Auslandsaufenthalt mit dem Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst
Salto weltwärts
von Moritz Padlat
Was passiert eigentlich nach der Schule? Passen Reisen, Arbeiten und Lernen zusammen? "weltwärts" - der Entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schickt jährlich tausende junge Helfer in die ärmsten Regionen der Welt. GeoZeit hat sich nach ihrem Auslandsaufenthalt bei ihnen umgehört.

- Die "weltwärts"-Freiwilligen Nele Erdmann und Leonard Höink
Für die meisten junge Leute stellt sich nach der Schulausbildung die Frage: „Wie geht es jetzt weiter?”. Denn längst nicht alle Schulabgänger haben schon ein klares Ziel vor Augen wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Viele möchten vor ihrem weiteren Werdegang gerne Reisen und ihre eigenen Erfahrungen im Ausland sammeln. Doch der Rahmen für einen Auslandsaufenthalt ist nicht immer so leicht zu finden. Der zwanzigjährige Maschinenbaustudent Leonard Höink hat diesen Rahmen im Projekt "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefunden. Er hat ein Jahr in Omurushaka im Nordwesten von Tansania verbracht. Dort hat er als Helfer im entwicklungspolitischen Frewilligendienst bei der Entwicklung von Energiesparöfen in einer lokalen Firma mitgewirkt. Ein Jahr, das ihm viele Erfahrungen beschert hat und einen Ersatz für seinen Zivildienst darstellte.
Mit "weltwärts" sind seit seiner Gründung im Jahre 2007 bereits über 6.000 junge Leute in ganz unterschiedliche Regionen der Welt gereist um dort an humanitären Projekten mitzuwirken. Dabei sind es mehr junge Frauen als junge Männer, die diesen Dienst wahrnehmen. Die Zielländer haben den OECD Status „Entwicklungsland” und befinden sich vor allem in Südamerika, Afrika und Asien. Nur ein sehr geringer Anteil von Freiwilligen wird nach Osteuropa geschickt um dort Hilfe zu leisten. Der Bedarf an "weltwärts"-Stellen ist ungemein hoch. Es sind über 10.000 junge Menschen, die sich jedes Jahr für das Projekt bewerben. Die Mittel des Projektes reichen allerdings nur für die Entsendung von ca. 3.500 Freiwilligen aus. Den Freiwilligen werden die Reise- und Versicherungskosten, die Versorgung vor Ort und ein monatliches Taschengeld in Höhe von etwa 100 Euro bezahlt. Diese Ausgaben versuchen die meisten Entsender durch Spenden aufzufangen. Zurückgekehrte Freiwillige werde häufig als Botschafter tätig um für den Freiwilligendienst zu werben. Dabei informieren Sie Interessierte über ihr Arbeit im Ausland und organisieren Spendengelder um die Finanzierung der Projekte zu unterstützen.
Die Betreuung der Freiwilligen wird durch einzelne Entsendeorganisationen geleistet. Zur Zeit gibt es etwa 230 anerkannte Organisationen, die den Freiwilligendienst unterstützen. Einige von ihnen sind christlich und missionarisch orientiert, andere arbeiten ohne religiösen Hintergrund. Die Projekte der einzelnen Organisationen sind dabei in sehr unterschiedlichen Themenfeldern angesiedelt. Es werden sowohl kulturelle, als auch wirtschaftliche Vorhaben unterstützt. Es gibt Bildungsprojekte in Schulen und Kindergärten sowie Sportprojekte zur Persönlichkeitsbildung bei Kindern und Jugendlichen. Die Liste ist lang und vielfältig.
„Der Sinn von "weltwärts" ist es lokal und nachhaltig Hilfe zu leisten”, erklärt der 42 jährige Dr. Rolf Steltemeier, Referatsleiter - Presse und Öffentlichkeitsarbeit des BMZ. Man dürfe die Entsendung von Freiwilligen allerdings nicht als „Einbahnstraße” ansehen, es sei vielmehr eine gegenseitige, völkerverbindende Entwicklungshilfe. Zudem verbreitere der Auslandsaufenthalt das Blickfeld der jungen Menschen und verstärke ihre sozialen Kopetenzen.
Die Nachhaltigkeit ist auch in vielen der Nichtregierungsorganisationen (NGO), die die Freiwilligen vor Ort beschäftigen, ein erklärtes Hauptziel der Arbeiten.
Eine der vielen Entsendeorganisationen hat ihren Sitz in Glücksburg, nicht weit von der Flensburger Förde. Auf einem großen Areal mit konzeptioneller Architektur hat die "artefact" GmbH ihren Hauptsitz. "artefact" hat unter dem Motto „globales Lernen und lokales Handeln” den Entsendedienst "solivol" ins Leben gerufen und hat seit der Gründung 50 junge Leute nach Ostafrika geschickt. Der Name "solivol" setzt sich aus den Worten „solar” und „volunteer” zusammen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es bei der geleisteten Hilfe ausschließlich um Projekte der Solarenergie geht. „Solar beschreibt die Lebensgrundlage unseres Planeten, die Energie der Sonne und soll damit als Sinnbild für Nachhaltige Entwicklung stehen,” erklärt Frank Lüschow, 50 Jahre, Diplompädagoge und Betreuer der jungen, freiwilligen Helfer. Er kümmert sich um die Jugendlichen von der Vorbereitung bis zum Nachtreffen mit den Rückkehrern. Auch der Besuch vor Ort in Afrika gehört für ihn zu seinem Beruf. Früher ist er selbst lange Zeit als Helfer in Afrika gewesen. Seine Erfahrungen und sein Wissen gibt er jetzt an junge Helfer weiter. "solivol" arbeitet ausschließlich mit Partnerorganisationen in Ostafrika zusammen.

- Exotischer als Zivildienst in Deutschland - Omurushaka in Tansania
Die Firmen befinden sich in alle in einem Radius von 1500 Kilometern und sind vornehmlich als Nichtregierungsorganisationen (NGO) strukturiert. „Die meisten der Helfer arbeiten in regional begrenzten Projekten,” erzählt Lüschow. An so einem regionalen Projekt hat auch Nele Erdmann in ihrer zeit als Freiwillige bei "weltwärts" gelebt und gearbeitet. Die 26 Jahre alte Wirtschaftsingenieurin im Energie- und Umweltmanagement hat den Freiwilligendienst genutzt um erste Berufserfahrung nach dem Studium und Auslandserfahrung zu kombinieren. Nach ihrem Studium hat sie sich bei "solivol" beworben und war für ein Jahr in Namibia. In dem kleinen Dorf Döbra, fünf Kilometer nördlich von Namibias Hauptstadt Windhuk hat sie einen Job beim „Döbra Solar Development Project” bekommen. „Meine Arbeit in Namibia war ziemlich vielfältig”, meint Nele. „Ich habe dort viel Verantwortung getragen. Das war sehr schön.” Innerhalb der Organisation hat Nele unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt. Sie hat sich um das Marketing für die in ihren Werkstätten produzierten Solarkocher gekümmert, war aber auch beim Aufbau der Werkstatt beteiligt und hat sich um die Korrespondenz für Spendenzuschüsse gekümmert. Aus ihren Tätigkeiten heraus hat sich auch ein Stellenangebot bei einer NGO in Windhuk ergeben.
Auch Leonard hat in seinem Jahr in Afrika vilefältige Aufgaben übernommen. In einer kleinen NGO hat er geholfen Energiesparöfen zu bauen und zu vertreiben. „Ich habe in dieser Zeit eigenverantwortlich beim Design und Bau der Öfen mitgeholfen, hatte aber auch viel Freizeit und Gelegenheit das Land kennenzulernen.”







