de/die_projekte/arche_warder_2/







