Mit dem Postschiff zum Polarkreis
von Holger Dreysel
Die Reise mit einem Postschiff entlang Norwegens Küsten ist ein Erlebnis, das man nicht wieder vergisst. Vom Polarlicht über die karge Landschaft bis zu nächtlich erleuchteten kleinen Städten mit Fackeln an den Türen, die Kontraste könnten nicht größer sein. Mit der MS „Trollfjord“ erlebten wir eine Welt nördlich vom Polarkreis.

- Unser Heim für die nächsten Tage: die hell erleuchtete Trollfjord begrüßt uns im Hafen von Bergen.
November, es ist dunkel und schneit. Wir befinden uns auf einer Reise zu einer Gegend der Erde, an der die Sonne im Winter einige Zeit gar nicht mehr aufgehen wird. Nach einer langen Zugfahrt von Oslo quer durch die höchste Hochebene Europas sind wir endlich in Bergen angekommen, dem südlichsten Hafen der Hurtigrute. Hier nimmt eine Schiffsreise ihren Anfang, die sich weltweit einen legendären Ruf erworben hat. Es heißt, das Schiff sei das zuverlässigste Verkehrsmittel in ganz Norwegen. Meine Frau und ich wollen mit dem Postschiff MS „Trollfjord“ entlang der norwegischen Westküste nach Norden fahren. Teils zwischen Felsen und Gebirgen, teils auf dem offenen Atlantik bis hoch nach Tromsö. Keine Kreuzfahrt soll es werden, sondern eine Reise durch die Natur mit kleinen Häfen, steilen Hängen und spannenden Passagen.
Norwegen ist nicht nur bekannt für seine traumhafte Landschaft und die unberührte Natur, sondern auch für ebendiese einzigartige Postschifflinie. Seit 1893 verbindet sie in Sechseinhalb Tagen die Orte der über 2700 Kilometer langen norwegischen Westküste. Bis zur russischen Grenze versorgt sie die Bewohner mit fast allem, was benötigt wird. Die „Trollfjord“ ist ein 2002 von der Fosen-Verft im Trondheimsfjord gebautes Postschiff und gehört der neuesten Generation an.
Hauptsächlich als Transportmittel eingesetzt, fahren die Schiffe der Hurtigruten nach einem festen Fahrplan sowohl die ganz kleinen Häfen als auch die großen Städte an. Särge, Matratzen, die Ausstattung für eine Eisdiele, Automobile, Gefangene in der bordeigenen Zelle, Spielzeug, Blumen, Kühlgut und vieles mehr wird so die norwegische Küste hoch oder runter verschifft. Nur Post, die transportieren sie fast gar nicht mehr. Flugzeuge haben ihnen dabei den Rang abgelaufen. Wenn aber der Winter zu hart und das Wetter zu schlecht ist, kommt es auch heute noch vor, dass die Postschiffe für manche Orte die einzige Verbindung sind, die regelmäßig und sicher durchkommt. Dann nehmen sie auch wieder Post an Bord.
Unsere „Trollfjord“ liegt im Hafen von Bergen am Kai. Vor uns ein alter Küstenfrachter, hinter uns eine Autofähre. An Bord ist die Kabine schnell gefunden, und der Ausblick auf das nächtliche, hell erleuchtete Bergen zieht uns in seinen Bann. Die „Trollfjord“ schiebt sich langsam rückwärts aus dem Hafenbecken. Zwei kräftige Antriebe im Heck lassen sich um 360° Grad drehen und sorgen so für millimetergenaues Manövrieren.
Mit der Passage der ersten Bohrinseln, die wie große Weihnachtsbäume hellerleuchtet im Meer stehen, fallen wir in unsere Kojen. Der erste Hafen allerdings weckt uns schon um vier Uhr morgens. Kurz angelegt, zwei Paletten mit Dosenfrüchten für eine Eisdiele in Svolvaer an Bord genommen und es geht weiter. Viertel vor sieben dann der nächste Stopp in Maalöy. Die Müdigkeit siegt und so wird nur ein kurzer Blick aus dem Fenster geworfen. Der Anleger des Gebirgsdörfchens erscheint niedlich, klein und irgendwie wie ein Modell.
Um 7 Uhr 45 ruft der Wecker zur ersten Mahlzeit des Tages. Die Neugier beschleunigt das Aufstehen und so wird bei nächtlicher Dunkelheit das Bordrestaurant zum Frühstücken aufgesucht. Lachs, Hering, Eier und Pudding sowie alles, was man von einem guten Hotelfrühstück kennt, lassen die Natur und den mittlerweile stärker werdenden Wind erst einmal in den Hintergrund rücken.

- Norwegische Fischer sind es gewohnt: Statistisch erreicht der Wind an 146 Tagen im Jahr Sturmstärke.
„Stadthavet“ heißt die ungeschützte Atlantikstrecke, die wir nach dem Frühstück passieren. Richtig hell ist es um halb zehn immer noch nicht, dafür hängen die Wolken tief über dem Horizont. Der Atlantik, der hier ungebremst auf die norwegische Küste trifft, macht sich durch kräftigen Seegang bemerkbar. Südwest mit Windstärke 7-8, heißt es später, wäre hier nichts Besonderes. Der Blick zum steilen, felsigen Ufer in Lee zeigt uns eine Küste, die früher, als die Schiffe noch nicht so modern und seetüchtig waren, jedem Seemann einen Schauder über den Rücken jagte.
Punkt zehn ruft uns unser norwegischer Bordreiseleiter Egbert zu einem Informationstreffen zusammen. Eine kurze Einführung in das Schiff, die anzulaufenden Häfen und das angebotene, im Winter eher dezente Ausflugsprogramm werden uns vorgestellt. Hier ist man stolz darauf, kein Kreuzfahrtschiff zu sein. Trinkgeld wird hier nicht erwartet und „eine feste Kleiderordnung gibt es bei uns nicht“, erklärt Egbert. Seine Regenjacke liegt direkt neben ihm auf dem Pult. Im Ölzeug vom Außendeck zum Mittagessen und zurück. Auch wir werden uns dabei mehr als einmal ertappen.

- Grau und abweisend wirken die Felsen an denen sich die Trollfjord vorbeischiebt.

- Kontrastprogramm: Ruhige und friedliche Fjorde direkt am wilden Atlantik.

- Theaterkulisse: Riesigen Felsmassive als Kulisse für den Alltag in Norwegen.
Schnell müssen wir lernen, dass Zeit knapp ist an Bord und kaum für die vielen Eindrücke reicht. Um 10 Uhr 30 sollen wir im Hafen Torvik festmachen und dort 15 Minuten Aufenthalt haben. Die Sonne schiebt sich über den Horizont und lädt ein, sich unser schwimmendes Heim einmal bei Tageslicht und von außen anzusehen.
Klein und doch irgendwie elegant, große Glasflächen und klare Farben. Sie sieht gut aus, die „Trollfjord“. Der Anleger weniger. Eine kleine Häusersiedlung mit 12 Gebäuden, eine Lagerhalle und ein Gabelstapler, der ohne Unterlass Waren aus dem Rumpf der Trollfjord heraus und andere Waren wieder hinein stapelt. 42 Touristen sind wir an Bord. Davon treffen sich 30 am Bug, um das Schiff zu betrachten und erste Kontakte zu knüpfen. Nach drei Tagen wird dann jeder jeden kennen, zumindest vom Sehen. Ein durchdringendes Signal vom Schiffshorn und alle strömen wieder an Bord. Weiter geht es nach Aalesund, unserem ersten größeren Hafen. Von 12 bis 15 Uhr haben wir hier Aufenthalt. Der Reiseführer empfiehlt, die 418 Stufen zum Berg Akla hoch zu steigen. Der Blick über die Stadt mit ihren Holz- und Jugendstilhäusern umgeben von Wasser fasziniert. Fjorde auf beiden Seiten der Stadt mit hereinreichenden Bergen und dazu im Hintergrund die schneebedeckten hohen Gipfel des Küstengebirges. So stellt man sich Norwegen vor. Die Besatzung der alten Festungsanlage, die hier einmal stand, hatte die ganze Bucht sicher unter Kontrolle. Ganz klein wirkt die „Trollfjord“ unten im Hafen.

- Erstiegene Belohnung: Nach 418 Stufen gibt es eine überwältigende Aussicht über die kleine Inselstadt Aalesund.

- Vom Wasser zum Schnee: Nur wenige Kilometer trennen hier die Elemente.

- Spielzeugschiff: Vom Berg Akla herunter erscheint die Trollfjord fast wie ein Modell.
Zum Ablegemanöver sind wir wieder an Deck. Dem Schiff auf dem Landwege nachzureisen, wäre ein Wettlauf, den wir nicht gewinnen könnten. Tief ins Hinterland führen die einzigen Straßen, die die Häfen verbinden. Weiter nordgehend schlängelt sich die „Trollfjord“ zwischen Felsen und durch enges Fahrwasser hindurch. Die Sauna auf dem Deck 9 lädt zum Kontrastprogramm ein. Durch riesige Panoramafenster sieht man es draußen schneien, drinnen werden die Gäste gut durchwärmt. An der Steuerbordseite ziehen die majestätischen Felswände vorbei - ab und an unterbrochen durch den Anleger einer kleinen Fähre oder durch einen Wasserfall, der aus großer Höhe zu Boden rauscht.
Beim Anlegen in Molde ist es schon wieder dunkel. Der Tag beschert uns hier nur noch fünf Stunden Sonnenlicht, theoretisch zumindest. Viel davon wird zudem von Schneewolken oder tiefhängendem Dunst verschluckt, der in Sprühregen übergeht. Trotzdem haben wir den Eindruck guten Wetters. Das muss wohl an der mitreißenden Landschaft liegen.

- Familientreffen: Nordgehendes und ein südgehendes Schiff begegnen sich. Stippvisite beim Nachbarn ist durchaus erwünscht.

- Alt und mächtig: Der Nidaros-Dom wacht schon seit 1320 über Kristiansund.

- Shopping einmal anders: Der Fluß Nidelva fließt direkt hinter der Einkaufsstraße und ermöglicht so das Einkaufen mit Boot.
Ein kurzer Spaziergang durch die hektische Einkaufsstraße von Molde mit vielen kleinen erleuchteten Geschäften und Lichtern lässt schon Weihnachtsstimmung aufkommen. Licht ist für die Norweger in der dunklen Jahreszeit ein wichtiges Element. Die lange Dunkelheit drückt auf die Stimmung. Kaum ein Haus, in dessen Fenstern nicht ein Leuchter steht oder zumindest eine Kerze brennt. Auch Fackeln an den Türen sehen wir. Behaglich und gemütlich wirkt alles auf uns. Um 19 Uhr müssen wir wieder zum Abendessen an Bord sein.
Den Hafen Kristiansund verschlafen wir, obwohl die „Trollfjord“ dort kurz vor Mitternacht eine ganze Stunde be- und entlädt. Um sieben Uhr klingelt der Wecker und wir liegen schon in Trondheim. Vor uns hat das Postschiff MS „Nordkapp“ festgemacht. Als wir sie besuchen wollen, ist sie schon wieder in Richtung Süden verschwunden. So ist der Fahrplan der Hurtigrute gestaltet: Alle Häfen, die nordgehend in der Nacht angelaufen werden, werden von den südgehenden Schiffen bei Tag besucht und umgekehrt.

- Imponieren, beeindrucken, abschrecken: Das waren die Aufgaben die der Nidaros-Dom erfüllte.
Ein kurzes Frühstück, dann geht es raus die Stadt erkunden. Mit dem Taxi fahren wir zur alten Festung „Kristiansten“, die in 72 Meter Höhe über die Stadt wacht. Trondheim wurde auf vielen kleinen Hügeln erbaut, so dass es ständig hoch und runter geht. Für die Fahrradfahrer gibt es Fahrradlifte, ähnlich den Schleppliften beim Skifahren, die das Bergaufschieben erleichtern und dazu beitragen sollen, die engen Autostraßen zu entlasten. Vielen Autos begegnen wir tatsächlich nicht, stattdessen trotz Glatteis umso mehr Fahrrädern. Die Rechnung scheint aufzugehen. Entlang der Nidelva, dem Fluss, dem die Stadt ihre Gründung verdankt, gehen wir zum 1320 erbauten Nidaros-Dom. Die riesigen Tore des imponierenden Gotikbaus sind leider geschlossen, so dass der Blick von außen genügen muss. Mitten durch die Stadt fließt ein Kanal, der als Bootsanleger für den Bahnhof und die Geschäfte dient. Die Rückseite der Einkaufsstraße steht auf hölzernen Pfählen und zeigt, wie dicht hier am oder besser im Wasser gebaut wird. Diese urige Bauweise fasziniert ungemein. Gerade rechtzeitig kommen wir wieder am Hafen an. Unsere „Trollfjord“ zieht es weiter auf ihrer Route nach Norden. Einige Sportboote begegnen uns, der Golfstrom sorgt dafür, dass der Winter an dieser Küste nicht zu frostig wird. So bleibt auch das Wasser hier eisfrei.
Vorbei an kleinen Felsen und Inseln geht es wieder raus auf das ungeschützte Wasser des Atlantiks. Norwegens ältester und auch schönster Leuchtturm „Kjeungskjaer“ markiert die Grenze zwischen einzelnen Schären und der vorgelagerten Küste. Wir stehen noch Minuten nach der Leuchtturmpassage an der Reling und sehen uns diese Welt aus tausenden kleinen, vom Meer umspülten Steininseln an.

- Vielseitiges Universalwerkzeug: Vom Inselversorger bis zum Schaafstransporter gibt es viele Schiffstypen.

- Feennebel am Morgen: Schon fast unheimlich sieht es aus, wenn sich früh am Morgen der Nebel durch den Fjord schiebt.

- Einsam vor der Küste - Norwegens ältester und schönster Leuchtturm: "Kjeungskjaer".
Fast über jede Durchfahrt, jeden Kanal und jeden Sund gibt es eine Geschichte zu erzählen. So auch beim engen „Stokksund“, den wir am frühen Abend passieren. Der Deutsche Kaiser soll hier zu Besuch gewesen sein. Die dazugehörige Legende wird uns erzählt: Als der norwegische Lotse die Yacht in den kaum befahrbar erscheinenden Sund steuerte, griff der Kaiser ins Ruder und wollte die Yacht wenden. Der Lotse aber behielt den Kurs bei und sagte: „Sie sind der Kaiser von Deutschland, aber hier an Bord bin ich der Lotse.“ Als die Yacht später sicher im Hafen lag, entschuldigte sich der Kaiser beim Lotsen und schenkte ihm eine wertvolle Uhr. Auch unser Kapitän kennt die Strecke, wir gleiten an steilen Felswänden entlang und um enge Ecken, wo man keinen Ausweg sieht. Ein kurzes Hornsignal gibt ein hundertfaches Echo von den Wänden um unser Schiff herum. Die Stimmung an Bord schwankt zwischen Ehrfurcht und Überwältigung.
Doch der Tag hält noch einen besonderen Abschluss für uns bereit: Blass-grüne Flecken zeigen sich wie kleine, helle Wolken am Himmel. Allmählich werden sie kräftiger und ziehen über den ganzen Himmel wie schräg von der Seite gesehene riesige Gardinen. Das ist das richtige Polarlicht, Aurora Borealis. Eine Dreiviertelstunde stehen wir auf dem obersten Deck unserer Trollfjord, den Kopf in den Nacken gelegt, und bestaunen dieses einmalige Naturschauspiel! Ständig wechselnd in Bewegung und allmählich von Ost nach West wandernd und dann schließlich schwächer werdend.

- Die Vorstellung beginnt: Zuerst zögerlich schleicht sich ein grüner Streifen vom Himmel herab.

- Der Höhepunkt der Aufführung: Grüne Gardinen fallen vom Himmel und ziehen die Zuschauer in ihren Bann.
Gleichzeitig scheinen Sterne durch, der „Große Wagen“ mit dem Polarstern ganz weit oben, der Orion dicht über dem östlichen Horizont und dazu Sternschnuppen. Es ist eiskalt und windig, aber keiner geht runter in die Kabine. Vollkommen überraschend erscheinen auf beiden Seiten des Schiffes Felswände. 10 Meter oder noch weniger Platz sind zwischen unserer „Trollfjord“ und den senkrecht aus dem Wasser aufsteigenden Bergwänden im Lichtschein des Schiffes. Es kommt uns so vor, als könnten wir die Felsen mit unseren Händen berühren.
Dann, am 11. November um 7:15 erreichen wir den Höhepunkt unserer Reise. Wir überqueren den nördlichen Polarkreis. 66°33`51`` Nord. Mit einem Mal kommt uns die Umgebung noch karger, noch uriger vor. Es gibt noch weniger und auch nur noch kleinere Dörfer. So hatten wir uns die Gegend hier nördlich des Polarkreises vorgestellt. Hell beleuchtete Fenster in kleinen Dörfern, kaum Menschen auf den Straßen und alles in fahles Dämmerlicht getaucht. Ab hier wird die Sonne im Winter zeitweise überhaupt nicht mehr aufgehen. Uns erscheint sie gegen Mittag noch kurz am Himmel und wirft ein mattes Licht auf die nordische Landschaft. An den fahlen Schein haben wir uns schnell gewöhnt.

- 66°33´51´´ Nord: Der Polarkreis ist erreicht. Weit sichtbar ist der Berg "Trollhut" als natürliche Markierung.

- Besuch aus der Tiefe: Neptun heißt seine Gäste persönlich mit Eiswasser willkommen.

- Kurs Nord: Zwischen diesen Felsen liegt gut geschützt Bodö.
Unerwartet für uns ist die Polartaufe. Neptun steigt an Bord, um uns in seinem nördlichsten Gewässer willkommen zu heißen. Unserem Kapitän, der verkleidet in der Rolle des Neptuns über die Decks seines Schiffes stampft, scheint dieser Teil seiner Aufgaben an Bord besonders gut zu gefallen. Ein Fass mit Eiswasser auf dem Deck findet seine Erklärung. Eine große Kelle davon, verfeinert mit ein paar Eiswürfeln, wird jedem wagemutigen Polartäufling von Neptun persönlich in den Nacken geschaufelt. Fast alle machen den Spaß mit. Das eisige Wasser im Rücken werden wir vom Herrscher der Meere offiziell in sein Reich aufgenommen.
Am nächsten Tag erhalten wir eine Führung auf der Brücke der „Trollfjord“. Von hier aus wird das ganze Schiff kontrolliert. Viele Anzeigen und Warnmelder, viele Regler und Schalter leuchten uns an. Trotzdem sitzt dort einzig der Sicherheitsoffizier. Wir staunen. Das ganze Schiff fährt im Automatik-Betrieb. „Die Trollfjord wird von Trollen gesteuert, aber überwachen sollte es doch besser ein Mensch“, scherzt der Offizier.
Der nächste kurze Stopp erfolgt in Bodö, auch hier im Dunklen überall warme Lichter und sogar offene Fackeln an den Hauswänden. Kurz die Beine vertreten und wir setzen an zum großen Sprung vom norwegischen Festland hinüber zur Lofotenwand, einer natürlichen, steilen Felsformation, die die Inselkette der Lofoten vor dem stürmischen Atlantik schützt. Noch immer nimmt der Wind zu und schon beim Auslaufen in Bodö wird klar, dass ein ausgewachsener Sturm auf uns wartet. Aber erneut beweist die „Trollfjord“, dass sie für die rauen Gewässer des Nordpolarmeers gebaut wurde, ein wenig hin- und herschaukeln, das ist alles, was man im Schiff vom Sturm mitbekommt, während man auf den Decks kaum noch atmen kann, so stark ist der Wind. Später erfahren wir, dass einem anderen Schiff in unserer Nähe durch den Seegang Scheiben eingedrückt wurden und es einen Nothafen anlaufen musste. Wir sind stolz, dass unser Schiff so gut mit der See klar kommt.

- Vor dem großen Sprung: Unruhig zerrt die Trollfjord an den verstärkten Festmachern. Gleich geht es raus in den Sturm.

- Die Ruhe nach dem Sturm: Svolvaer auf den Lofoten begrüßt uns nach der stürmischen Überfahrt mit warmen Licht.

- Kurz nach Elf nördlich der Lofoten: Das Tageslicht macht sich langsam rar.
Als wir die Lofoten erreichen, erkennen wir, warum von der Lofotenwand gesprochen wird. Wie eine riesige Mauer stämmen sich die kargen Felsen gegen die tosende See. Eine geschlossene Wand, die sich senkrecht viele hundert Meter hoch aus dem Meer erhebt. Wir fragen uns, wo dort eine Lücke zum Durchfahren sein soll. Noch eine halbe Stunde fahren wir unvermindert mit kräftiger Fahrt direkt auf diese Mauer zu. Auf der Kommandobrücke der „Trollfjord“ wird kurz der Suchscheinwerfer eingeschaltet, wie um zu sehen, ob noch alle Felsen an ihrem Platz sind. Anscheinend zufrieden geht der Scheinwerfer nach ein paar Sekunden wieder aus. Die langen Wellen drücken uns noch schneller auf die Felswand zu, dann sehen wir den kleinen Anleger tief unter dem riesigen Bergmassiv. Mit vollem Schwung und genau im richtigen Augenblick dreht der Kapitän die „Trollfjord“ um und legt sie mit laufenden Maschinen an die sturmgepeitschte Pier. Schnell schiebt ein Gabelstapler zwei Paletten in den Rumpf unseres Schiffes und schon sind wir mit voller Fahrt wieder draußen. Dieses Mal in Richtung eines sehr viel geschützteren Hafens.
Svolvaer begrüßt uns mit vielen tausend kleinen Lichtern. Fischerboote teilen sich den Hafen mit unserem Hurtigrutenschiff. Bei dem Wetter ist keiner gerne draußen. Doch sobald der Sturm sich gelegt hat, erfahren wir, werden die vielen Fischkutter wieder auf See sein und Dorsch für die Produktion von Stockfisch einbringen.
Eine Stunde später schlängeln wir uns durch den engen Raftsund. Wieder schrappen wir dicht an den Felsen vorbei. Die gigantischen Höhen der Felsufer mit den steilen Wänden, die erst im Wasser enden, lassen unsere Maßstäbe durcheinandergeraten. Unser großes Schiff kommt uns sehr klein vor, wir uns selbst winzig. Nach der Passage durch die Lofotenwand wird das Fahrwasser wieder freier. Erneut überwältigt von den Eindrücken fallen wir in unsere Betten und das sanfte Polarlicht, welches uns noch durch unser Bullauge begleitet, lässt uns zufrieden einschlafen.

- Spärlich beleuchtet: Die Mittagssonne scheint auf uns herab.

- Markiert das Tor zum Polarmeer und das Ende unserer Reise: Die Eismeerkathedrale in Tromsö.

- Abschiednehmen von unserem schwimmenden Heim: Die Trollfjord zieht weiter nach Norden.

- Der Autor dieses Artikels beim Genuss der norwegischen Landschaft.;
Der vierte Tag an Bord wird auch unser letzter. In Tromsö müssen wir von Bord. Per Bus fahren wir im Dunkeln durch die lebendige Studentenstadt. Wir steigen in den Flieger zurück nach Oslo, zum Ausgangspunkt unserer Reise. Die drei Bord-Tage kommen uns wie mehrere Wochen vor, so viel haben wir erlebt. Eine Heimat ist unsere „Trollfjord“ für uns geworden. Und so verlassen wir sie mit leichter Wehmut. Aber wir kommen wieder. Viel haben wir erlebt, aber um so mehr haben wir noch nicht gesehen! Gezeitenströme, Gletscher, Wale, das Nordkap, enge Sunde und beeindruckende Nordlichter werden uns erneut in ihren Bann ziehen.
Video zum Beitrag:
Weitere Informationen:
Hurtigruten Online – Die Schiffe, die Reisen sowie Hintergrundinformationen zur Hurtigrute
Lofoten Online – Homepage der Inselkette der Lofoten mit Informationen und Bildern
http://www.lofoten-online.de/
Webcamansichten von Bord der Hurtigrutenschiffe
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Aktuelle Positionen der Hurtigrutenschiffe auf Ihren Reisen
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