Das Multimar Wattforum in Tönning

Ein Museum zum Anfassen 

Von Jan Herwig und Sebastian Heier

Das Multimar Wattforum in Tönning ist eine Erlebnisausstellung zur Flora und Fauna des Lebensraumes Nordsee.  Der Besucher wird nicht nur visuell informiert, sondern kann an Aktionsstationen, Landschaftsmodellen, Computern und Mikroskopen vieles selbst ausprobieren und erforschen. Für einen Blick hinter die Kulissen, hat GeoZeit die Auszubildende Aylin Badt einen Tag lang bei ihrer Arbeit als Tierpflegerin begleitet.

Aylin Badt ist 21 Jahre alt und macht seit August 2011 im Multimar Wattforum ihre Ausbildung zur Tierpflegerin. Zu ihren Aufgaben gehört neben dem Füttern der zahlreichen Fische, Krebse, Muscheln und Schnecken unter anderem auch das Putzen der Aquarien. Außerdem gilt es die Anlagen zu Warten und die Wasserqualität muss ständig überprüft werden.
Mit der Vorbereitung des Futters fängt es am frühen Morgen an: sie filetiert Heringe für die größeren Arten. Außerdem stehen Tintenfische und Nordseekrabben auf dem Speiseplan der Bewohner des Multimar. Hygiene ist dabei sehr wichtig, damit keine Krankheitserreger über das Futter inbs Aquarium gelangen.
Bevor es zur Fütterung geht, hat Badt die unterschiedlichen Futtersorten für die Aquariumsbewohner auf einem Rollwagen zusammengestellt. Auf ihrem Rundgang werden die Behälter in den Becken verteilt. Kleine Futtermittel wie Plankton werden mit Hilfe von Messbecher und Pipette ins Wasser gegeben. Größere Fische werden so in den Becken verteilt. Bemerkenswert ist hierbei, dass einige Fische mit der Zange gefüttert werden müssen, weil sie es von Natur aus nicht gewohnt sind totes Futter zu bekommen.
Neben der Versorgung ist die Hygiene in den Aquarien ein wichtiger Punkt ihrer Arbeit: beim Putzen achtet Badt sehr streng darauf, dass keine Seife oder andere Reinigungsmittel verwendet werden. Diese würden die chemischen Eigenschaften des Wassers verändern und den Tieren schaden, denn die einzelnen Becken sind speziell ihrem natürlichen Lebensraum nachempfunden. Deshalb werden ausschließlich Wasser und Schwamm benutzt um die Arbeitsflächen und die Becken zu reinigen. Auch Handcreme ist streng untersagt, damit keine unnatürlichen Stoffe ins Wasser gelangen oder Rückstände an den Arbeitsgeräten haften bleiben.
Mit der Zeit verschlechtert sich die Qualität des Wassers in den einzelnen Becken. Um eine ausreichend gute Wasserqualität zu garantieren, nimmt Badt regelmäßig Proben. Sie fügt den Stichproben verschiedene Chemikalien hinzu, um die Qualität anhand von verschiedenen Farbskalen zu überprüfen. Wenn ein bestimmter Grad der Verschmutzung vorliegt, muss ein Teil des Wassers im Becken umgehend gewechselt werden.
Ein Highlight des Wattforums ist ohne Zweifel das Großaquarium. Es hat eine Wassertiefe von sieben Metern und füllt 250.000 Liter Wasser. Für die Zuschauer ist eine 6x6 Meter große Scheibe angebracht. Besucher können den Lebensraum der Meerestiere wie in einem Kino beobachten. Zwei Mal pro Woche findet hier eine Tauchshow statt, bei der die Fische im Becken gefüttert werden. Das Tauchen ist keine reine Show um Besucher anzulocken. Es wird notwendig, weil ansonsten die Fische, die ihren Lebensraum in den oberen Schichten des Beckens haben, die gesamte Ration fressen würden. Damit die Fische der bodennahen Zonen nicht verhungern, verteilt ein Taucher das Futter direkt in diesen Schichten. Während dieser Fütterung ist der Taucher über ein Mikrofon mit dem Publikum verbunden, welches ihm Fragen zu seiner Aufgabe oder zu den Tieren allgemein stellen kann. Badt hat hierbei die Aufgabe dem Taucher in seinen Anzug zu helfen und auf seine Sicherheit zu achten. Dabei besteht ständig Funkkontakt zwischen ihr und dem Taucher. Zusätzlich kontrolliert sie die Sicherheitsleine des Tauchers.
Sind die Fische gefüttert, die Becken gereinigt und die Tauchshow beendet, geht Badts Arbeitstag mit seinen vielfältigen Aufgaben allmählich dem Ende zu. Die Aufgaben in ihrem Job sind fast so vielfältig wie der Lebensraum in unserer Nordsee.

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