Umweltbewusstsein

Zwischen Wahrnehmung und Realität

von Peter Helms

Unsere Umwelt ist allgegenwärtig, doch wird sie oft gar nicht bewusst wahrgenommen. Wenn man genauer hinguckt ist sie häufig facettenreicher als gedacht und bietet die Eine oder Andere faszinierende Überraschung.
Unsere Natur ist allgegenwärtig.
Unsere Natur ist allgegenwärtig.

Es ist kalt und dämmert. Eine Möwe und zwei Kohlmeisen. Das ist das Zwischenergebnis nach zehn Minuten für die Zählung der NABU – Aktion „Stunde der Wintervögel“. Eigentlich sollte bei diesen Temperaturen kein Mensch oder Tier draußen sein müssen. Jahr für Jahr fliegen unzählbare Scharen gen Süden, um vor der kalten Winterluft Schutz zu suchen. Andererseits ziehen immer mehr Arten es in Betracht ihren Standort dauerhaft behalten, anstatt tausende Kilometer weit zu reisen.

Der Klimawandel hinterlässt Spuren am Boden und in der Luft. Diese Veränderungen merkt nicht nur der Mensch, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. Der Unterschied liegt darin, dass der Mensch die Aufgabe hat dem entgegenzuwirken und die alleinige Verantwortung trägt. Wahrgenommen wird dies in der Tat. Nach einer statistischen Umfrage des Umweltbundesministeriums halten neun von zehn Menschen in Deutschland den Umweltschutz für eine wichtige politische Aufgabe, aber bei der Suche nach den Sündenböcken der Umweltsünder sind es meist die Anderen. Über 70 000 Menschen haben an der NABU – Aktion „Stunde der Wintervögel“ teilgenommen und gezeigt, dass ein Pflichtbewusstsein in Ihnen steckt. Mitmachen kann dabei jeder in Deutschland, der Spaß an seiner Umwelt hat. Viele unserer Mitbürger kennen sich zwar mit der Problematik Klimawandel aus, aber ein eigenes Engagement für das Thema Umwelt fehlt. Ein Umweltbewusstsein zu haben und selbst die Initiative ergreifen sind zwei unterschiedliche Paarschuhe.

Nikola Vagt, Büroleiterin der NABU - Geschäftsstelle des Landesverbandes Schleswig Holstein, erklärt hierzu, dass man auch nur das schützt, was man kennt. Weiterhin verdeutlich Vagt, dass solche Aktionen, wie die Stunde der Wintervögel, das Bewusstsein schärfen und die Leute dazu aufruft, sich tatsächlich eine Stunde lang nur mit diesem Thema zu beschäftigen. Grade dabei könne man auch etwas Neues kennenlernen, was wiederum Positive Effekte habe, unterstreicht Vagt. Auch über das eigentliche Themengebiet hinaus. Doch oft fehlt es an Informationen was der einzelne machen kann.

Dr. Friedemann Prose, Initiator des Klimaschutzprojektes „nordlicht - die
Klimaschutzaktion zum Mitmachen“, erklärt die Wichtigkeit, „dass man über Maßnahmen informiert wird, die man finanziell und zeitlich bewältigen kann.“ Für Prose ist es dabei bedeutend, dass die Bereitschaft etwas zu ändern aus eigener Motivation kommen muss und die Devise überzeugen statt überreden lautet. Das Umweltproblem muss sich auf einer Ebene befinden, die den Einzelnen selbst betrifft. Wer also in Kontakt mit der Natur tritt, hat auch eine größere Verbindung zu der Problematik. Umweltaktionen können dabei ein generelles Hilfsmittel darstellen. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache sich beispielsweise mit der Welt der Ornithologie zu befassen. „Jetzt geht es darum, den Leuten in ihrem jeweiligen Bereich aufzuzeigen wie sie konkret handeln können“, hebt Prose hervor.

Der morgendliche Nebel hat sich schnell verzogen. Immer mehr Vögel finden sich wieder. Die Strichliste füllt sich zusehend mit Amseln und Kohlmeisen. Die Mantelmöwe weicht nicht vom Fleck und beobacht die Stille. Im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, ist es leichter die Vögel zu beobachten. Sie suchen nicht den Schutz von Büschen und Bäumen, sondern finden sich an Futterstellen wieder. Durch das Futterangebot kommt man den Tieren ganz nah und kann sie hautnah erleben. Das kann wieder einen größeren Bezug zu den Vögeln und ihren Bedürfnissen herstellen. In Süddeutschland wird eine hohe Anzahl von Staren dokumentiert. Eigentlich ist diese Art keine von unseren üblichen Wintervögeln. Trotzdem scheint der Zugvogel mehr und mehr hier zu überwintern.

Jeder kann auf unterschiedlichste Art und Weise seinen Beitrag für Natur und Umwelt leisten.

Selbst aktiv werden, ist leichter gesagt als getan. Das Problem des Klimawandels ist in den Köpfen der Menschen präsent, aber eine Veränderung der Einstellung scheint nicht immer stattzufinden. Eine Möglichkeit kann es sein sich Unterstützung zu suchen. Seit 1993 leistet der Umweltschutzfonds Kiel einen Beitrag, indem er finanzielle Mittel zur Förderung von Umweltmaßnahmen bereitstellt. Primär stehen Umweltverbesserungen, die die Umweltbeeinträchtigungen nachhaltig beseitigen, im Fokus.
Thekla Sibbel, Mitarbeiterin im Umweltschutzamt, erklärt, dass  "Gruppierungen oder aber auch Einzelpersonen gefördert werden können". Durch den Umweltschutzfonds werden Maßnahmen auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Kiel gefördert. Weiterhin gibt Sie an, dass die Anträge als individuelle Einzelfälle gehandhabt und geprüft werden. 

Frau Sibbel weist darauf hin, dass nähere Informationen zum Umweltschutzfonds unter www.kiel.de unter der Rubrik "Umwelt und Energie" zu finden seien. Somit besteht der Selbstbezug zum umweltbewussten Handeln. Unter dem Motto „Global denken – Lokal handeln“ kann jeder Mensch etwas Gutes für sich selbst, Tier und Umwelt tun.

Prose erläutert hierzu, dass das eigene Potenzial im Fokus stehen müsse. Aus Sicht des Experten müsse es ein Informationsangebot hierfür geben, wo der Einzelne ansetzen kann. Gleichermaßen muss dann ebenfalls die Bereitschaft vorhanden sein, dieses Angebot auch wahrzunehmen.

Die Vögel sind gezählt in der ersten deutschlandweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“. Stift, Papier, Thermoskanne und Wärmepads werden in der Tasche verstaut. Ein letzter Blick über die Bäume, Büsche und den Teich. Die Enten schnattern in dem eisigen Wasser vor sich hin. Die Ergebnisse des heutigen Tages werden an den NABU übergeben und reihen sich damit in die über 2 Millionen gezählten Vögel ein. Ein Exot wurde heute nicht gesichtet. Dafür ein kleiner Beitrag geleistet.